31.10.04

Eine Reise zu neuen Ufern: Der Jugendaustausch wird modernisiert

Von Jochen Clemens

Der Jugendaustausch zwischen Deutschland und Großbritannien ist ein wenig angestaubt und deshalb ein Thema beim Staatsbesuch. Neue Impulse sollen gegeben, neue Instrumente gefunden werden, um der Verständigung der jungen Generationen einen zeitgemäßeren Rahmen zu geben. Reformbedürftig ist die Organisation der Trägerschaft. Während auf britischer Seite das British Council die zentrale Funktion inne hat, denkt man auf deutscher Seite projektbezogen. "Oft treten deutsche Unternehmen an uns heran, um Projekte aufzulegen. Prinzipiell sind wir immer auf Partnersuche. Eine Bündelung wäre schon wünschenswert", sagt Herbert Grieshop, Leiter Jugendarbeit und Jugendaustauschprogramme beim British Council.

Eine Überprüfung der Strukturen sei geplant, verspricht Großbritanniens Botschafter in Deutschland, Sir Peter Torry. "Wir werden sehen, wo es Lücken gibt und überlegen, wie sie zu füllen sind". Einige große Sponsoren aus Großbritannien hätten starkes Interesse, sich in dem Bereich zu engagieren.

Das beliebteste der derzeit zehn Austauschprogramme ist das sportlich orientierte "Dreams and Teams" mit rund 700 Teilnehmern. "21st Century Partnerships: Anglo-German Fellowships" ist ein übergreifender Titel für eine Reihe verschiedener Projekte, meist laufen acht bis zehn parallel. Eines ermöglicht britischen Schülern beispielsweise einen zweiwöchigen Aufenthalt in Deutschland - mit Schulbesuch und Workshops. Kontakte gibt es auch auf anderen Ebenen. Der Pädagogische Austauschdienst (PAD) hat knapp 2000 Partnerschaften zwischen britischen und deutschen Schulen registriert.

Ute Pätzig vom British Council fördert Jugendaustausch und Kommunikation von London aus und erfüllt Programme wie "Anglo German Fellowship" mit Leben: "Die Herausforderung ist es, Jugendliche zu begeistern, Deutschland zu besuchen." Die Arbeit zahlt sich aus: "Die Reaktionen der Schüler sind fantastisch. "Wenn die Kids sagen "they are just like us - die Deutschen sind genau wie wir', dann ist das für mich die schönste Reaktion."

Kontraproduktiv wirkt da ein neues britisches Gesetz, das es Schülern ab 14 Jahren erlaubt, Fremdsprachen abzuwählen - nach nur drei Jahren. "Spanisch ist eine Modesprache, und auch Französisch wird an viel mehr Schulen angeboten als Deutsch. Deutsch ist von diesem Gesetz am härtesten betroffen", so Ute Pätzig. "Wir bieten deshalb verstärkt Programme für Kinder an, die überhaupt kein Deutsch in der Schule lernen." Speziell 14- und 15jährige würden angesprochen, um ihnen über "Schnupperreisen" mehr von Deutschland zu zeigen, als es das rudimentäre Schul-Curriculum tut. "Die meisten Jugendlichen kommen zurück und haben plötzlich ein echtes Interesse an Sprache, Land und Leuten."

Ute Pätzigs Lieblingskind ist die von ihr aufgebaute und betreute Webseite "The Voyage". Das deutsch-britische Jugendportal versteht sich nicht als Internet-Kopie eines schwarzen Brettes, sondern legt die Betonung auf interaktive Elemente. Hier soll zum Mitmachen angeregt werden - die Angebote reichen vom "Spielplatz", auf dem das jeweils andere Land etwa per Quiz spielerisch zu entdecken ist, über Foren mit Chats und Möglichkeiten zur Mitgestaltung der Webseite bis hin zum Einstellen von Beiträgen und Fotos der bei den Reisen gesammelten eigenen Impressionen.

Werden die Ideen zum Ausbau und zur Modernisierung des deutsch-britischen Jugendaustausches, die im Rahmen des Staatsbesuchs zur Diskussion kommen, auch umgesetzt, werden es künftige Schülergenerationen sehr viel einfacher haben, sich von den Qualitäten des jeweils anderen Landes persönlich zu überzeugen und Vorurteile abzubauen bzw. sie erst gar nicht entstehen zu lassen.

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