Online-Debatte
Wie Wirtschafts-Blogger die Finanzkrise erklären
Montag, 10. August 2009 10:26 - Von Maximilian WeingartnerDie Finanz- und Wirtschaftskrise hat viele Fragen zu wirtschaftlichen Themen aufgeworfen. Im Internet liefern Starökonomen wie Nicholas Gregory Mankiw oder Nouriel Roubini stimulierende Antworten und spannende Diskussionen. Morgenpost Online stellt Ihnen die besten Wirtschafts-Blogs vor.
Die Diskussion wie es zur aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise kommen konnte, ist fest in der Hand der Politiker. Wer sich aber nicht nur auf Obama, Lafontaine & Co. verlassen will, und wissen möchte, was beispielsweise ein Starökonom wie Nicholas Gregory Mankiw, ehemaliger Chefökonom der Bush-Administration, über die globale Krise denkt, findet im Internet stimulierende Antworten und spannende Diskussionen.
Dabei wird eine Vielzahl von Fragen behandelt. Beispielsweise wie politische Institutionen reformiert werden könnten, um eine Art globale Wirtschaftsregierung zu etablieren. Oder welche Maßnahmen kurz- und mittelfristig notwendig sind, um den Finanzsektor zu stabilisieren. Elite-Blogger wie Barry Eichengreen von der University of California unterbreiten eigene Vorschläge oder bewerten konkrete Maßnahmen der politischen Akteure.
Teilnehmen können alle „professionellen“ Ökonomen, das heißt Professoren und andere in der Forschung Tätige. Ausgewählt werden die Beiträge von einer Redaktion, die aus fünf anerkannten Wirtschaftswissenschaftlern besteht. VoxEU ist damit kein klassisches Blog. VoxEU möchte ein höheres analytisches Niveau als eine Tageszeitung bieten, aber weitaus leichter zu verstehen sein, als eine Fachzeitschrift.
Einen eigenes Blog, allerdings ohne Diskussionsmöglichkeit, hat Harvard-Ökonom Nicholas Gregory Mankiw. Er zählt derzeit zu einflussreichsten Makroökonomen. Zu seinen Forschungsgebieten zählen die Finanzmärkte, die Geld- und Finanzpolitik und das Wirtschaftswachstum. Mankiw wurde zudem als Verfasser populärer Lehrbücher bekannt. Seine Werke „Macroeconomics“ und „Principles of Economics“ wurden insgesamt mehr als eine Million Mal verkauft.
Mankiws Blog war zu Beginn eigentlich nur für Kollegen und Studenten gedacht. Aber spätestens seit er die Konjunkturpläne der demokratischen Regierung in den USA für gut befunden und damit auch die von ihm unterstützte liberale Wirtschaftspolitik der vergangenen republikanischen Regierung kritisierte, wird sein Blog auch von „normalen“ Menschen besucht. Das liegt unter anderem auch daran, dass sich der ironische und direkte Schreibstil des Harvard-Professors wohltuend von dem seiner oftmals etwas dröge formulierenden Kollegen unterscheidet. Mankiw nimmt sich selbst auch nicht ernster als nötig. Auf einen Angriff des Wirtschaftsnobelpreisträgers Paul Krugman - Mankiws Stil sei entweder ignorant oder hinterhältig - antwortete der Professor betont gelangweilt, dass er sich selbst als einfältig ansieht und in Folge dessen ignorant sei.
Zur Unterhaltung, aber als auch zur Anlageberatung, kann das Blog bzw. die Website von Nouriel Roubini, dienen. Der Professor der Stern School of Business der New York University war einer der wenigen renommierten Ökonomen, der die Finanzkrise vorausgesagt hat. So sagte er seit 2004 eine „harte Landung“ der boomenden US-Wirtschaft voraus, wenn die Immobilienblase einmal platzen sollte. Im Jahre 2006 warnte er vor einer Konsumgüternachfrageschwäche sowie vor dem Absturz der Weltwirtschaft in eine tiefe Rezession.
Neben seiner heutigen Tätigkeit als Professor betreibt er die Beratungs- und Analysefirma RGE (Roubini Global Economics). RGE startete mit einer einfachen Website, inzwischen arbeiten Regierungen, Banken und Fondsmanager mit ihren Analysen. Die Artikel sind zum Teil kostenlos, wer aber Zugriff auf exklusive Analysen haben möchte, der muss tief in die Tasche greifen: die Mindestabnahme beträgt zehn Abonnements für insgesamt 20.000 US-Dollar. Die regelmäßigen Beiträge von Nourini zu aktuellen Themen, wie der Forderung der Chinesen nach einer neuen Leitwährung, sind aber frei zugänglich und lesenswert.
Besonders originell ist das Blog des Chicagoer Wirtschaftsprofessors Steven D. Levitt und des Journalisten Stephen J. Dubner. Er heißt Freakonomics und basiert auf dem gleichnamigen Buch der beiden US-Amerikaner. Dieses Buch hat sich seit 2005 drei Millionen Mal verkauft und handelt von alltäglichen Lebensfragen, die ökonomisch erklärt werden. 2005 wurde das dazugehörige Blog gegründet. Er sollte eigentlich nur als eine weitere Diskussionsplattform über das Buch dienen.
Mittlerweile hat sich Freakonomics aber zu einem ernstzunehmenden Wirtschaftsblog entwickelt in dem auch aktuelle Fragen zur Finanz- und Wirtschaftskrise behandelt werden. Wem Mankiws Ironie und Roubinis apokalyptische Szenarien zu weit gehen, ist bei den unterhaltsamen Analysen auf „Freakonomics“ gut aufgehoben.Erschienen am 05.08.2009







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