Systemkameras 24. Februar 2012 | test 3/2012
Spiegel ade
Klein und funktional: Kameras mit Wechseloptik brauchen keinen Spiegel.
Spiegelreflexkameras gelten als das Werkzeug für Topbilder schlechthin. Doch ihre Konkurrenz ist stark. So stark, dass der typische Klack beim Druck auf den Auslöser bald Fotogeschichte sein kann. Unter den Neuerscheinungen dominieren spiegellose Modelle. Die Stiftung Warentest untersucht, was der Verzicht auf den Spiegel für Folgen hat. Nur eine der 16 hochwertigen Systemkameras im Test, die Nikon D5100, hat noch einen Klappspiegel. Viele der Konkurrenten ohne Klack sind kleiner, lösen schneller aus und liefern tolle Bilder. Allen voran die Samsung NX200. Ihre Bildqualität ist eine halbe Note besser als die der Nikon-Spiegelreflex.
Ein Vorteil der spiegellosen Systemkameras zeigt sich unterwegs: Die neuen sind kleiner und leichter als die klassischen Spiegelreflexmodelle. Neue Funktionen gibt es obendrein: Zum Beispiel die Möglichkeit, das Spiel mit der Belichtungszeit vor der Aufnahme zu beurteilen: Eine kurze Belichtung friert die Tropfen eines Springbrunnens ein, bei längerer verwischen sie zur Gischt. Das sieht der Fotograf schon vor dem Auslösen.
Bei einigen Systemkameras fehlt allerdings der Sucher – oder er muss für viel Geld als Zubehör zum Aufstecken zugekauft werden. Das ist bei so leistungsfähigen Kameras unschön, denn nicht immer genügt der Monitor. Ist er schwenk- und klappbar, gelingen Fotos von Krabbelkindern auch auf Augenhöhe ohne Verrenkungen. Doch zum Beispiel die Mittagssonne im Freien überstrahlt die Monitore. Hier funktionieren nur Sucher tadellos. Die Warentester favorisieren deshalb Modelle, die beides haben, Sucher und Monitor, wie die Nikon 1 V1 und D5100, Panasonic Lumix DMC-G3K und die drei Sony alpha 35K, 65VK und 77VK.
In der Bildqualität haben die Sony alpha 65VK und 77VK mit ihren Objektiven das Nachsehen: Feine Strukturen verwaschen, die Auflösung ist relativ niedrig. Die beiden Nikon 1 fangen im Zusammenspiel mit ihren Objektiven trotz ihrer scheinbar mageren 10 Megapixel Bildauflösung mehr Details ein. Beim Foto von Garnrollen entscheidet das darüber, ob nur die Garnrolle oder auch feinste Fusseln am Garn zu erkennen sind. Dabei bieten die beiden Sony-Kameras die meisten Bildpunkte im Test: 24 Millionen. Doch die Pixelzahl hat wenig mit der Auflösung der Kamera zu tun, das ist keine neue Erkenntnis.
Anspruchsvolle Fotografen werden mit spiegellosen Systemkameras sicherlich glücklich. Berufsfotografen setzen aber noch immer auf Spiegelreflexkameras. Der Sucher der Profimodelle ist eine Klasse für sich; ihr Autofokus funktioniert selbst bei wenig Licht und schnell bewegten Motiven; ihre Bildsensoren sind so groß wie ein Kleinbilddia, Fachjargon "Vollformat". Damit bieten sie mindestens doppelt so viel Fläche wie die Sensoren in spiegellosen Systemen. Das sorgt für noch detailreichere und kontraststärkere Bilder. Hier liegen die Preise aber deutlich jenseits der 2 000-Euro-Grenze – allein schon für das Kameragehäuse. Sie sind nicht im Test.
Weitere Informationen: Zeitschrift test 3/2012 und www.test.de/digitalkameras

