Partnerschaft
Wie Paare mit Love & Pease glücklich werden
Ihre Buchtitel klingen, wie Männerwitze anfangen. Barbara und Allan Pease landen mit vulgärwissenschaftlichen Beziehungstipps immer wieder Bestseller.
Von Sonja Vukovic
Dieser "Nichts"-Raum bleibt den meisten Frauen ein wohl auf ewig verwehrtes Paradies. Jener Fleck im Gehirn, dessen Name genau das beschreibt, was dort vor sich geht: Nichts. Männer ziehen sich dorthin gelegentlich zurück. Doch wenn ihr Gedankenstrom sich dann für eine Weile in den Stand-by-Modus verabschiedet, mutet ihr Gesichtsausdruck von einer für ihre Frauen geradezu beängstigenden Leere an – weshalb sie ihn gern immer wieder aus dieser ihr unbekannten Dimension holt mit Fragen wie: "Was ist denn, Schatz?" und "Was denkst du gerade?"
"Wenn er dann 'nichts’ antwortet, hält sie das für eine Lüge und hält ihm vor, ihr etwas zu verheimlichen", schreiben Barbara und Allan Pease in "Warum Männer immer Sex wollen und Frauen von der Liebe träumen". "Er wollte nur zehn Minuten abschalten, und plötzlich findet er sich in einem Streit darüber wieder, ob man wirklich nichts denken kann."
Anhand verschiedener Phänomene der Geschlechter geht das australische Autorenpaar dem Titel ihres Buches auf den Grund. Zwar ist die These, dass Frauen nicht nur ständig denken, sondern auch ständig den Gedankenaustausch suchen, weil sie seit Urzeiten "ihren Erfolg und ihren Selbstwert an der stärke ihrer Beziehungen" messen, nicht neu. Doch die Vermutung, dass es daher auch vorwiegend Frauen sind, die solche Ratgeber überhaupt lesen, trifft im Fall der Pease-Bücher nicht zu. Ihre Beziehungsratschläge begeistern auch Kerle. Solche wie Regisseur und Schauspieler Leander Haußmann zum Beispiel, der aus ihrem ersten Bestseller "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken" 2007 eine deutsche Kinokomödie machte.
Allan Pease muss heute noch herzhaft lachen, wenn er sich daran erinnert, wie das 1999 erschienene Buch entstand: "Barbara und ich waren auf dem Weg zum Mailänder Flughafen. Die Autobahn war voll, die Zeit knapp und wir gerieten in einen fürchterlichen Streit, weil Barbara einfach nicht in der Lage war, die Karte zu lesen", sagt er Morgenpost Online.
Aus der Szene ihrer Ehe machte das Paar maximales Kapital. Mit einer Auflage von insgesamt 25 Millionen Büchern, haben sie seither neun Nummer-1-Bestseller geschrieben, übersetzt in 51 Sprachen, verkauft in mehr als 100 Ländern. Auch "Warum Männer immer Sex wollen und Frauen von der Liebe träumen" setzt keinen Staub in den Buchhandlungen an.
Sich die Eigenheiten des Partners zu Nutze machen
Zwar klingen die Titel von Pease & Pease wie Männerwitze anfangen und versprechen nicht viel mehr als nur weitere stereotype Kompendien zu sein. Und tatsächlich sind die Rollen in ihren Werken klar verteilt; Allan und Barbara Pease widersprechen der feministischen Logik, der zufolge Menschen nicht als Mädchen oder Jungen geboren, sondern dazu erzogen werden und das Ergebnis eines gesellschaftlichen Zwanges sind. Sie sagen, dass Denken und Handeln der Geschlechter von Hormonen und Verknüpfungen im Gehirn gesteuert werden, gehen über diese vor allem in der Wissenschaft seit langem verbreitete These aber auch hinaus: Wenn man die Eigenheiten des Partners kennt und weiß, wie man sie sich zu Nutze macht, hat keiner mehr ein Problem", lautet ihr Leitgedanke.
"Männer kennen nur zwei Gefühle: Sie sind entweder hungrig oder geil. Wenn Sie ihn ohne Erektion sehen, machen Sie ihm ein Sandwich", lautet ein nicht ganz ernst gemeinster Rat an die Damenwelt, der eine für Frauen oft frustrierende Vorstellung vorweg entkrampfen soll: Männer macht Primitives glücklich: Sex, lebenswichtige Dienstleistungen, das Gefühl, an erster Stelle zu stehen, Zeit für sich. Mehr brauchen die Herren der Schöpfung Barbara und Allan Pease zufolge nicht.
