Bayer will Berliner Standort stärken
Montag, 2. Juni 2008 00:40 - Von Lina PanitzBei der wahrscheinlich letzten Hauptversammlung für die verbliebenen Minderheitsaktionäre der ehemaligen Schering AG nutzten diese ausgiebig ihr Recht den Vorstand zur Rede zu stellen.

Berlin - Bei der wahrscheinlich letzten Hauptversammlung für die verbliebenen Minderheitsaktionäre der ehemaligen Schering AG nutzten diese ausgiebig ihr Recht den Vorstand zur Rede zu stellen. "Ich bin zwar heilfroh, dass die schlimmste Befürchtung nicht eingetreten ist und in Berlin weniger Stellen als zunächst angekündigt abgebaut wurden, dennoch musste der Betriebsrat viele Kröten schlucken", sagte etwa Aktionär Günter Schmitt, pensionierter Schering-Betriebsrat. Außerdem kritisierte Schmitt die aktuelle Gewichtung in der Führungsetage: "Anders als vor der Übernahme versprochen wird die Riege der alten Schering-Führungskräfte ausgedünnt".
Dem widersprach Werner Baumann, Vorstandsmitglied von Bayer Schering Pharma: "Das Verhältnis der Führungskräfte ist in Berlin immer noch deutlich zu Gunsten der alten Schering-Mitarbeiter". Außerdem habe der Vorstand immer gesagt, dass er den Standort Berlin stärken möchte. Auch den Vorwurf, den Namen Schering nicht mehr zu nutzen, wies der Konzern weit von sich. "Schering ist eine alte Traditionsmarke. Es liegt nicht in unserem Interesse diesen Wert aufzugeben. Wir haben nicht vor den Namen zu ändern", betonte Baumann.
Der Leverkusener Bayer-Konzern hatte die Berliner Schering AG vor knapp zwei Jahren für 17 Mrd. Euro übernommen. Die Hauptversammlung für die Tochter Schering war nötig, da eine Reihe von Minderheitsaktionären ihre Aktien noch nicht an Bayer verkauft haben. Bayer Schering Pharma gehört inzwischen zu 96,3 Prozent dem Bayer-Konzern. Die restlichen Aktionäre sollen über eine Zwangsabfindung (Squeeze Out) zum Verkauf gezwungen werden. Dazu ist ein Unternehmen berechtigt, wenn es über 95 Prozent der Anteile besitzt. Allerdings ist dagegen im Fall von Schering noch eine Reihe von Klagen anhängig, die sich hauptsächlich gegen den Abfindungspreis von 98,98 Euro pro Aktie richten.
Vorstand fürchtet keine Klagen
Der Vorstand sieht jedoch keinen Anlass zur Sorge und hält sämtliche von den 46 Klägern vorgebrachten Rügen für unbegründet. "Alle bisherigen Gerichtsentscheidungen sind zu unseren Gunsten ausgegangen", sagte Baumann. Aktionärsschützer Ryke Schult von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) fragte hingegen, ob sich das Unternehmen nicht die Kosten für eine mögliche weitere Hauptversammlung sparen möchte und das Angebot an die Minderheitsaktionäre um ein paar Euro erhöht. Dazu sieht der Vorstand jedoch keinen Anlass. "Wir halten den angebotenen Betrag der Barabfindung nach wie vor für angemessen", betonte Baumann.Der Bayer-Konzern sieht die Integration der Tochter Bayer Schering Pharma voll im Plan. "Wir kommen mit der Integration sehr gut voran und werden das sehr hohe Tempo der Integration beibehalten", sagte Baumann. Dabei habe sich die ausgezeichnete Performance im Jahr 2007 fortgesetzt. Durch die Integration von Bayer Schering Pharma in den Bayer-Konzern werden ab 2009 Synergieeffekte von mehr als 800 Mio. Euro jährlich erwartet, die zu etwa 50 Prozent durch den im vergangenen Jahr angekündigten Personalabbau erzielt werden. Von den 6100 Stellen weltweit seien bereits 2900 abgebaut worden. In Deutschland seien für mehr als 90 Prozent der betroffenen Mitarbeiter bereits sozialverträgliche Lösungen gefunden, die teilweise noch bis Mitte 2009 umgesetzt werden.
Von den Minderheitsaktionären, die insgesamt rund 190 Mio. Euro des Grundkapitals vertreten, waren 97,26 Prozent anwesend. Die Aktionäre entlasteten Vorstand und Aufsichtsrat mit jeweils fast 100 Prozent. Auch der Verwendung des Bilanzgewinnes gaben die Anleger ihr Ja-Wort. Sie erhalten gemäß dem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag einen Ausgleich von 3,62 Euro je Aktie.























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