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05.05.09

Online-Bücher

Amazon prescht mit neuem Lesegerät vor

Der Online-Händler Amazon präsentiert ein neues tragbares Buch-Lesegerät im Din-A-4-Format – den Nachfolger des "Kindle". Das digitale Buch könnte die angeschlagene Medienbranche retten, die immer weniger Zeitungen an den Mann bringt. Bei der Konkurrenz schrillen die Alarmglocken.

© AFP
Der alte "Kindle" von Amazon macht es Zeitungslesern nicht gerade einfach. Sein Nachfolger soll diese Schwäche ausbügeln
Der alte "Kindle" von Amazon macht es Zeitungslesern nicht gerade einfach. Sein Nachfolger soll diese Schwäche ausbügeln

Jeffrey Bezos dürfte sich derzeit wie das stachelige Tier im Märchen "Der Hase und der Igel" vorkommen. Während alle anderen mit Hochdruck an einem digitalen Lesegerät arbeiten, ruft der Chef des Online-Buchhändlers Amazon unablässig: "Ich bin schon da." So hat Bezos für die Präsentation in New York eingeladen. Berichten zufolge will er ein portables Lesegerät vorstellen, das in der Größe eines Din-A4-Blattes auch Zeitungen abbildet. Wieder wäre Bezos allen anderen mindestens um Monate voraus.

Der größte Online-Händler der Welt prescht im digitalen Buchvertrieb bereits seit Jahren voran. Sein erstes Gerät unter der Bezeichnung Kindle hatte Bezos schon 2007 eingeführt, die zweite Generation kam erst vor drei Monaten auf den Markt. Mehr als 275.000 Bücher können Nutzer über das Mobilfunknetz auf ihren Reader laden – bisher nur in den USA. Im Gegensatz zu Computerschirmen nutzt der Kindle ein Display mit hohem Kontrast und ohne Hintergrundbeleuchtung, die das Lesen anstrengend macht. Dass er nur Schwarz-Weiß darstellen kann, scheint die Nutzer nicht zu stören. "Der Kindle hat unsere optimistischsten Erwartungen übertroffen", sagte Bezos im April. Einzelheiten nennt Amazon nicht.

Digitale Lesegeräte als Ausweg

Ein neuer Kindle mit größerem Display käme vor allem der Medienindustrie in den USA entgegen. Immer mehr Zeitungen müssen ihr Erscheinen einstellen, weil sie Auflage und Anzeigen verlieren und so finanziell unter Druck geraten. Eine Alternative, bei der Druck- und Vertriebskosten entfallen, könnte ein Ausweg sein. Vorausgesetzt, Leser zahlen in Zukunft für ihr digitales Abonnement einen Preis.

Viele sind dazu offenbar nicht bereit, weil sie im Internet ihre Zeitung meist kostenlos lesen können. Schon jetzt stellen 58 Zeitungen und Magazine ihre Abos für Kindle-Nutzer bereit, darunter "New York Times", "Wall Street Journal", "FAZ" und "Handelsblatt". Für Zeitungen verlangt Amazon einen Monatspreis zwischen sechs und 15 Dollar. Mit mäßigem Erfolg: Das "Wall Street Journal" verkauft bei einer Auflage von mehr als zwei Mio. Exemplaren nur 15.000 Kindle-Abos. Das Magazin "Fortune" kommt auf etwa 5000 Kindle-Abos, bei einer gedruckten Auflage von mehr als 850.000.

Zufrieden waren die Verlage mit dem Amazon-Angebot nie. Zum einen konnte der Kindle-Bildschirm mit einer 15-Zentimeter-Diagonale Zeitungsanzeigen nicht darstellen. Das soll sich mit dem größeren Display nun ändern. Zum anderen stoßen sich viele Verlage an der Preis- und Kundenpolitik von Amazon. Der Online-Händler entscheidet über die Preise und beherrscht die Kundenbeziehung. Berichten zufolge erhalten die Verlage weniger als die Hälfte des Abo-Preises.

Das Rennen um den besten Reader ist eröffnet

Nicht zuletzt deswegen suchen sie nach Alternativen. Der Zeitungskonzern News Corp. des Medienunternehmers Rupert Murdoch soll bereits prüfen, in einen Kindle-Konkurrenten zu investieren, wie das "Wall Street Journal" meldet, das zum Murdoch-Imperium gehört. Hearst ("San Francisco Chronicle", "Cosmopolitan") arbeitet mit FirstPaper zusammen. Gannet ("USA Today") und Pearson ("Financial Times") haben sich mit Plastic Logic zusammengetan. Plastic Logic will Anfang kommenden Jahres ein größeres Lesegerät auf den Markt bringen.

Das Rennen um den besten Reader ist damit in vollem Gange. Auch Apple soll an einem sogenannten Tablet-Computer arbeiten, dessen Display die drei- bis vierfache Größe des Mobiltelefons iPhones hat und Videos in Farbe darstellen kann. Für viele US-Zeitungen könnte der Wettlauf jedoch zu spät ausgehen. Das Weiße Haus bezeichnete das Sterben der Zeitungen in dieser Woche als "besorgniserregend und traurig".

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