"Wir wollen Frauen aber nicht sagen: Findet euch damit ab", sagt Allan Pease. "Sondern: Es macht euch das Leben einfacher, wenn ihr versteht, dass Männer ihr eigenes Denken und Handeln anders empfinden und bewerten, als ihr. Wenn sie zum Beispiel weiß, dass männliches Schweigen anders als bei Frauen ein Zeichen für Zufriedenheit ist, dann versetzt sie dieses Wissen in die Lage, sich zu entspannen". Statt Energie zu verschwenden, ihn dafür zur Rechenschaft zu ziehen, dass er sich mal kurz gedanklich von ihr verabschiedet, könne sie diese Kraft aufwenden, um sich in dieser Zeit selbst etwas Gutes zu tun. "Er kommt schon wieder zurück, ganz von allein."
Der häufigste Fehler in modernen Beziehungen ist dem Australier zufolge, dass "Frauen versuchen Männer glücklich zu machen, indem sie sie behandeln, als hätten sie weibliche Bedürfnisse". Aber auch viele Männer müssten erst lernen, bei ihren Partnerinnen die richtigen Knöpfe zu drücken: "Sie müssen vor allem verstehen, dass sie ihre Frauen wie eine Prinzessin behandeln müssen, um sie zum wilden Tier (in sexueller Hinsicht/Anm. Red.) zu machen." Pease untermauert seine Ratschläge gern mit Beispielen aus seinem eigenen Liebesleben: "Kürzlich erst war wieder einer dieser Abende, an denen Barbara reden wollte und ich Sex. Ich habe sie erst einmal reden und dann ein Bad eingelassen. In der Zwischenzeit habe ich die Küche aufgeräumt. Und zwanzig Minuten später war Barbara vollends entspannt und wir hatten eine fantastische Nacht."
Auch für solche Männer, die der Abwasch wenig antörnt, wenn sie eigentlich an Reizwäsche denken, hat der 58-Jährige eine Anekdote parat: "Es gibt zwischen Barbara und mir auch Situationen, in denen sie sich mit einem Quickie zufrieden gibt, weil sie weiß, dass das nicht alles ist, was ich ihr zu bieten habe."
Was Sex angeht, so sind beide Geschlechter dem Ratgeber-Duo zufolge einfach zu handhaben. Schwieriger wird es, wenn es um Liebe geht. Denn im Vergleich zu anderen menschlichen Emotionen wie Depressionen, Ängsten und Zwängen ist trotz zahlreicher wissenschaftlicher Versuche bis heute nicht einmal klar definiert, was Liebe eigentlich ist. Aber: "Weil Liebe zwischen Mann und Frau universell und in jeder menschlichen Kultur weltweit zuhause ist, muss es eine biologische Basis für dieses Gefühl geben", schreiben Barbara und Allan Pease.
Natürlich gibt es aber auch hierbei erhebliche genetisch programmierte Unterschiede: Frauen erleben Liebe im Nucleus caudatus, jener Gehirnregion, die für Erinnerung, Emotion und Aufmerksamkeit zuständig ist, erklären die Autoren gestützt auf eine Untersuchung von Lucy Brown , Professorin für Neurowissenschaften am Albert Einstein College of Medicine in New York und der Anthropologin Helen Fisher von der Rutgers University unter 3000 "wahnsinnig Verliebten". "Die Verliebtheitsareale männlicher Gehirne hingegen befinden sich im Bereich der Sehrinde und der visuellen Wahrnehmung."
Die Gründe dafür stammen den Beziehungsratgebern zufolge aus der Steinzeit: Er suchte noch anhand optischer Merkmale die potentiell beste Gen-Mutter für seine Kinder und sie speicherte sich jedes noch so kleine Merkmal all jener zur Reproduktion bereiter Männchen – Um denjenigen auszuwählen, der es wert war, sich aufzuopfern. Immerhin kostet es eine Frau "neun Monate, ein Kind auszutragen, und mindestens weitere fünf Jahre, bis es ohne sie halbwegs überlebensfähig wäre".
Barbara und Allan Pease sind keine Soziologen, keine Psychologen und keine Anthropologen. Sie sind gar keine Wissenschaftler. Allan begann seine Karriere mit zehn Jahren. Damals lief er von Tür zu Tür und bot Spülschwämme an. Mit 21 stieg er in die Versicherungsbranche ein und endete schließlich als "Mr. Body Language", (Herr Körpersprache) als er Seminare in Selbstpräsentation gab. Barbara war einst Model und unterrichtete nebenbei Arbeitssuchende in Methoden der Körpersprache und der Selbstpräsentation. So lernten sich der heute 58-jährige und seine elf Jahre jüngere Frau kennen. Inzwischen haben sie sechs Kinder, jeweils zwei brachten beide aus früheren Ehen mit in die Beziehung. Mit bereits fünf Enkelkindern ist die Familie Pease allerdings nicht ansatzweise so schnell gewachsen, wie die gleichnamige Firma: Mit ihren Büchern über Körpersprache und Beziehungen hat sich das Paar ein Millionen-Imperium erschrieben.
