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18.08.08

Skandal

Millionen Deutsche sind Opfer der Datendiebe

Als Konsequenz aus dem Missbrauch von Bankdaten rufen Verbraucherschützer, Datenschützer und Kriminalpolizei nach dem Staat. Gemeinsam fordern sie einen Stopp des Datenhandels, schärfere Kontrollen und Strafen. Der Skandal um verschacherte Adressen nimmt ungeheure Ausmaße an – mindestens sechs Millionen Deutsche sind betroffen.

© dpa
Skandal um Bankdaten

Als Beleg für "illegalen Datenhandel in ungeheurem Ausmaß" hat die Verbraucherzentrale in einem Scheingeschäft persönliche Daten von sechs Millionen Bundesbürgern gekauft, darunter vier Millionen mit Kontodaten. Man habe diese Daten für 850 Euro innerhalb von zwei Tagen erworben, sagte der Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Gerd Billen. Viele Daten stammten aus dem Bereich der Süddeutschen und der Nordwestdeutschen Klassenlotterie, aus Handyverträgen und karitativen Spendensammlern. Billen forderte gemeinsam mit dem Bundesbeauftragten für den Datenschutz, Peter Schaar, und dem stellvertretenden Vorsitzenden des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Bernd Carstensen, schärfere Gesetze gegen Datenmissbrauch und eine bessere Verfolgung der Straftaten.


Schaar sagte, nötig sei eine aktive Einwilligungsregelung: "Daten dürfen für Werbezwecke nur verwendet werden, wenn der Betroffene ausdrücklich eingewilligt hat." Problematisch sei auch, dass der Betroffene durch den Verkauf der Daten nicht wisse, wo diese ursprünglich von ihm preisgegeben wurden. Nötig sei daher, dass es eine Kennzeichnungspflicht über die Herkunft der Daten gebe. Beim Datenschutzgesetz bemängelte Schaar vor allem, dass eine unzulässige Nutzung eines Datenbestandes für Werbezwecke nicht bestraft werde. Dies müsse geändert werden.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter hält es für sinnvoll, ähnlich den Steuerfahndern in Betrieben auch Datenfahnder einzusetzen. Bislang gebe es hier keine Spezialisierung. Nötig sei auch eine Pflicht zur Protokollierung und Dokumentation der Datenherkunft und Datenweitergabe. Dies würde vorbeugend helfen, sagte Carstensen.

Am vergangenen Dienstag war bekanntgeworden, dass Callcenter die Bankdaten Tausender Menschen missbraucht haben könnten. Der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein war eine CD mit mehr als 17.000 Datensätzen zugeschickt worden. Die CD enthält neben Namen, Geburtsdatum, Telefonnummer und Adresse auch die kompletten Bankdaten. Den Verbraucherzentralen sind nach eigenen Angaben Hunderte Fälle bekannt, in denen ohne Einwilligung der Verbraucher Geld von deren Konten abgebucht wurde.

Quelle: ddp/dpa/AP/ras
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