Logo der Berliner Morgenpost
http://www.morgenpost.de/printarchiv/wissen/article1195189/Die-Kultur-der-wild-lebenden-Schimpansen.html
Link in E-Mail oder Instant-Message einfügen close

Verhaltensmuster

Die Kultur der wild lebenden Schimpansen

Kultur wird gewöhnlich nur dem Menschen zugeschrieben. Aber im weiteren Sinne - wenn nicht bildende Kunst oder Dichtung gemeint sind - zeigen auch Schimpansen Kulturunterschiede: Benachbarte Gruppen nutzen verschiedene Verhaltensmuster nebeneinander, die weder angeboren sind noch durch Versuch und Irrtum erworben wurden.

Sie werden vielmehr innerhalb sozialer Verbände erlernt und weitergegeben. Das bestätigt Klaus Zuberbühler. Der Psychologe von der schottischen Universität St. Andrews berichtet im Fachblatt "Current Biology" von seinen Beobachtungen in Uganda.

Anzeige

Um Ameisen aus hohlen Baumstümpfen zu angeln, verlassen sich benachbarte Schimpansengruppen auf verschiedene Techniken. Tiere aus dem Kibale-Nationalpark holen die Leckerbissen per Stock ans Tageslicht, Nachbarn aus dem Budongo-Wald kauen Blätter zu Schwämmen weich, um an die Delikatesse zu gelangen. Zwar kennen auch die Kibale-Tiere das Schwammprinzip, aber sie nutzen es nur, um Wasser aus Baumlöchern zu holen.

Ähnliche Verhaltensunterschiede wurden schon früher beobachtet. Da man genetische Faktoren oder Umwelteinflüsse als Ursachen nicht ausschließen konnte, taten sich Forscher schwer damit, solche Differenzen als Kultur zu interpretieren. Zuberbühler konfrontierte beide Schimpansengruppen mit einer neuen Herausforderung - einem hohlen Holzstück mit Honig. Schnell fanden die Tiere die Lösung des Problems, blieben aber ihrer erlernten Tradition treu: Kibale-Schimpansen nutzten weiter Stöcke, die Budongo-Artgenossen ihre durchgekauten Blätter.

"Die vernünftigste Erklärung für diese unterschiedlichen Werkzeuge war, dass sich Schimpansen beim Lösen der neuen Aufgabe an das vorher vorhandene kulturelle Wissen hielten", sagt Zuberbühler.AP