"Die Ehe ist eine Erfindung für die Frau"
Das Geheimnis ihres Erfolgs liegt nicht nur im Humor, sondern vor allem in der Authentizität ihrer Geschichten. Denn sie sind Ergebnis von zwei Jahrzehnten Partnerschaft. "Die ersten beiden Jahre unserer Beziehung waren spannend, ergreifend und romantisch wie 'Titanic’. Das dritte Jahr aber war wie 'Freitag 13.’, ein echter Horror. Wir waren ständig in Machtkämpfe verwickelt, keiner wollte nachgeben und beide meinten immer, man sei völlig im Recht", erzählt Allan Pease. Nur ein Paartherapeut habe das gemeinsame Glück noch retten können: "Da haben wir uns richtig kennen gelernt. Wenn das Verliebtheitsgefühl abnimmt, gilt es raus zu finden, ob man sich lieben kann. Passt man wirklich zusammen? Hat man gemeinsame Werte? Ziele? An den Antworten zerbrechen die meisten Beziehungen."
Verliebtheitsein beruhe auf einer einem Drogenrausch ähnlichen Hormonausschüttung, die nach 18 bis 24 Monaten abklinge, sagt Pease. "Mutter Natur ist sehr trickreich: Sie manipuliert unseren Hormonhaushalt gerade lange genug, um ihr evolutionäres Ziel zu erreichen: Nachwuchs zu produzieren."
Die Peases haben die Natur ausgetrickst und 1993 geheiratet. 2001 haben sie ihre Gelöbnisse sogar noch einmal erneuert. "Man sollte seinen Liebes- und Treueschwur alle fünf bis zehn Jahre erneuern. In Wahrheit trifft man mit einer Hochzeit doch nur eine Entscheidung für diesen Moment und nicht für das ganze Leben", sagt Allan Pease. " Es ist also wichtig, um den Status Quo einer Liebe zu bezeichnen, sich nach ein paar Jahren erneut zu entscheiden: Mit dir will ich mein Leben verbringen".
Vor allem für Frauen sei dieses Bekenntnis wichtig, sagt Pease. Schließlich sei "die Ehe ja für sie erfunden". Dabei zeigt "Warum Männer immer Sex wollen und Frauen von der Liebe träumen" unter anderem auch auf, dass Frauen an Sex genauso interessiert sind wie Männer – "es aber 'Liebe machen' nennen" – und Männer ebenso wie Frauen das Bedürfnis haben, der einzige im Leben der Frauen zu sein. "Aber der Unterschied ist, dass es Männern reicht, wenn sie es wissen. Frauen hingegen identifizieren sich über die Stärke ihrer Beziehung auch nach außen hin. Die Ehe ist ja im Grunde ein politisches und gesellschaftliches Statement. Familie, Freunde, Kollegen, alle wissen: Sie ist die Nummer Eins in seinem Leben."
Die Frage, ob nur eine Frau einen Mann sexuell befriedigen kann, sei bei jedem Paar unterschiedlich zu beantworten. "Tiger Woods zum Beispiel ist wahrscheinlich sexsüchtig. Eigentlich aber dürfte seine Frau davon nicht überrascht sein. Sie muss schon am Anfang der Beziehung gemerkt haben, wie der Tiger tickt", sagt Pease und vermutet: "Wahrscheinlich aber hat sie nur den Fehler aller Fehler gemacht und geglaubt, sie kann ihn ändern."
Männer treibe Testosteron. "Davon haben sie zehn- bis zwanzigmal mehr, als Frauen. Das bedeutet aber nicht, dass sie Sklaven ihrer Hormone sind. Was uns Menschen von anderen Säugetieren unterscheidet, ist der freie Wille", sagt der 58-Jährige. Gründe dafür, dass ein Mann fremdgeht, könne es aber viele geben. "Angefangen bei der Versuchung bis dahin, dass er von seiner Frau nicht das bekommt, was er braucht". Bei Frauen sei es oft ein uns dasselbe Motiv: "Sie träumen von Liebe und Zärtlichkeit. Wenn sie das in ihrer Partnerschaft nicht bekommen, versuchen sie, das woanders zu finden."
Er selbst schlafe nicht mit anderen Frauen, behauptet Allan Pease. "Gott weiß, ich würde gerne mit anderen Frauen schlafen. Jeder Mann will das. Aber ich weiß, wie sehr es Barbara verletzen würde. Und weil ich Barbara liebe, verzichte ich auf andere Frauen. Sie wiederum weiß, dass ich viel Sex brauche und viel Abwechslung. Und sie gibt mir, was ich brauche."
Inzwischen habe sie sich auch die Fähigkeit angeeignet "zu kochen und richtig gute Sandwiches zu machen." Die Fähigkeit, den "Nichts"-Raums zu verstehen, ginge ihr allerdings immer noch völlig ab.
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