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08.10.09

Partnerschaft

Lilo Wanders gibt Übersetzungshilfe beim Sex

Was ist Russisch? Oder wie funktioniert Sex im Büro? Für solche Fragen gibt es jetzt ein Nachschlagewerk. Die Autorin und Ex-"Wa(h)re Liebe"-Moderatorin Lilo Wanders erklärt, wo die Deutschen im Bett einen Dolmetscher brauchen – und warum Liebe im Osten anders war als im Westen.

picture-alliance / Jazz Archiv/picture alliance

Angefangen hat die Karriere der Sexpertin als Transvestie-Künstler im Kabarett. Hier ist sie mit Corny Littmann zu sehen.

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Morgenpost Online: Brauchen die Deutschen in Sachen Sex tatsächlich eine Übersetzungshilfe?

Lilo Wanders: (lacht) … Ja, ich glaube schon. Die Antwort ist aber leider ernst gemeint. Tatsächlich herrscht gerade im intimsten Bereich von Partnerschaften immer noch Sprachlosigkeit und dadurch Unwissen über das geliebte Gegenüber. In manchen Verhaltensweisen sind wir immer noch Naturwesen, wobei Männer und Frauen unterschiedlichen Programmen folgen. Aber im Laufe der Zeit wurde uns neben dem Trieb auch Verstand und Gefühl gegeben, so dass man aufeinander zugehen kann und vieles an Missverständnissen ausräumen kann.

Morgenpost Online: Woran liegt denn unser Verständigungsproblem?

Wanders: Ich glaube, dass eine Verdinglichung der Sexualität entstanden ist. Es wird nämlich gerne unterschlagen, dass es beim Sex um mehr geht als um eine schnelle Nummer und die eigene Befriedigung. Die Zuwendung für den Partner ist viel wichtiger als angenommen. Da ist vielleicht noch ein bisschen Nachhilfe nötig.

Morgenpost Online: Welche Wissenslücken gibt es noch?

Wanders: Es gibt ein eklatantes Nichtwissen der Jugendlichen über Sexualität. Das heißt für mich, dass die Älteren auch noch nicht genug wissen. Junge Mädchen zum Beispiel teilen sich immer noch die Pille, und denken, dass sie damit verhüten.

Morgenpost Online: Aber Sex ist doch heutzutage überall. Wie sehen wir unsere Sexualität heute im Vergleich zu früher?

Wanders: Es gibt schon eine größere Offenheit zu akzeptieren, dass es keine Norm gibt, dass jeder seine eigene Form von Sexualität hat. Das für sich selbst zu akzeptieren, heißt auch: andere in ihrer eigenen Sexualität zu tolerieren. Ich merke das immer wieder bei meiner Arbeit. Bei meinem Bühnenprogramm beispielsweise kommen die Zuschauer nach der Show zu mir und erzählen mir sehr schnell und völlig ungehemmt von ihren intimsten Erfahrungen. Das zeigt, dass man sich durchaus mitteilen kann.

Morgenpost Online: Haben Sie selbst noch etwas bei der Arbeit an dem Buch gelernt?

Wanders: Interessant war es, den Unterschieden zwischen der westdeutschen Bundesrepublik und der DDR nachzugehen. Im Westen boomt die Wirtschaft, alles wurde "modernisiert", aber in den Schlafzimmern herrschte eine verklemmte Moral. In der DDR wurde versucht, die Gleichstellung von Mann und Frau tatsächlich im Alltag zu verwirklichen. So gab es keine Lohnunterschiede für gleiche Arbeit, was erheblich zu einem Selbstbewusstsein der Frauen beitrug. Es war nicht nötig, dass der Mann einem bürgerlichen Ideal folgend den ersten Schritt tun musste. Auch Frauen gingen selbstsicher auf das Objekt ihres Begehrens zu, und hatten damit Erfolg.

Morgenpost Online: Wie sollten wir in Zukunft in einer Partnerschaft mit Sexualität umgehen?

Wanders: Ich glaube, man sollte wissen, dass die pure sexuelle Anziehungskraft des Partners mit der Zeit verblasst. So hat das die Natur vorgesehen. Deshalb sollte man die sexuelle Verliebtheit nutzen, um auf eine Partnerschaft noch einen oben drauf zu setzen. Dadurch kann dann echte Liebe entstehen. Und wenn es eine echte Liebe gibt, dann bleibt über viele Jahre auch ein Begehren bestehen.

Morgenpost Online: Und was ist Ihr Tipp?

Wanders: Sich zu befreunden.

Morgenpost Online: Bitte …?

Wanders: Ja. Das heißt nicht, dass man später wie Brüderchen und Schwesterchen zusammenleben muss. Sondern man sollte voreinander Geheimnisse haben, nicht sofort zusammenziehen, den Alltag ein bisschen hinauszögern, eigene Lebensbereiche erhalten, von denen man sich gegenseitig erzählt. Außerdem glaube ich noch immer an gleich und gleich – noch eher als an die Anziehungskraft der Gegensätze.

Langenscheidt , Sex-Deutsch/Deutsch-Sex, von Erika Berger und Lilo Wanders, 128 Seiten, ISBN 978-3-468-73222-5, 9,95 Euro

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