Reisekasse 17. April 2012, Finanztest 5/2012
Zwei Karten müssen mit
Mit Girocard und Kreditkarte sind Urlauber auf der ganzen Welt flüssig.
(ftd) Pauschaltouristen haben das meiste schon bezahlt. Für den Rest reicht in Europa die Girocard der Hausbank. Urlauber, die ihre Reise selbst planen oder deren Pauschalreise über Europa hinaus führt, sollten dagegen immer zwei Karten dabeihaben. Denn nicht jede Karte ist überall einsetzbar, warnt die Zeitschrift Finanztest. Seit 2010 ist es besonders wichtig, darauf zu achten, weil mehr und mehr Girocards in fernen Ländern nicht funktionieren. Die Reisenden sollten die Girocard mit einer Kreditkarte oder der Postbank Sparcard kombinieren.
Von der ec-Karte zur Girocard
Die Girocard ist die wichtigste Karte für jeden Reisenden. Jeder Bankkunde mit Girokonto bekommt sie von seiner Bank. Viele Kunden nennen sie noch ec-Karte. Die Karte trägt zwei Symbole: eines steht für den Einsatz in Deutschland, das andere fürs Ausland.
Das Symbol Girocard hat seit 2008 schrittweise die verschiedenen ec- und Electronic-Cash-Zeichen auf den Bankkundenkarten ersetzt. Es steht für die zwei Möglichkeiten, die Karte in Deutschland zu nutzen: Kunden können damit bezahlen und Geld am Automaten abheben.
Für den Auslandseinsatz steht das blau-rote Zeichen Maestro. Es ziert immer noch die meisten Girocards deutscher Banken und Sparkassen. Es steht seit 1992 für die Möglichkeit, die deutsche Bankkarte auch außerhalb Deutschlands am Geldautomaten und an elektronischen Kassen einzusetzen. Das geht weltweit an über 14 Millionen Stellen, sogar in den USA oder in fernöstlichen Ländern. Anders als in Deutschland muss der Kunde nicht nur beim Geldabheben, sondern immer auch beim Bezahlen seine Geheimzahl, die Pin, eingeben.
Das V-Pay ist noch neu
Das blau-gelbe V-Pay-Zeichen steht seit 2010 häufiger anstelle des Maestro-Zeichens. Auf dieses System haben Postbank, Targobank, BW-Bank, LBB, einige Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken umgestellt.
V-Pay-Karten sind mit einem Chip ausgestattet, der die Karte sicherer macht. Betrüger können nicht so leicht ein funktionsfähiges Kartendoppel herstellen. Selbst wenn es ihnen gelingt, die Daten vom Magnetstreifen auszulesen, haben sie noch nicht den Chip geknackt. V-Pay-Kartenbesitzer werden bei nahezu allen Transaktionen zur Eingabe der Pin aufgefordert.
Im Gegensatz zu Maestro funktioniert eine V-Pay-Karte nicht überall auf der Welt. Die Kunden können sie in allen EU-Ländern nutzen, außerdem in der Schweiz, der Türkei, in Andorra, Bosnien-Herzegowina, Gibraltar, Island, Israel, Kroatien, Liechtenstein, Monaco, Montenegro, Norwegen, San Marino, Serbien und Vatikanstadt. Für Reisen in alle anderen Länder brauchen Urlauber entweder eine Girocard mit Maestro-Zeichen oder eine Kreditkarte.
Kreditkarte
Mit einer Kreditkarte können Kunden im In- und Ausland wie mit der Girocard im Handel bezahlen oder Geld am Automaten abheben. Im Unterschied zur Girocard wird das ausgegebene Geld meist nicht sofort vom Konto abgebucht, sondern oft in einer Summe einmal im Monat. Die meisten Kreditkarten kosten je nach Ausstattung eine Jahresgebühr zwischen 20 und 50 Euro. Kreditkarten sind nicht an ein Girokonto gebunden.
In Deutschland sind etwa 30 Millionen Kreditkarten von Mastercard und Visa im Umlauf. Die beiden Unternehmen teilen sich in etwa den Markt, ihre Karten werden weltweit an ähnlich vielen Stellen akzeptiert.
Kartennutzung im Ausland kostet
Was der Einsatz einer Plastikkarte kostet, hängt davon ab, ob der Kunde sie in der Eurozone oder anderswo verwendet. Außerdem gibt es Unterschiede zwischen Bezahlen und Geldabheben.
In den Euroländern ist Einkaufen mit der Girocard kostenlos. Außerhalb der Eurozone berechnet die Bank meist 1 Prozent vom Umsatz, mindestens um 1 Euro. Urlauber, die mit der Girocard Bargeld am Automaten holen, müssen überall im Ausland dafür 1 Prozent vom Betrag bezahlen, mindestens 3,50 Euro, manchmal auch 10 Euro.
Auch mit der Kreditkarte kostet Shoppen in den Euroländern nichts, außerhalb dieser Länder wird ein Auslandseinsatzentgelt von 1 bis 2 Prozent vom Umsatz fällig. Wer mit der Kreditkarte Geld abhebt, muss in Euroländern mit Kosten von 2 bis 4 Prozent vom Umsatz, mindestens jedoch 5 bis 7,50 Euro rechnen. In den übrigen Ländern kommt zu diesen Kosten noch die Auslandseinsatzgebühr hinzu.
Einige Banken verzichten für ihre Kreditkarten im Ausland auf die Automatengebühr und nehmen nur das Auslandseinsatzentgelt. Die ING-Diba und die Volkswagenbank direct tun das in den Euroländern, die comdirect bank und die DKB weltweit. Dann ist Bargeldziehen mit der Kreditkarte günstiger als mit der Girocard.
Postbank Sparcard zum Geldabheben
Zum Geldabheben ist auch die Postbank Sparcard eine gute Wahl. Mit ihr kann der Reisende an 1,9 Millionen ausländischen Automaten mit Visa- oder Plus-Zeichen zehn Mal im Jahr kostenlos Bargeld holen.
Finanztest-Tipps:
Kombinieren. Sie sollten mindestens zwei Möglichkeiten haben, im Ausland an Bargeld zu kommen – nur für Pauschaltouristen in Europa reicht die Girocard. Ansonsten sind Sie mit Ihrer Girocard und einer Kreditkarte oder der Postbank Sparcard immer flüssig. Bargeld holen Sie sich am besten gleich am Flughafen mit einer der Karten am Geldautomaten.
Merken. Lernen Sie die Geheimzahl zur Kreditkarte auswendig. Sie müssen die Nummer inzwischen nicht nur an Geldautomaten eingeben, sondern immer öfter auch an Kassen.
Nachfragen. Manchmal sind Girocards und Kreditkarten aus Sicherheitsgründen für den Auslandseinsatz gesperrt oder auf eine niedrige Summe begrenzt. Fragen Sie vor Ihrer Reise bei der Bank oder dem Kartenherausgeber nach und lassen Sie die Karte freischalten.
Sichern. Haben Sie Ihr Plastikgeld immer bei sich. Sperren Sie es bei Verlust sofort über die zentrale Rufnummer 116 116 (Vorwahl Deutschland meist +49). Notieren Sie dafür vor der Reise auf einem separaten Zettel Bankleitzahl und Kontonummer.

