Eigentümergemeinschaft 15. Mai 2012, Finanztest 6/2012
Ärger mit dem Hausverwalter
Wie Eigentümer die Hausverwaltung richtig kontrollieren.
Wohnungseigentumsverwalter haben viel Einfluss. Sie verfügen über das Geld der Eigentümer, vergeben lukrative Aufträge und verwahren Kontounterlagen und Rechnungen. Weil es vielen Eigentümern an Zusammenhalt fehlt und sie daher den Verwalter kaum kontrollieren oder gar abwählen können, sind Probleme mit der Hausverwaltung weit verbreitet. In der aktuellen Ausgabe gibt die Zeitschrift Finanztest Eigentümern Tipps, wie sie ihre Hausverwaltung richtig kontrollieren.
Besonders häufig beklagen Eigentümer, dass der Verwalter Beschlüsse nicht umsetzt, bei Baumängeln untätig bleibt und bestimmte Handwerker und Hausmeister bevorzugt. Selbst vor dem Griff in die Kasse sind Eigentümer nicht sicher. Ein Verwalter aus der Pfalz schaffte zwei Jahrzehnte lang Geld der Eigentümer beiseite und verprasste es. Da er mehrere Wohnanlagen betreute, konnte er das Geld hin und her schieben, beschreibt Finanztest einen Fall.
Zahlen einzelne Eigentümer das Hausgeld nicht, haken Hausverwalter mitunter nicht nach, sondern begleichen die Rechnungen mit dem Geld der anderen. In der Jahresabrechnung, die alle Eigentümer erhalten, fehlt dann etwa der Stand der Rücklagen oder die Höhe der offenen Forderungen. Dabei sind diese Daten in der Abrechnung Pflicht.
Den Verwalter abwählen
Kommt der Verwalter seinen Pflichten nicht nach, können ihn die Eigentümer auf einer Versammlung mit einer Mehrheit abwählen. Wurde der Verwalter für eine bestimmte Zeit bestellt und wollen ihn die Eigentümer vorzeitig abberufen, müssen sie darlegen, dass das Vertrauen nachhaltig zerstört wurde.
Um einen neuen Kandidaten auszusuchen, sollten die Eigentümer mehrere Verwalter zu Firma, Qualifikation und den angebotenen Leistungen befragten. Auch sollten sie sich Musterdokumente wie einen Wirtschaftsplan und eine Jahresabrechnung zeigen lassen. Gute Verwalter sehen sich die Wohnanlage und die Beschlusssammlung der Gemeinschaft an, ehe sie ein Honorarangebot machen. Üblich sind 16 bis 25 Euro pro Wohnung und Monat.
Die Prüfung der Kandidaten ist wichtig. Denn eine bestimmte Qualifikation müssen sie nicht nachweisen, jeder darf in Deutschland als Hausverwalter auftreten.
Finanztest-Tipps:
Eigentümer. Vertrauen Sie als Wohnungseigentümer niemals blind dem Verwalter, den die Gemeinschaft eingesetzt hat. Kontrollieren Sie die Jahresabrechnung, besuchen Sie die Eigentümerversammlung und sprechen Sie mit Ihren Miteigentümern über Probleme und wichtige Vorhaben im Haus.
Käufer. Machen Sie sich vor dem Kauf einer Wohnung ein Bild von der Eigentümergemeinschaft und der Hausverwaltung und lesen Sie wichtige Unterlagen wie Teilungserklärung, Beschlusssammlung und Jahresabrechnungen. Fragen Sie, ob der bisherige Inhaber das Hausgeld bezahlt hat, ob die meisten Eigentümer vor Ort leben oder nur vermieten und ob es einen Mehrheitseigentümer gibt, der die anderen überstimmen kann. Prüfen Sie, ob eine Sonderumlage ansteht und ob es in der Gemeinschaft Streit gibt.
Rat. Hilfe für Eigentümer und Käufer bieten Wohnen im Eigentum (www.wohnen-im-eigentum.de), Haus und Grund (www.hausundgrund.de) und der Verein Deutscher Wohnungseigentümer (www.vdwe.de).

