Clouddienste 27. April 2012 | test 5/2012
Das kann die Datenwolke
Onlinespeicher für Fotos, Dokumente oder den Terminkalender.
Der Sohn lebt in Miami, die Tochter in Berlin, die Eltern in München – und doch sehen sie sich gemeinsam Fotos von der letzten Familienfeier an. Für Nutzer, die ihre Bilder online bei einem Clouddienst ablegen, kein Problem. Aber wie sicher sind die Informationen in der Wolke und wie sieht es mit dem Datenschutz aus? Die Stiftung Warentest beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema Clouddienste.
Die Cloud, englisch für Wolke, ist ein Onlinespeicher, in den Nutzer Fotos, Musik oder Dokumente hochladen können. Einmal in der Wolke angekommen, stehen die Daten jederzeit und überall zur Verfügung. Mit internetfähigen Geräten kann der Nutzer von unterwegs auf die Wolke zugreifen. In einer Cloud ablegen kann ein Nutzer alle Arten von Daten, die er stets braucht oder mit anderen teilen will. Besonders beliebt sind Fotos, Videos, Musik oder Office-Dokumente. Auch der Terminkalender kann dort liegen. So hat der Nutzer ihn stets auf allen Geräten parat und kann sie auf Wunsch auch mit Kollegen oder seiner Familie teilen.
Clouddienste eignen sich aber auch zur Datensicherung, die Daten sind von datenschutzrechtlichen Bedenken abgesehen relativ sicher. Serverbetreiber sind verpflichtet, alle Informationen ständig abzusichern. Aber Server können ausfallen oder gehackt werden. Im schlimmsten Fall sind die gespeicherten Informationen dann weg, oder Kriminelle verwenden sie zu illegalen Zwecken. CDs oder externe Festplatten können aber ebenfalls ausfallen oder gestohlen werden. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es in dieser Hinsicht ohnehin nicht.
Weitere Probleme beim Datenschutz: Große Anbieter wie Google, Amazon, Microsoft oder Apple sitzen in den USA. Deren Server stehen auf der ganzen Welt verteilt. Deutsches Datenschutzrecht ist daher nur schwer anwendbar. Amerikanische Firmen müssen den Ermittlungsbehörden gespeicherte Daten zur Verfügung stellen. Wer mehrere Dienste eines Anbieters nutzt, muss außerdem damit rechnen, dass dieser Nutzerdaten miteinander verknüpft. Google macht das seit März. Es entstehen umfangreiche Nutzerprofile, die Google für personalisierte Werbung einsetzt. Unklar bleibt auch, was mit den Daten passiert, nachdem der Nutzer sich bei einem Dienst abgemeldet hat. Daher gilt: Vorsicht mit sensiblen Informationen. Nutzer sollten ihre Daten verschlüsseln, bevor sie die Informationen hochladen. Das geht zum Beispiel mit dem kostenlosen Programm Truecrypt.
Andere Nachteile: Clouddienste funktionieren nur auf Geräten mit Internetzugang – zuhause und im Büro selten ein Problem. Unterwegs eventuell schon. Smartphones und Surfsticks machen das Internet zwar mobil, größere Datenmengen schöpfen das Volumen der gebuchten Flatrate schnell aus. Problematisch kann es auch werden, wenn der Nutzer seinen Anbieter wechseln will. Ein "Umzug" der Informationen ist aufwendig. Es fehlt an Übertragungsstandards zwischen den Anbietern. Geht ein Anbieter Pleite, bekommt der Nutzer seine Daten unter Umständen nur schwer zurück oder die Festplatten mit den Informationen wechseln sogar den Besitzer. Wer einen Clouddienst nutzen will, sollte sich genau überlegen, welche Daten er der Wolke anvertrauen will.

