19.12.12

Gesundheit

Deutsche sind mit Kliniken zufrieden

Krankenkassen und Verbraucherschützer befragen 450.000 Patienten. Die meisten würden "ihre" Klinik weiterempfehlen

Von Stefan von Borstel

Die meisten Patienten in Deutschland sind zufrieden mit ihren Krankenhäusern. Das geht aus einer Studie der Krankenkassen AOK und Barmer GEK sowie der "Weissen Liste" hervor, einem gemeinsamen Projekt der Bertelsmann Stiftung und der größten Patienten- und Verbraucherorganisationen. 82 Prozent der Befragten würden demnach ihr Krankenhaus weiterempfehlen. 83 Prozent sind zufrieden mit der ärztlichen Versorgung, 82 Prozent mit der Pflege. Etwas geringer ist die Zufriedenheit mit Organisation und Service (79 Prozent). Am wichtigsten ist den Patienten die medizinische Qualität. Weniger bedeutend für die Zufriedenheit sind Aspekte wie die Essensversorgung und die Aufnahmesituation.

Die Krankenkassen AOK und Barmer GEK hatten in den vergangenen zwölf Monaten rund eine Million Versicherte zu ihren Erfahrungen während des Krankenhausaufenthalts befragt, mehr als 450.000 haben geantwortet. Damit handele es sich um die bislang größte Patientenbefragung in Deutschland. Rund 1300 Krankenhäuser wurden bewertet. Die Ergebnisse sind auf dem Suchportal der "Weissen Liste" (www.weisse-liste.de/krankenhaus) und der Krankenkassen abrufbar.

Patienten können damit bundesweit nach einem geeigneten Krankenhaus für ihren Behandlungsanlass suchen. Neben der Weiterempfehlungsrate für einzelne Häuser sind im Internet auch Hinweise zu Ausstattung und Qualität einer Klinik bei bestimmten Behandlungen zu finden, zum Beispiel beim Einsetzen einer künstlichen Hüfte. Die Qualitätsmerkmale basieren auf Auswertungen der in den Kliniken erhobenen Daten.

Navigator hilft vor geplanten OPs

Mehr als 18 Millionen Patienten wurden im vergangenen Jahr stationär behandelt. Die Kosten lagen dabei je Fall bei durchschnittlich 3960 Euro. Insgesamt wurden mehr als 70 Milliarden Euro für die rund 2000 Kliniken in Deutschland ausgegeben. Nach wie vor gebe es hierzulande sehr viele Krankenhäuser, sagte AOK-Chef Jürgen Graalmann. "Bei planbaren Operationen sollten die Patienten und ihre einweisenden Ärzte ein qualitätsgesichertes Krankenhaus auswählen", erklärte Graalmann. Der Krankenhausnavigator biete hier eine "neue, wichtige und nutzerfreundliche Hilfestellung".

Trotz der hohen Zufriedenheit insgesamt gibt es der Untersuchung zufolge deutliche Unterschiede zwischen den Kliniken. So erreichen zwar gut zwei Drittel der Kliniken eine Weiterempfehlungsrate von über 80 Prozent, etwa ein Drittel liegt jedoch unter dieser Rate. Knapp 2,5 Prozent der Häuser fallen sogar unter die 70-Prozent-Marke, wurden also weniger empfohlen.

Die betroffenen Kliniken könnten anhand der Ergebnisse auch erkennen, wo sie besser werden müssen. Die Studie liefere damit auch einen Beitrag zur Verbesserung der medizinischen Qualität in den Kliniken, meinte Graalmann. Der AOK-Chef kritisierte, dass derzeit alle Krankenhäuser gleich bezahlt werden müssten. Gute Krankenhäuser sollten stattdessen besser entlohnt werden als andere. "Schlechte Qualität wollen wir nicht mehr bezahlen", sagte der AOK-Chef. Zugleich forderte er, überflüssige Operationen zu vermeiden.

Auch ärztliche Fachgesellschaften hätten darauf verwiesen, "dass viele Operationen an Wirbelsäule, Knie- und Hüftgelenk, eher ökonomisch, also wegen des Geldverdienens, durchgeführt werden, und weniger aus medizinischen Gründen" (siehe auch Infokasten unten).

Der Chef der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker, sagte, an erster Stelle stehe für die Krankenhauspatienten die Medizin, dann komme die Kommunikation und zuletzt der Komfort. "Wenn wir künftig über die Qualität von Krankenhäusern sprechen, muss es daher in erster Linie um medizinische Qualität, weniger um Zweibettzimmer-Standard, Wartezeiten oder das Drei-Gänge-Menü gehen." Der Chef der Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin, Gerd Billen, empfahl den Verbrauchern, vor einem Krankenhausaufenthalt die in Frage kommenden Kliniken sorgfältig zu prüfen und sich fundiert für eine zu entscheiden. Die Erfahrungen anderer Patienten seien dabei eine wichtige Stütze.

Subjektiver Eindruck täuscht nicht

Billen verwies auf britische Studien. Danach deckten sich die subjektiven Bewertungen der Patienten mit den objektiven Ergebnissen der Qualitätssicherung. So gab es etwa eine Korrelation zwischen dem Urteil der Patienten über die Sauberkeit der Klinik auf der einen und der Infektionsrate mit Keimen auf der anderen Seite. "Die Vorstellung, es handele sich bei Patientenerfahrungen um "weiche" Daten, ist damit eindeutig widerlegt", meinte der Verbraucherschützer.

Seit dem Jahr 2005 müssen Kliniken auch Qualitätsberichte veröffentlichen. Doch kaum ein Patient dürfte diese Berichte ohne Hilfe eines fachkundigen Dritten verstehen, kritisierte der Chef der Verbraucherzentralen. Der neue Krankenhausnavigator präsentiere die Informationen nun jedoch auf eine Weise, dass sie auch für Laien nachvollziehbar seien. Dabei gibt es auch eine Angabe zur Häufigkeit der Behandlung.

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