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19.04.10

Internet-Versand

Der Sex im Sinne der Scharia

Schon nach wenigen Tagen war der erste muslimische Internet-Sexshop wieder offline. Der Ansturm war einfach zu groß.

© dpa
I love Berlin

"Unser Provider konnte die erforderliche Bandbreite nicht zur Verfügung stellen", steht nun auf der Startseite von www.elasira.nl. "Wir ziehen jetzt um und werden in wenigen Tagen wieder online sein." Der 29-jährige Abdelaziz Aouragh hatte den Versand Ende März ins Netz gestellt.

Mit al-Asira will der gläubige Muslim aus Amsterdam zu einem harmonischen Eheleben beitragen und eine Alternative zu "anderen Seiten anbieten, die sich auf Porno und anstößige Erotik konzentrieren" – Dinge, die im Islam verboten seien. Schon nach vier Tagen zählte Aouragh 70.000 Besucher auf seiner Website.

Gläubige Muslime lockt das Angebot mit dezenter Optik und einer harmlosen Straßenszene im Hintergrund – statt nackter Brüste und greller Farben. Al-Asira, das arabische Wort für Sippe oder Stamm, bietet die Wahl zwischen zwei züchtigen Katalogen: einem für Männer und einem für Frauen. Cremes und Öle tragen das "Halal"-Siegel, sind also ohne Alkohol und Gelatine hergestellt und demnach religiös unbedenklich.

Dildos, Vibratoren und alle Arten von Pornografie sucht man vergeblich in dem sorgfältig ausgewählten Angebot. Solche Dinge seien "haram", verstießen also gegen die religiösen Regeln der Scharia, sagt Aouragh. "Wir haben einen respektvollen Ansatz gewählt", heißt es in der Rubrik "Über uns" auf der Website. Muslime sollten ihre Sicht auf Sexualität und Erotik auf eine "positive Weise teilen".

Aouragh, dessen Familie ursprünglich aus Marokko stammt, bat islamische Gelehrte um Rat, um mit seinem Angebot nicht gegen die Regeln der Religion zu verstoßen. "Ich habe viel darüber gelernt, wie der Islam zur Sexualität steht", sagt Aouragh und bekennt, früher selbst Erotik als islamisches Tabu verstanden zu haben. "Dann habe ich erfahren, dass der Prophet den Männern die Anordnung gab, ihre Frauen sexuell zu befriedigen."

Der niederländische Imam Abdul Jabbar versichert, Muslime dürften ihr Sexleben durchaus mit Hilfsmitteln verbessern. "Sex ist ein wichtiger Teil der Ehe."

Dennoch hätten sich Muslime mit Problemen im Eheleben bislang mit traditionellen Kräutern aus dem Nahen Osten zufrieden geben müssen, sagt Aouragh. "Die meisten anderen Produkte tragen die Bilder nackter Menschen oder schmutzige Wörter auf der Verpackung. Es war sehr schwierig für mich, etwas Passendes für mein Angebot zu finden."

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