Stiftung Warentest
04.04.12

Diabetikerschulung 30. März 2012 | test 4/2012

Mit Diabetes leben lernen

Die Chancen sind hoch, das Rad noch einmal zurückzudrehen.

In Kursen lernen Diabetiker, wie sie ihre Krankheit positiv beeinflussen können. Das erleichtert den Alltag und schützt vor Folgekrankheiten wie Herzinfarkt. Die Stiftung Warentest informiert, wie eine Diabetikerschulung abläuft und für wen es solche Angebote gibt.

Rund sieben Millionen Diabetiker gibt es in Deutschland. Die vermutete Dunkelziffer eingerechnet, leidet jeder zehnte Deutsche unter Diabetes, befürchten Experten. Am stärksten betroffen sind die über 60-Jährigen mit 18 bis 28 Prozent Erkrankten, Tendenz steigend. 90 Prozent aller Diabetiker leiden unter Typ 2 Diabetes.

In Schulungen lernen Betroffene mit Typ 2 Diabetes beispielsweise, wie sie sich am besten ernähren, bewegen und mit ihren Medikamenten umgehen. Sie lernen, ihr eigener Therapeut zu sein. Ändern sie erfolgreich ihren Lebensstil, verbessern sich Blutdruck- und Zuckerwerte. Dadurch sinkt die Gefahr, Krankheiten wie Herzinfarkt, Arterienverkalkung oder Nervenschäden zu bekommen. Das nutzt auch der Gemeinschaft: Die Folgekosten für das Gesundheitssystem sinken. Vor allem in den ersten Jahren eines Typ-2-Diabetes sind die Chancen hoch, das Rad sogar noch einmal zurückzudrehen.

Diabetikerkurse finden bei niedergelassenen Ärzten, in diabetologischen Schwerpunktpraxen oder auch in Diabetes-Ambulanzen von Kliniken statt. Es gibt verschiedene Programme, die auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Patienten abgestimmt sind, so etwa für Diabetiker Typ 1 und Typ 2. Manche richten sich an Betroffene, die Insulin spritzen, andere sind auf ältere Patienten mit weiteren Erkrankungen ausgerichtet. Im Zentrum stehen stets Ernährung, Wirkung von Tabletten oder Insulin, richtiges Blutzuckermessen und Wissen über Diabetes. Spezialkurse stellen bestimmte Fragen in den Mittelpunkt, zum Beispiel wie Diabetiker Unterzuckerung erkennen.

Je nach Programm findet eine Schulung vier- bis zwölfmal zwei Stunden statt. Es gibt auch Kompaktprogramme am Wochenende. Praktische Übungen für den Alltag sollten nicht fehlen. Am besten sind kleine Gruppengrößen mit etwa acht Teilnehmern. So können alle zu Wort kommen, ihre Probleme schildern und sich gegenseitig austauschen.

Für Diabetiker, die in einem speziellen Behandlungsprogramm, einem Disease Management Programm, eingeschrieben sind, übernehmen die Krankenkassen die Kosten einer Schulung. Viele Kassen bezahlen sie auch für Patienten, die nicht an einem solchen Programm teilnehmen. Versicherte sollten sich vor der Teilnahme an einem Kurs bei der Krankenkasse erkundigen, ob sie die Kosten trägt. Bei den meisten Schulungen können Diabetiker auch ihren Partner oder Angehörige mitbringen.

Weitere Informationen: Zeitschrift test 4/2012 und www.test.de