25.11.12

Konsequenzen aus Klinik-Skandal

Charité will Mitarbeiter überprüfen

Klinikchef Einhäupl lässt Pfleger künftig erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen

Von Jens Anker

Charité-Chef Karl Max Einhäupl hat erste Konsequenzen aus dem neuerlichen Krisenfall in der traditionsreichen Universitätsklinik angekündigt. "Wir müssten einen Kommunikationsmanager an der Spitze einsetzen, um alle Schwierigkeiten zu bewältigen", sagte Einhäupl im Interview mit der Berliner Morgenpost. "Mein wesentliches Ziel ist, dass die Charité ihre Prozesse auch mit ihren Fehlern transparent kommuniziert, auch in die Medien hinein."

Außerdem kündigte Einhäupl an, die Mitarbeiter in Zukunft besser zu überprüfen. "Wir werden künftig von Mitarbeitern in sensiblen Bereichen ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis verlangen, wie dies zum Beispiel auch der Bundesbeauftragte für sexuellen Missbrauch fordert", sagte Einhäupl, räumte aber gleichzeitig ein, dass das in dem aktuellen Fall nichts gebracht hätte. Der unter Verdacht stehende Pfleger arbeitete seit 40 Jahren bei der Charité.

Mitte der Woche war bekannt geworden, dass ein Pfleger der Charité möglicherweise ein 16-jähriges Mädchen sexuell missbraucht hat. Der Mann wurde vom Dienst suspendiert. Einhäupl hatte davon erst knapp eine Woche später erfahren. "Das ist inakzeptabel", sagte Einhäupl weiter. Es werde künftig neue Berichtspflichten geben, sodass eine derartige Informationspanne nicht mehr auftreten könne. "Ich erwarte als Vorstandsvorsitzender, dass mir solche gravierenden Probleme in ihrer gesamten Tragweite geschildert werden."

Einhäupl warnte gleichzeitig davor, von den Krankenhäusern und Universitätskliniken weitere Sparbemühungen zu verlangen. "Wir sind am Ende unserer personellen Sparmaßnahmen. Rationalisierungen, mit denen Kliniken darauf reagieren, dass die Kosten schneller steigen als die Erlöse für bestimmte Leistungen, lassen sich nicht endlos ausweiten", sagte der Chef des Universitätskrankenhauses weiter. Untersuchungen an der Charité hätten ergeben, dass die personelle Ausstattung direkten Einfluss auf die Arbeitshygiene habe. "Es ist richtig, wenn eine Station unterbesetzt ist, steigt die Infektionsrate. Wir müssen über die Finanzierung von Krankenhäusern diskutieren." In Deutschland rutsche ein Krankenhaus nach dem anderen in die roten Zahlen. Es sei nur eine Frage der Zeit, wann Krankenhäuser in Konkurs gehen, kritisierte Einhäupl. "Die Probleme in Universitätskliniken wachsen noch schneller als in anderen Krankenhäusern, weil hier noch schwerere Fälle mit höheren Kosten behandelt werden." Wenn Patienten bereit wären, höhere Krankenkassenbeiträge zu zahlen, könnten die Krankenhäuser wieder mehr unternehmen, sagte Einhäupl.

Nach mehreren Affären und Skandalen in den vergangenen Jahren ist jetzt der Krankenhauschef selbst in die Kritik geraten. So waren zuletzt Keime auf der Frühchenstation gefunden und ein Forschungsgebäude ohne heißes Wasser in den Labors gebaut worden. Vergangenen Mittwoch dann wurde der Verdacht auf den Missbrauch eines Mädchen durch den 58 Jahre alten Pfleger bekannt. In den vergangenen Jahren waren mehrere Mängel in der Krankenpflege und einer Krankenhausküche aufgetreten. Zudem arbeitete die als "Todesengel" bekannt gewordene Krankenschwester an der Charité. Sie hatte zwischen 2005 und 2006 mindestens fünf Menschen auf der Intensivstation durch Injektionen umgebracht und wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

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