Architektur
Neue Stil-Ideen für Einfamilienhäuser
Der Test hat es bewiesen: Ich bin ein durchschnittlicher Typ, irgendwo zwischen traditionell und fortschrittlich. Also von allem ein bisschen. Das jedenfalls zeigt der Haus-Persönlichkeitscheck in dem Buch "Das ideale Einfamilienhaus".
Von Oliver Klempert
Dass sich diese beiden Eigenschaften jeweils am Rand des ganzen Architektur-Spektrums befinden, macht es nicht leichter. Was wäre denn wohl das ideale Haus für mich, wenn ich einmal bauen will? Ein Satteldach auf einem Kubus?
Glücklicherweise bietet der Bildband viele Möglichkeiten sich zu orientieren. Und wer nicht nur seiner inneren Stimme oder seinem Geldbeutel die Entscheidung überlassen will, findet hier viel Neues und viel an Inspiration. Angesichts der unzähligen Haustypen, die es auf dem Markt gibt, leistet Autorin Amelie Osterloh wertvolle Hilfe, indem sie zunächst fünf gegensätzliche Typologien auffächert: rational, natürlich, spielerisch, fortschrittlich und traditionell.
Leider taucht hier das nächste Entscheidungsproblem auf: Wenn ich mich schließlich doch einem Typ zugehörig fühle - ist dann auch wirklich das dazugehörige Haus des Bauches jenes, das ich bauen will? Spätestens jetzt sollte der Leser sich nicht festlegen lassen und einfach nur das gesamte Werk durchschauen. Schließlich geht es darum, sich daheim wohlzufühlen, und das kann auch einem klassisch denkenden Menschen in einem Haus für Spielertypen so gehen.
Das Buch stellt mit 23 Architektenhäusern international einen Querschnitt dar und zeigt, was heute in jeder Kategorie modern ist. Beispiele aus der ganzen Welt zeigen, was man aktuell unter "ideal" verstehen kann. Da ist zum Beispiel ein Stahlskeletthaus im niederländischen Eelde: Holzlamellen, die sich individuell öffnen und schließen lassen, umschließen das ganze Haus. Innen verändert sich so pausenlos das Lebensgefühl, weil das Haus stets neue Ausblicke ermöglicht. Außen zeigt es dem Betrachter seine Wandlungsfähigkeit. Mal entsteht ein riesiger offener Wintergarten, mal ein durchweg geschlossener Sichtschutz.
Oder etwas für Minimalisten: Die Autorin fand im britischen Esher ein riesiges kantiges Gebäude (siehe Titelseite), mit einer transparenten Wohnebene im Erdgeschoss und blanken, weißen Wänden im Obergeschoss. Treppen mit Seitenwänden aus Glas führen nach oben. Nirgendwo ragt etwas heraus, überall dominieren klare Linien, es gibt praktisch nichts Rundes.
Doch für wen ist so ein Haus "ideal", und das über viele Jahre? Brauchen zwei Personen wirklich 500 Quadratmeter zum Leben, oder ist das einfach übertrieben? Ein Architekt gibt in dem Werk sogar zu, dass seine Auftraggeber sich in der Planungsphase auf eine riesige Wohnlandschaft freuten, dann aber Angst bekamen, sich zu verlieren.
Trotz alledem: Die meisten Häuser in Deutschland werden auch heute noch klassisch mit Satteldach gebaut, so der Bund deutscher Architekten. Aber es ist gut, dass mit diesen Konventionen immer wieder mal gebrochen wird - auch wenn das "Ideal" zu finden für jeden Bauherren eine Herausforderung bleibt.
Buchtipp: "Das ideale Einfamilienhaus", Amelie Osterloh, Callwey-Verlag, 158 Seiten, 49,95 Euro
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