Berlin Match Race
Das letzte Rennen auf dem eiskalten Wannsee
Samstag, 31. Oktober 2009 08:35 - Von Martina HerzogBoxkämpfe auf dem Wasser werden am Wochenende auf dem Wannsee geboten. Hoffentlich unblutig, aber ebenso spannend wie der Faustkampf im Ring sollen die Segelduelle beim "Berlin Match Race" ausfallen, versprechen die Veranstalter.
Zwölf Boote aus zehn Nationen ringen um den mit 19 900 Euro dotierten "Jubiläums-Cup" der Vereine Berliner Yacht-Club (BYC) und Verein Seglerhaus am Wannsee (VSaW). Zum Starterfeld gehören sechs der besten Fünfzehn in der Weltrangliste, darunter der Franzose Damien Iehl und der Schwede Björn Hansen. Frank Butzmann vom VSaW verspricht Spannung auch für Nicht-Segler: "Beim Match Racing kann der Zuschauer sehr schnell erkennen, wer siegt und wer verliert." Wie beim Boxen eben.Sieger steht nach 20 Minuten fest
Match Races nämlich liefern Wettkämpfe im Duell-Format. Jeweils zwei Boote starten gleichzeitig. Wer zuerst die Ziellinie erreicht, siegt. Mit etwa 20 Minuten ist ein Rennen veranschlagt, die Strecke legt der Veranstalter den Windverhältnissen entsprechend fest. Schiedsrichter in Begleitbooten achten auf die Einhaltung der Regeln. Wer sich etwas zuschulden kommen lässt, etwa die Vorfahrt missachtet, wird mit einem "Kringel" bestraft. Die 360-Grad-Drehung um die eigene Achse kostet wertvolle Zeit.
Seit Donnerstag ist in Vorrunden bereits jeder gegen jeden angetreten, heute um zehn Uhr beginnt das Viertelfinale. Dann wird im K.o.-System gesiebt, das Feld verkleinert sich nun ständig bis zum Halbfinale und Finale am Sonntag.
Als einer von zwei deutschen Skippern ist Markus Wieser beim diesjährigen Rennen dabei. Der Segler konnte den Wettbewerb in der Vergangenheit bereits fünf Mal für sich entscheiden. Obwohl er mit dem Revier vertraut ist, glaubt er sich gegenüber der Konkurrenz nicht im Vorteil: "Die Winde wehen so unterschiedlich auf dem Wannsee, da muss man sich immer wieder neu drauf einstellen." Ein Heimspiel ist das Match Race für ihn dennoch; der gebürtige Bayer lebt mit seiner Familie in Berlin. Wieser: "Das ist natürlich super, familiärer als im Ausland. Und ich habe hier viele Unterstützer."
Allerdings sieht sich der amtierende Europameister in der Drachen-Klasse am Wochenende in einer Außenseiterposition. "Das ist das einzige Match Race, das ich im Jahr mache." Ansonsten hat sich der Profi auf das Fleet Racing verlegt, bei dem alle Teilnehmer im Verband starten. Das reduzierte Format in Berlin betrachtet er als Übung für sein eigentliches Gebiet: "Das ist ein gutes Training. Beim Fleet Racing muss man immer so viele Faktoren im Auge behalten, hier kann ich mich auf einen Gegner konzentrieren."
Mit niedrigen Erwartungen geht Weltklasse-Kollege Robert Scheidt an den Start. Der Brasilianer ist vierfacher Olympiamedaillengewinner und neunfacher Weltmeister - allerdings nicht in den mit vier Mann besetzen J80-Yachten, die in Berlin zum Einsatz kommen. Scheidts Domäne sind die wendigen Laser-Jollen, die einhand, also allein, gesegelt werden. Wie für Wieser ist es auch für den Fleet-Racer Scheidt das erste Match Race des Jahres. Um den Aufstieg in der Weltrangliste beim Match Racing jedenfalls segeln beide nicht.
Ihre Konkurrenten dagegen schon: Das Berlin Match Race ist eins von zwei deutschen Rennen, die vom Segelverband ISAF (International Sailing Federation) als "Grade 1"-Rennen eingestuft werden. Eine Platzierung sichert besonders viele Punkte für den Aufstieg innerhalb der Rangliste.
Und auch wenn die Skipper im Licht der Öffentlichkeit stehen: Hinter einem Bootsführer verbergen sich beim Match Race auf dem Wannsee drei weitere Crew-Mitglieder. Vier Männer machen jeweils eine Mannschaft aus, erfahrene Segler, die Hand in Hand arbeiten. "Gute Teamplayer" müssen die Sportler sein, sagt Frank Butzmann vom VSaW. Zudem "hellwach", denn wechselnde Winde und die Bewegungen des Gegners erfordern ständige Konzentration. Viele der Crews sind international besetzt: Sowohl in Wiesers als auch in Scheidts Boot müssen sich drei Nationalitäten verständigen. Das funktioniert am besten auf Englisch, ohnehin die Kommandosprache bei diesem Sport.
Auf internationalem Niveau zu segeln, das wäre der Traum vieler Nachwuchssportler der veranstaltenden Vereine. Drei Berliner Hoffnungen in der Laser-Klasse bekamen am Mittwochnachmittag eine Schulung mit Segel-Ass Scheidt. "Wir sind schließlich ein Segler-Verein, nicht einfach eine Firma", sagt Butzmann. Leider musste die Veranstaltung wegen Flaute auf dem Trockenen stattfinden.
Regatta ohne Training
Die Windstille am Mittwoch stellte jedoch vor allem ein Handicap für die Match-Race-Teilnehmer dar. Die große Mehrheit reiste erst im Laufe des Tages an und hatte bei Flaute keine Gelegenheit mehr, sich mit den Booten vertraut zu machen.
Das sollte allerdings kein großes Hindernis darstellen: Beim Berlin Match Race gehen ohnehin nur Profis an den Start.























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