02.09.02

Nikagbatse spielt mit den Extremen

Von Dietmar Wenck

Misan Nikagbatse sagt von sich, er sei bescheiden. Nur um kurz darauf zu erklären, sein Potenzial sei groß genug für die NBA, die stärkste Basketball-Profiliga der Welt. Der junge Mann fällt von einem Extrem ins andere. Hin und her geht es zwischen unerschütterlichem Selbstbewusstsein und zermürbender Selbstkritik. Nach dem 87:104 gegen die USA, sagt er, «konnte ich nicht schlafen. Ich habe mich so geärgert über meine Leistung und bin in ein ganz tiefes Loch gefallen.»

Was er bei der Weltmeisterschaft in Indianapolis erreichen will, kommt ihm schon leichter über die Lippen: «Ich will der Welt zeigen, wer Misan Nikagbatse ist.» Ein bisschen hat Nikagbatse, der kurz vor der WM 20 Jahre alt wurde und damit einer der jüngsten Spieler im Turnier ist, das schon gezeigt. Zum Beispiel bei einem spektakulären Dunking über Yao Ming hinweg. Der Chinese überragt ihn um 34 Zentimeter, wenn beide nebeneinander stehen.

Nikagbatse misst 1,92 m, aber er macht sich nicht gern kleiner, als er ist. Nikagbatse ist Spielmacher, muss das Spiel organisieren - die Rolle, bei der man vom Gegner am meisten unter Druck gesetzt wird. Aber große Sorgen habe er sich vor der WM nicht gemacht: «Ich weiß, dass ich auf diesem Level mithalten kann.» Das meint übrigens nicht nur er. «Misan kann es schaffen in die NBA, man muss nur seine Ballbehandlung und seine Bewegungen anschauen», meint Dirk Nowitzki von den Dallas Mavericks.

Der hat es schon geschafft. «Wir haben in Deutschland nicht viele solche Spieler», findet auch Bundestrainer Henrik Dettmann. Man müsse in ihn investieren, ihn unterstützen, indem man ihm Chancen gebe, «auch wenn das manchmal weh tun kann». Wie im Spiel gegen die USA, als Nikagbatse nach gutem Beginn in der entscheidenden Phase Fehler machte. Die machten andere auch. Aber niemand war darüber so verzweifelt wie der gebürtige Berliner, Sohn einer Finnin und eines Nigerianers. «Einen Tag spiele ich gut, dann wieder nicht. Ich muss mehr Konstanz bekommen», sagt er.

Dafür hat Nikagbatse sich nicht den leichtesten Weg ausgesucht. Was ihm am meisten fehlt, ist Spielpraxis. Er hatte vor zwei Jahren, nach Lehrjahren beim TuS Lichterfelde, gerade einen Vertrag bei Alba Berlin unterschrieben, als ein Spieleragent ihn überzeugte, sein Glück bei den reichen Vereinen in Südeuropa zu versuchen. Doch Alba ließ ihn nicht freiwillig ziehen, verlangte eine Ablösesumme. Fast ein Jahr lang ruhte zwangsweise die Entwicklung des Talents, ehe der zweimalige Europaliga-Champion Olympiakos Piräus Nikagbatse aus seinem Vertrag herauskaufte. Es blieb trotzdem ein verschenktes Jahr.

Auch in der vergangenen Saison kam er nur wenig zum Einsatz. «Ich zahle Lehrgeld», wie er zugibt. Umso mehr hat sich Misan Nikagbatse während der gesamten WM-Vorbereitungszeit bei der Nationalmannschaft angestrengt, in den Kader zu kommen. Nun ist er dabei, spielte bisher zwölf Minuten im Schnitt und das nicht schlecht. «Meine Aufgabe ist es, ein bisschen Pep ins Team zu bringen.» Wenn es nur darum geht - das ist Misan Nikagbatse jetzt schon gelungen.

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