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Flop

Frankfurts "Second-Life"-Blase ist geplatzt

Als erste deutsche Großstadt war Frankfurt im April 2007 in die Parallelwelt Second Life gestartet. Unternehmen, Museen, Hotels, Gaststätten und Läden eröffneten eigene virtuelle Filialen, um für sich zu werben. Für viele ist diese Rechnung nicht aufgegangen. Second Life hat die besten Zeiten hinter sich.

Online-Welt "Second Life"
Foto: DPA

Ohne ein virtuelles Ich im Internet ist niemand komplett – zumindest schien es mitten im Medienrummel des vergangenen Jahres so, als ob sich alle Menschen in Zukunft nur noch als „Avatare“ (künstliche Doppelgänger) in der Online-Welt „Second Life“ treffen würden. Inzwischen ist der Medien-Hype abgeklungen. Als erste Großstadt war Frankfurt im April 2007 in die Parallelwelt gestartet. Unternehmen, Museen, Hotels, Gaststätten und Läden eröffneten eigene virtuelle Filialen, um für sich zu werben. Für viele ist diese Rechnung bislang nicht aufgegangen. Von Anfang an habe man das privat finanzierte Projekt eher skeptisch betrachtet, sagt der Sprecher der Stadt, Thomas Scheben. „Die Entwicklung hat uns insofern recht gegeben, dass wir nicht des Steuerzahlers gutes Geld dafür ausgegeben haben.“ Bei Hit-Radio FFH, das über „Second Life“ junge Menschen ansprechen wollte und dafür eigens sein Bad Vilbeler Funkhaus eins zu eins nachbilden ließ, heißt es bedauernd, die Online-Welt gehöre einfach nicht zum "Lebensmittelpunkt unserer Hörer“. Das Hotel Concorde wollte im "Second Life“ eigentlich reale Gäste anlocken. "Ein bisschen schade“ finde er die bisherige Entwicklung, sagt Manager Mario Landes.

"Second Life“ ist eine dreidimensionale Welt – bunt, detailgetreu und von den Nutzern selbst gestaltet. Seit Juni 2003 online, rückte die Plattform Anfang 2007 in den Blickpunkt einer breiten Öffentlichkeit. Befeuert vom Medien-Hype schoss die Nutzerzahl in die Höhe: von einer Million im November 2006 auf mehr als fünf Millionen im Juni 2007. Nach dem Ende des Hypes nimmt in der Öffentlichkeit jedoch kaum noch jemand Notiz.

Den Einstieg in die neue Online-Welt wagte probeweise auch die Jugendwelle „YOU FM“ des Hessischen Rundfunks. „Durch die hohen laufenden Kosten in Second Life war das Projekt leider nicht mehr länger zu unterhalten“, sagt Christoph Wörner, der die virtuelle Radiostation als Geschäftsführer einer Kasseler Medienagentur mit aus der Taufe hob. Damit befindet sich „YOUFM“ in bester Gesellschaft, denn auch große Konzerne wie Adidas oder die Deutsche Post haben ihr Engagement im "Second Life“ wieder beendet. „Der Medien-Hype um Second Life war einfach etwas übertrieben und hat der Plattform mehr geschadet als genützt“, glaubt Wörner.

Das nachlassende Interesse der breiten Öffentlichkeit erweckt nach Ansicht des "Second-Life“-Fachmannes Andreas Klünder aber einen falschen Eindruck: „Ich sehe keinen Rückgang in den User- Zahlen, sondern mehr in der medialen Berichterstattung“, sagt Klünder, dessen Medienagentur die virtuelle Ausgabe der Mainmetropole entwickelte. Tatsächlich sind die weltweiten Nutzerzahlen auf mehr als elf Millionen gestiegen. Auch bei FFH ist man nach wie vor überzeugt, dass der Einstieg 2007 „der richtige Schritt“ war, wie Sprecher Dominik Kuhn sagt. Hotelmanager Landes betont: „Es ist Bewegung drin.“ Gerade werde viel gebaut im virtuellen Frankfurt.

Klünder zählte zu Beginn rund 500 Avatare im virtuellen Frankfurt. Inzwischen tummelten sich in der Community pro Tag rund 2000, am Wochenende sogar bis zu 6000 Leute, bilanziert er. Vor allem Hausfrauen und Menschen aus ländlichen Regionen zwischen 30 und 45 Jahren hätten "Frankfurt“ für sich entdeckt. Ausgerechnet bei einer wichtigen Zielgruppe schwächelt Frankfurt aber: Jüngere Nutzer, hat Klünder herausgefunden, lassen sich in der virtuell nachgebildeten Mainmetropole kaum blicken.



Erschienen am 15.09.2008

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