26.01.10

Deutsche Bahn

Siemens hofft auf Milliardenauftrag

Die Deutsche Bahn erneuert ihre Fernzugflotte und investiert in den kommenden Jahren rund sechs Mrd. Euro in neue Züge. Das ist eine Rekordsumme für die Anschaffung von sogenanntem rollendem Material. Siemens hat die größte Chance, den Auftrag zu erhalten. Wie die Bahn mitteilte, sei der Konzern "Preferred Bidder" für die Lieferung von bis zu 300 Fernzügen. Einen endgültigen Zuschlag will der Konzern bis zum Sommer erteilen.

Von Nikolaus Doll

Neben Siemens hatte nur noch der französische Bahnbauer Alstom ein Angebot abgegeben. Aber auch aufgrund der stockenden Verhandlungen zur Behebung der Probleme bei den ICE-Achsen galten die Franzosen als chancenlos. Der dritte der großen Schienentechnikhersteller, Bombardier, wird sich an dem Auftrag als Subunternehmer von Siemens beteiligen.

Bei Siemens hieß es, sollte der Konzern den Auftrag tatsächlich erhalten, seien die Arbeitsplätze in der Bahntechnik-Sparte in Westdeutschland "langfristig gesichert". Doch auch die Region Berlin-Brandenburg kann von dem Milliardenauftrag profitieren. Der kanadische Bahnbauer Bombardier, der seine Schienentechniksparte aus Berlin steuert, wird als Zulieferer deutlich mehr als ein Drittel der Leistungen für die neue Flotte erbringen. Bombardier baut in Hennigsdorf bei Berlin, Görlitz und Aachen Fernzüge, wobei das Werk nördlich der Hauptstadt das mit Abstand größte ist und daher die nötigen Kapazitäten für einen Auftrag in dieser Größenordnung hätte.

Die neuen Züge sollen sowohl die stark in die Jahre gekommene IC- und EC-Flotte der Bahn als auch die ICE-1- und ICE-2-Züge ersetzen. Möglich wird das, weil Siemens die Züge künftig auf Basis eines flexiblen Plattform-Systems baut. Das heißt, die Wagen können je nach Anforderung umgerüstet werden.

Zunächst sollen ab 2015 bis zu 130 der neuen Züge, die bislang die Bezeichnung IC X tragen, die IC- und EC-Flotte ablösen. Ab 2025 will die Bahn die ersten ICE-Züge ersetzen. Für die Bahnkunden wird dann auf den ersten Blick kein Unterschied mehr zwischen IC- und ICE-Zügen mehr zu sehen sein. "Der IC als Angebot der Deutschen Bahn bleibt allerdings erhalten", stellte ein Konzernsprecher klar. IC-Züge halten öfter als der ICE, fahren langsamer, und die Fahrkarten sind günstiger als die der Hochgeschwindigkeitszüge.

Die Bahn will mit dem Großauftrag ihre Fernzugflotte nicht nur erneuern, sondern auch vereinheitlichen. Nach Informationen der Berliner Morgenpost werden sich die Fernzüge der neuesten Generation künftig einheitlich am Design der derzeitigen ICE-3-Züge orientieren. Mit dem Wechsel verschwinden dann im Fernverkehr der Bahn die letzten Lokomotiven, weil die neuen Züge - wie derzeit der ICE 3 - einen mehrteiligen Triebwagen haben.

Darüber hinaus will der Bahn-Konzern mit dem seit langem geplanten Austausch der Fernzugflotte aber auch Kosten sparen. Das "Baukastensystem" mit standardisierten Komponenten soll zu höheren Stückzahlen und damit zu niedrigen Anschaffungskosten für den Besteller führen - damit rechnet zumindest die Bahn.

Gegen mögliche Qualitätsmängel, wie sie derzeit bei der Bahn für starke Behinderungen führen, will sich das Unternehmen derweil besser schützen. "Bei den neuen Zügen wird die Qualität der Technik ein zentrales Thema sein. Das Festschreiben von Meilensteinen zur Qualitätssicherung ist für uns ein entscheidender Punkt in den Verhandlungen", kündigte Bahn-Technikvorstand Volker Kefer an.

Erst am Wochenende hatte Bahnchef Grube eine stärkere Herstellerhaftung im Schienenverkehr gefordert. Vor allem minderwertige Radsätze führen derzeit zu Behinderungen im ICE-Verkehr und dem Berliner S-Bahnverkehr.

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