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Einhandsegler Andreas Lindlahr

Die Regatta seines Lebens

Jetzt ist alles wieder gut. Als Andreas Lindlahr vor ein paar Tagen in Hamburg gelandet ist, hatte er sich schon ein wenig erholt. Von den Stürmen in der Biskaya, den Knieschmerzen, den vom Salzwasser verursachten Wunden auf der Haut - und davon, dass diese Regattaviel anstrengender war, als er gedacht hatte.

Lindlahr ist mit seinen 49 Jahren kein Anfänger im Segelboot, aber es war seine erste Einhand-Regatta über den Atlantik, noch dazu in einem winzigen Gefährt. 6,50 Meter messen die Yachten, mit denen beim - nomen est omen - "Transat 6.50" gesegelt wird.

Einmal um die ganze Welt

Nicht nur wegen der geringen Größe der Boote ist diese Regatta etwas Besonderes. Sondern auch weil auf den Minis, wie die Segler ihre Schiffchen nennen, immer die neueste Technik ausprobiert wird. "Die Klasse ist seit Jahrzehnten ein Test-Podium für neue Technologien, die sich im kleinen Kostenrahmen erproben lassen", sagt Lindlahr. "Die Minis waren die Ersten mit Schwenkkiel und Wasserballast." Diese Lösungen, die Schräglage zugunsten der Geschwindigkeit zu verändern, haben später große Rennyachten übernommen, etwa die bis zu 21 Meter langen Schiffe des Volvo Ocean Race um die Welt.

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Um die Welt wollte Lindlahr, im wirklichen Leben Fotograf, auch früher schon segeln. Nicht unbedingt in einer Regatta, aber ein großer, ein besonderer Törn sollte es sein. Das hat nicht geklappt, dafür fasste er vor drei Jahren den Entschluss, an der Transat teilzunehmen. Das Rennen startet alle zwei Jahre im September vor La Rochelle, dem französischen Segler-Mekka, und es lässt die Teilnehmer, dieses Mal waren es 85, binnen kurzer Zeit Bekanntschaft machen mit den Herbststürmen in der Biskaya. "Ein Gewittersturm dort ist kein Spaß", sagt Lindlahr. "Das Rennen war viel härter, als ich es erwartet hatte. Es gab immer wieder starke Zweifel, als ich erst mal eine Woche bei regnerischem Wetter fünf Meter hohe Wellen absurfte."

Jeder Teilnehmer ist auf sich gestellt, es gibt nur die nötigsten technischen Hilfsmittel an Bord. Ein GPS-System ist erlaubt, ebenso UKW-Funk für die Kommunikation unter den Teilnehmern. Eine Verbindung zur Außenwelt ist beim Rennen nicht vorgesehen, die Angehörigen können lediglich über ein "Tracker-Signal" im Internet verfolgen, wo die einzelne Yacht gerade ist. Für den Notfall gibt es Seenotfunk-Baken, die über Satellit die Position des Bootes senden.

Der Zwischenstopp auf Madeira war für alle Segler ein Segen. Noch einmal durchatmen, noch einmal das Boot herrichten und den Körper zur Ruhe kommen lassen. Und ans Aufgeben denken? "Nein. Nun war ich ja gestartet, und ein Zurück wäre nie infrage gekommen."

Zumal es die Aussicht gab, um den Äquator herum besseres Wetter zu haben. Normalerweise herrscht dort zu dieser Jahreszeit der Passat vor, der ein Segelboot schnell und unspektakulär gen Südamerika schiebt. "Aber das Azorenhoch hat sich kurz vorm Start verkrümelt", erzählt Lindlahr. Es habe Wind von vorn gegeben, Gewitter und Regen durch die Bank. Bei solcher Witterung zeigt sich der Nachteil eines so kurzen Bootes. "6,50 Meter, das ist doch nur ein Stumpen gegen die Wellen, da wirst du entsprechend abgetaucht. Das Rennen war eine Dauerdusche."

Nur zwei bis drei Stunden Schlaf täglich habe er während des 30-Tage-Törns bekommen, schätzt Lindlahr - und das auch nie am Stück. "20 Minuten dauert es, bis ein am Horizont gesichtetes Schiff bei einem sein kann. Um eine Kollision auszuschließen, darf der Skipper nie länger als 20 Minuten schlafen. Ich hatte drei Wecker, die einen Höllenlärm machten." Am Ende ist Lindlahr in der Amateurklasse als 23. von 49 Seglern über die Ziellinie vor dem brasilianischen Bahia gefahren - für den Freizeitsegler mit einer serienmäßigen Yacht vom Typ Pogo 2 ein großer Erfolg.

Eine 36 Mann starke Gruppe war mit teuren Prototypen unterwegs. Die Kampagnen kosteten bis zu 250 000 Euro. Lindlahr hat für Training und Rennen 20 Wochen Zeit und rund 90 000 Euro aufgewendet. Es wäre billiger gewesen mit einem gebrauchten Boot - seine 2007 neu gekaufte "Umpalumpa" will er nun wieder abstoßen.

Nie wieder so ein Risiko

Weitere Transat-Teilnahmen hat Lindlahr nicht geplant, schon wegen seiner Frau und seiner Tochter. "Ich bin den beiden unendlich dankbar, dass sie mir dieses Abenteuer ermöglicht haben. Es wird nicht die letzte Regatta meines Lebens gewesen sein, aber die letzte mit so hohem Risiko."

Schwere Unfälle gab es diesmal nicht, doch bangte man zwei Tage um den Franzosen Alexandre Scrizzi. Die brasilianische Marine lief aus und traf Scrizzi wohlbehalten an: Weil sein GPS ausgefallen war, wähnte er sich 400 Seemeilen weiter nördlich. Von der Marine geleitet, kam er ins Ziel, wo er disqualifiziert wurde. Hilfe von außen ist verboten.

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