27.01.13

Personalien

Das 40-Millionen-Euro-Problem des Deutsche-Bank-Chefs

Anshu Jain muss Skandal um Top-Händler aufklären – und soll zugleich den Wandel der moralischen Kultur vertreten

Von J. Eigendorf und S. Jost

Immer wieder wird Anshu Jain, der Co-Vorstandschef der Deutschen Bank, mit der Vergangenheit konfrontiert. Was nun hochkommt, während er auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos seine Bank repräsentiert, ist wenig erfreulich. Die unvorstellbare Summe von mehr als 40 Millionen Euro lagen im Bonus-Topf des Top-Händlers Christian Bittar, als Jain ihn im Herbst 2011 suspendierte. Der Grund: Der Mann hatte sich offenbar an Versuchen beteiligt, den Referenzzinssatz Euribor zu beeinflussen.

Vergangenen Sommer hatte Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner noch verkündet, kein Vorstandsmitglied sei in den Skandal um die Referenzzinsen Euribor und Libor verwickelt. Aber vielleicht ein Händler? Hätte dann nicht Jain, damals zuständig für den Wertpapierhandel, etwas wissen müssen?

Kritische Fragen wird es wohl am Donnerstag geben, wenn er zusammen mit Co-Chef Jürgen Fitschen die Jahresbilanz vorstellt. Die beiden wollen über Umstrukturierungen sprechen – und über einen Kulturwandel. Da drängt sich die Frage auf, ob Jain, der solche Boni mit zu verantworten hatte, glaubhaft eine neue Kultur verordnen kann. Die Antwort ist nicht simpel. Richtig ist, dass zum Konzept der Deutschen Bank seit 1995 auch das Geschäft auf eigene Rechnung gehört. Das sorgte in normalen Jahren für zehn bis 15Prozent der Handelsgewinne. Ein monströses Bonussystem gehörte dazu. Auch Bittar profitierte davon. Über Jahre hinweg hatte er der Bank Gewinne beschert, und gute Händler erhielten einen Anteil von 7,5 bis zehnProzent, manchmal mehr.

Bittar hatte 2008 darauf spekuliert, dass sich die Differenz zwischen den Euribor-Zinssätzen für verschiedene Laufzeiten vergrößern würde. Das passierte – der Händler hatte den Deal seines Lebens gemacht. Wie viel er verdiente, ist noch unklar. Als Jain den Händler 2011 rauswarf, standen jedenfalls von dessen in den Vorjahren verdienten Boni immer noch abenteuerliche 40 Millionen Euro aus. Jain hatte analysieren lassen, ob es dabei mit rechten Dingen zuging. Nachdem zunächst nichts Anrüchiges gefunden worden war, landeten im Oktober 2011 doch Verdachtsmomente auf Jains Schreibtisch – und der tat, was er tun musste: Er entließ Bittar.

Jain ist wohl nichts vorzuwerfen, dennoch bleibt die Frage, ob er der Richtige für einen Neuanfang ist, hat doch auch er maßgeblich vom alten System profitiert – so wie es in vielen Häusern geschah. Der Deutsche-Bank-Chef gab am Montag vergangener Woche bei einer Podiumsdiskussion eine klare Antwort: "Es kommt darauf an, wie hoch Sie den Wert von Erfahrung einschätzen." Seine Logik: Nur wer die Maschine kennt, kann sie fahrtüchtig halten, während sie umgebaut wird. Seine Anpassungsfähigkeit wird tatsächlich als gut, seine Lernkurve als steil eingeschätzt. Und Jain scheint kein distanzierter Investmentbanking-Star zu sein, sondern tritt nahbar und sympathisch auf. Auch am Donnerstag wird er diese Fähigkeiten ausspielen, wenn er und Fitschen über ihr erstes halbes Jahr an der Bankspitze berichten. Ihren Aufsichtsratschef Paul Achleitner wissen sie hinter sich. Wenn Achleitner hilft, die Vergangenheit zu bewältigen, können sich die beiden Bankchefs vielleicht tatsächlich irgendwann auf die Zukunft konzentrieren.

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