26.02.07

"Friedhof der Herrscher" bei Halle entdeckt

Ein einzigartiges, 1500 Jahre altes Gräberfeld mit Gold- und Bronzebeigaben haben Archäologen bei Halle in Sachsen-Anhalt entdeckt.

Von Thomas Schöne
Nur 25 Kilometer vom Fundort der Himmelsscheibe entfernt liegt die vor 7000 Jahren entstandene und rekonstruierte Anlage aus Kreisgraben und Palisaden von Goseck
Nur 25 Kilometer vom Fundort der Himmelsscheibe entfernt liegt die vor 7000 Jahren entstandene und rekonstruierte Anlage aus Kreisgraben und Palisaden von Goseck

Halle - Ein einzigartiges, 1500 Jahre altes Gräberfeld mit Gold- und Bronzebeigaben haben Archäologen bei Halle in Sachsen-Anhalt entdeckt. Die Wissenschaftler bezeichnen das Areal aus der Zeit der Völkerwanderung auf Grund der reichen Ausstattungen als "Friedhof der Herrscher".

"Hier wurde in 14 Gräbern die komplette Oberschicht eines germanischen Stammes bestattet", erklärt die Archäologin Susanne Friederich vom Landesamts für Archäologie Sachsen, die das Projekt bei Halle in Sachsen-Anhalt betreut. Mit Hilfe von DNA-Tests wollen Wissenschaftler jetzt die verwandtschaftliche Beziehung der Toten klären, um Erkenntnisse über damalige gesellschaftliche Zusammenhänge zu gewinnen.

Im Grab einer etwa 20-jährigen Frau wurden drei massive Goldstücke ("Brakteaten") mit mythologischen germanischen Verzierungen gefunden. "So etwas ist extrem selten", betont Friederich. Die Goldstücke in der Größe von Ein-Euro-Münzen haben Ösen und wurden an einem Lederband als Schmuck um die Hüften getragen. "Brakteaten konnten sich nur Reiche leisten." Bei der Toten lagen auch ein Kamm sowie Arm- und Halsschmuck aus Bronze.

Sämtliche Toten liegen auf dem Rücken in West-Ost-Richtung mit dem Kopf in Richtung Osten. Ein Herrscher umklammert sein Eisenschwert, neben ihm liegen eine Lanzenspitze und eine Schwertperle. Das glitzernde Stück galt den Germanen als mystisch und wurde am Schwert mit einem Band getragen. Die Schwertperle sollte dem Kämpfer übersinnliche Kräfte verleihen. Insgesamt wurden in den Gräbern 30 Perlen aus Glas gefunden. Perlen, auch solche aus Glas, waren in der damaligen Zeit sehr wertvoll. "Die Blickrichtung zur aufgehenden Sonne und die zahlreichen Beigaben zeigen, dass diese Menschen an ein Weiterleben im Jenseits geglaubt haben", erläutert Friederich.

Vermutlich waren es Germanen, die um 475 bis 490 bei Halle mit Hunnen gekämpft haben und hier siedelten. "Das günstige Klima, fruchtbare Böden, das Handelsgut Salz und die verkehrstechnisch günstige Lage waren gute Gründe, sich in der Region um das spätere Halle niederzulassen", sagt die Archäologin.

Nach Angaben des Chefs der Restaurierungswerkstatt, Christian-Heinrich Wunderlich, wurden vier der Gräber besonders aufwendig im Ganzen als Block aus der Erde geborgen. "Die Gräber werden untersucht, restauriert, konserviert und für eine Ausstellung in Halle vorbereitet", sagt der Experte. Blockbergungen zeigen den Besuchern den gesamten Fundzusammenhang.

Mit dem Auftauchen der Hunnen in Europa um 375 nach Christus wurde die germanische Völkerwanderung ausgelöst. Sie führte zum Untergang des römischen Reiches und zur Gründung der ersten europäischen Reiche.

In den vergangenen Jahren schien Sachsen-Anhalt geradezu zum Mekka der Archäologen (und Raubgräber) zu werden, mehrfach beförderten Forscher wertvolle vor- und frühgeschichtliche Funde ans Tageslicht. Der berühmteste ist die 1999 gefundene Himmelsscheibe von Nebra, die weltweit älteste konkrete Darstellung des Himmels. Sie entstand vor 3600 Jahren, also noch einmal mehr als 2000 Jahre vor den Herrschergräbern von Halle in der frühen Bronzezeit. Die in ihr dokumentierten Kenntnisse des Himmels sind 1000 Jahre älter als vergleichbares Wissen wie es in der Hochkultur von Babylon vorhanden war. Zusammen mit der Himmelsscheibe wurde von Archäologen der "Hort von Nebra" ausgegraben: eine Sammlung aus wertvollen Schwertern und Schmuck sowie Geräten.

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