Sicherheit von Spargeld 20. März 2012, Finanztest 4/2012
Sparer immer entschädigt
Bisher haben die Sicherungsfonds der Banken immer funktioniert.
(ftd) Die Griechenlandkrise hat das Vertrauen in den Finanzmarkt erschüttert, auch das von Sparern, die nur in Sparbriefen oder Tagesgeld anlegen. Was taugen die Sicherungsfonds der Banken für Spargeld im Ernstfall? Die Zeitschrift Finanztest beantwortet in ihrer aktuellen Ausgabe ausgewählte Fragen besorgter Sparer.
Was passiert, wenn mehrere Großbanken gleichzeitig insolvent werden und es zu einer Kettenreaktion kommt?
Einlagensicherungssysteme sind nicht für den Fall geschaffen, dass unser Wirtschaftssystem zusammenbricht. Käme es nach der Pleite einer Großbank zu einem massenhaften Zusammenbruch von Banken, wären alle Systeme überfordert. Der Staat müsste eingreifen, und zwar bevor es zu einer Kettenreaktion kommt. Ein solches Szenarium ist allerdings aus Sicht von Finanztest wenig wahrscheinlich.
Sind Sparer nach der Pleite eines Kreditinstituts schon einmal auf ihrem Schaden sitzengeblieben?
Nein, so lange es die Einlagensicherungsfonds von Privatbanken, öffentlichen Banken, Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Bausparkassen gibt, haben sie bis heute im Ernstfall immer gut funktioniert. Das gilt auch für den Sicherungsfonds der deutschen Lebensversicherer, der bei der Protektor AG geführt wird. Von ihrem abgesicherten Spargeld haben die Kunden in keinem Fall etwas verloren. Mit Spargeld ist Geld auf Girokonten gemeint, außerdem Sparbriefe, Festgeld und Tagesgeld sowie Fremdwährungskonten, die auf Euro lauten.
Der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands Deutscher Banken hat beispielsweise seit seiner Gründung im Jahr 1976 über 30 Sicherungsfälle gelöst.
Kann eine Bank aus der gesetzlichen Einlagensicherung aussteigen?
Nein, aus der gesetzlichen Entschädigungseinrichtung, die 100 000 Euro pro Anleger schützt, kann keine Bank der Europäischen Union aussteigen. Für Sparkassen besteht eine Zwangsmitgliedschaft in der Institutssicherung der Sparkassen-Finanzgruppe (DSGV). Landesbanken könnten zwar bei schweren Verstößen aus dem DSGV ausgeschlossen werden, müssten sich dann allerdings der gesetzlichen Einlagensicherung anschließen. Vorgekommen ist so etwas noch nie.
Ist in den deutschen Einlagensicherungsfonds genügend Geld?
Sowohl die gesetzliche Entschädigungseinrichtung deutscher Banken als auch die freiwillige Einlagensicherung des Bundesverbands deutscher Banken werden von den jährlichen Beiträgen der jeweiligen Mitglieder gespeist.
Offizielle Angaben darüber, wie viel Geld den Sicherungsfonds zur Verfügung steht, gibt es nicht. Die Fonds funktionieren nach dem Prinzip, dass die anderen Banken einspringen, wenn ein Institut pleitegeht.
Gerät einer der Sicherungsfonds in die Bredouille, kann er von seinen Mitgliedern Sonderbeiträge verlangen. Der gesetzliche Entschädigungseinrichtung deutscher Banken kann auch Kredite aufnehmen.
Was passiert, wenn eine Bank den zusätzlichen freiwilligen Einlagensicherungsfonds verlässt?
Verlässt eine Bank eine freiwillige Sicherungseinrichtung oder wird sie wegen Verstößen gegen das Statut vom Verband ausgeschlossen, genießen die bestehenden Einlagen von Kunden Bestandsschutz. Sie haben die volle Sicherheit, bis ihre Sparanlage fällig wird.
Zahlen die Sicherungseinrichtungen im Entschädigungsfall auch die für Guthaben versprochenen Zinsen?
Ja, alle Sicherungseinrichtungen zahlen im Rahmen der Sicherungsgrenze das Guthaben inklusive Zinsen bis zum Entschädigungstag zurück. Für extreme Fälle – etwa eine Pleitewelle – sehen allerdings die Statuten des freiwilligen Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) Ausnahmen von dieser Regel vor.
So zahlt der BdB in Ausnahmefällen nur "marktübliche Zinsen". Damit soll der Versuch vereitelt werden, dass sich finanziell angeschlagene Banken mit überhöhten Zinsangeboten wieder Geld verschaffen. Aus Sicht des BdB wäre es unfair, wenn Wettbewerber von Pleitebanken deren Anlegern über die Einlagensicherung unangemessen hohe Gewinne zahlen müssten.
Auch der von der Protektor AG geführte Sicherungsfonds der deutschen Lebensversicherer könnte die garantierten Leistungen um bis zu 5 Prozent senken, für den Fall, dass nicht genügend Geld in der Kasse ist.
Kann sich die Sicherungsgrenze meiner Bank ändern?
Ja, aber sie kann die gesetzliche Grenze von 100 000 Euro pro Anleger und Bank nicht unterschreiten.
Tatsächlich werden die Sicherungsgrenzen deutscher Banken, die ihre Kundeneinlagen freiwillig über das gesetzliche Maß hinaus absichern, in den kommenden Jahren sinken. Der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken hat beschlossen, die bei einer Pleite garantierten Höchstsätze in mehreren Schritten von 2015 bis 2025 zu senken. Bisher sind pro Kunde 30 Prozent des "haftenden Eigenkapitals"der Bank abgesichert. Bis 2025 sinkt der Satz auf 8,75 Prozent dieses Eigenkapitals.
In der Praxis braucht das Privatanleger nicht zu kümmern. Denn selbst die kleinsten deutschen Banken halten derzeit 5 Millionen Eigenkapital vor. Das entspricht einer Absicherung von 1,5 Millionen Euro pro Kunde. Im Jahr 2025 sind dann immer noch knapp 440 000 Euro geschützt und bei größeren Banken noch viel mehr.
Ist es riskanter, bei einer Bank anzulegen, die ihren Kunden besonders hohe Zinsen zahlt?
Nein, nicht solange sie an ein funktionierendes Einlagensicherungssystem angebunden ist. Das gilt zum Beispiel auch für die IKB direkt, die schon einmal mit Staatsgeld gerettet werden musste. Solange die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und der BdB keine Gründe für einen Ausschluss der Bank aus der freiwilligen Einlagensicherung sehen, ist Spargeld dort gut abgesichert.
Finanztest-Tipps:
Sicherheit. Bei jeder Bank in der Europäischen Union sind pro Kunde inklusive Zinsen mindestens 100 000 Euro geschützt. Auf Gemeinschaftskonten von zwei Sparern sind es 200 000 Euro. Wollen Sie mehr anlegen, sollten Sie Ihr Geld auf mehrere Banken verteilen oder ein Institut wählen, das Spargeld in Millionenhöhe absichert. Im Internet unter www.test.de/zinsen finden Sie dazu eine kostenlose Übersicht.
Spitzenzinsen. Wollen Sie flexibel sein und jederzeit über ihr Geld verfügen können, sind Tagesgeldkonten erste Wahl. Die besten Zinsen gibt es bei Direktbanken, die ihre Geschäfte per Internet, telefonisch oder per Post führen. Wenn Sie Zinssicherheit wollen, nehmen Sie ein Festgeld für maximal drei Jahre. Dann können Sie auf steigende Zinsen schnell reagieren.

