Kosmetikdeklaration 24. Februar 2012 | test 3/2012
Den Kode knacken
So bahnen Sie sich einen Weg durch das Dickicht der Fachbegriffe.
Was ist drin in der Körperlotion? Was macht den Lidschatten so blau, den Lippenstift so rot? Wer das wissen will, muss sich durch die Liste der Kosmetikinhaltsstoffe arbeiten. Die Stiftung Warentest verrät Kniffe, die es dem Laien ermöglichen, das Fachchinesisch zu enträtseln.
Auf der Rückseite von Kosmetikprodukten stehen wertvolle Informationen – nicht nur für Allergiker. Die "Ingredients", die Inhaltsstoffe, verraten: Welche Farbstoffe enthält diese Creme? Stecken Duftstoffe darin, wurde sie konserviert? Warum aber steht es dort auf Englisch und Latein, warum nicht auf Deutsch? Was manche ärgert, ist eine europaweite Errungenschaft: Englische und lateinische Fachbegriffe stehen deshalb auf Kosmetika, weil Menschen sie über Sprachgrenzen hinweg verstehen können. Die Kosmetikhersteller können es sich nicht aussuchen: Seit 1997 müssen sie die Inhaltsstoffe angeben – und zwar vollständig.
Generell haben sich die Gesetzgeber auf englische Begriffe geeinigt. Ausgenommen sind Pflanzennamen. Sie werden in Latein genannt. Das gilt auch für Stoffe des alltäglichen Gebrauchs wie Wasser (Aqua) oder Essig (Acetum). Es ist die EU-Kosmetikrichtlinie, die genau vorschreibt, wie die Kosmetikanbieter die Inhaltsstoffe zu bezeichnen und aufzulisten haben. Grundlage ist die INCI. Das ist die Abkürzung für International Nomenclature of Cosmetic Ingredients, zu Deutsch internationales Verzeichnis der Fachbegriffe für kosmetische Inhaltsstoffe.
Die Substanz, die vorn in der Inhaltsangabe steht, macht den größten Anteil im Produkt aus. Die Bestandteile sind nach ihrer Konzentration in absteigender Reihe anzugeben. Steht zum Beispiel "Aqua/Water" am Anfang, ist Wasser der Hauptbestandteil des Inhalts. Zu wie viel Prozent ein Produkt aus Wasser besteht, muss der Hersteller nicht angeben.
Viele Kunden interessieren sich besonders für Duftstoffe in Kosmetika. Die Anbieter können sie mit der Sammelbezeichnung "Parfum", "Parfüm" oder "Aroma" deklarieren. So können Kunden parfümierte von nicht parfümierten Produkten unterscheiden. Um welchen Duft es sich handelt, ist so aber nicht zu ersehen. Laut INCI-System müssen die Hersteller 26 Duftstoffe einzeln aufführen – und zwar jene, die häufiger als andere mit allergenen Reaktionen in Verbindung gebracht werden.
Wer die Abkürzung CI in der Inhaltsstoffliste entdeckt, ist auf einen Farbstoff gestoßen – CI steht für Colour-Index. Dem Kürzel folgt eine fünfstellige Zahlenkombination.
Vor allem für Allergiker ist die lesbare und einheitliche Angabe der Inhaltsstoffe wichtig. Wer den Verdacht hat, gegen Stoffe in Kosmetika allergisch zu sein, sollte sich an einen Arzt wenden. Je genauer der Auslöser ermittelt werden kann, umso besser. In den Allergiepass sollte der Arzt dann die INCI-Begriffe eintragen. So kann der Allergiker beim Einkaufen Pass und Produkt abgleichen und manche allergische Reaktion schon im Vorfeld verhindern.
Weitere Informationen: Zeitschrift test 3/2012 und www.test.de

