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16.06.09

Twitter und Co.

Iraner bekämpfen die Internet-Sperre des Regimes

Kein SMS-Versand, kein Facebook, Twitter oder YouTube: Die Ahmadinedschad-Regierung versucht, die Kommunikation der Demonstranten zu unterbinden. Auch das Telefonnetz, TV-Sender und Zeitungen werden abgeschaltet oder an der Auslieferung behindert. Doch die Iraner wehren sich – und überwinden die Zensur zumindest zeitweise.

© Getty
Iranians Protest President Mahmoud Ahmadinejad Re-Election

Die Kommunikationsmedien der Iraner werden weiterhin eingeschränkt. Ziel ist es offenbar, eine bessere Koordinierung der Protestbewegung oder die Verbreitung von Nachrichten über die Unruhen zu behindern. Das am Samstag in Teheran zeitweise völlig lahmgelegte Mobilfunknetz wurde zwar wieder in Betrieb genommen, es war jedoch weiter nicht möglich, Kurzmitteilungen zu verschicken. Vor allem die zumeist jüngeren Annhänger des unterlegenen Kandidaten Mir Hossein Mussawi nutzten SMS-Nachrichten bereits im Wahlkampf intensiv. Zahlreiche Internet-Seiten waren ebenfalls blockiert – offensichtlich, um der Opposition die Kommunikation zu erschweren. Die im Iran beliebten sozialen Netzwerke Facebook und Twitter beispielsweise waren nicht mehr erreichbar. Auch die Video-Plattform YouTube war nur noch eingeschränkt zugänglich.

Doch viele Iraner wehren sich: Viele versuchen derzeit, über so genannte Proxys die Internet-Sperre des Regimes zu umgehen. Das sind zwischengeschaltete Computer, die die Anfragen der Protestierenden an die Webseiten weiterleiten. Im Internet kursieren bereits Anleitungen , wie Privatpersonen einen solchen Proxy einrichten können, um den Iranern zu helfen. Dabei stehen sie im Wettlauf mit den Zensoren, die die Proxys nach Bekanntwerden sofort wieder sperren. Ein Twitter-Nutzer namens Manukaj fordert: "Hört auf, die Proxy-Adressen in der Öffentlichkeit zu erwähnen." Stattdessen solle man sich direkt kontaktieren und die Proxy-Listen tauschen.

Auch Twitter selbst hat bereits reagiert. Das Unternehmen verschob Wartungsarbeiten an seinem Netzwerk, um einen mehrstündigen geplanten Ausfall zu umgehen. Damit "erkennen wir die Rolle an, die Twitter als Kommunikationsmedium im Iran spielt", heißt es im Blog der US-Firma.

Ein weiterer, gesperrter Dienst ist Friendfeed. Er funktioniert ähnlich wie Twitter - und hatte nach eigenen Angaben bislang besonders viele Nutzer im Iran. Bei Friendfeed funktioniert die Zensur offenbar äußerst wirkungsvoll, der Datenverkehr in den Iran ist laut "Techcrunch" praktisch zum Erliegen gekommen.

Bei YouTube werden die Videos aus dem Iran inzwischen gesammelt, etwa unter "Mousavi1388". Einzelne Videos wurden bereits mehr als 200.000 Mal aufgerufen. Und auch in den vergangenen Stunden schafften es einige Iraner, neue Clips von den Aufständen an das US-Portal zu übertragen. Trotz offenbar widriger Umstände: Laut unbestätigten Meldungen hat das iranische Regime mittlerweile die Geschwindigkeit des gesamten Internets gedrosselt. Statt mit 128 kbit/s surfen die meisten angeblich nur noch mit 12 kbit/s im Netz – was etwa zehn Prozent der ohnehin schon langsamen ISDN-Geschwindigkeit in Deutschland betragen würde. Das Übertragen eines Videos wäre unter diesen Voraussetzungen ein stundenlanges Geduldsspiel.

Proteste in der Stadt Shiraz (15.6.2008)

Studenten in der Metro-Station der Universität Tehran (15.6.2008)

Demonstranten vor dem Azadi-Turm in Teheran (15.6.2008)

Polizei geht gewaltsam gegen Demonstranten vor (14.6.2008)

Quelle: AP/lw
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