25.02.03

Dreifach-Salchow gegen die Krise

Von Benjamin Zschaler

Von einer Krise mag Landestrainer Reinhard Ketterer nicht sprechen, wenn es um die Situation im Berliner Eiskunstlauf geht. Doch gibt er auch zu, dass "in etwa fünf bis sechs Jahren ein langfristiges Problem zu erwarten ist". Bei den Berliner Jugendmeisterschaften, die am vergangenen Wochenende im Erika-Hess-Eisstadion stattfanden, war davon allerdings noch nicht viel zu bemerken. "Berlins Nachwuchs rangiert im nationalen Vergleich ganz vorne", sagt Ketterer.

Bestes Beispiel für die Leistungsfähigkeit der Berliner Nachwuchsförderung: In Alice Schulz (SCB) und Aline Mai (BTSC) standen gleich zwei Läuferinnen in der Nachwuchsklasse den dreifachen Salchow. Das war eine Premiere. Dreifachsprünge wurden bei Jugendmeisterschaften in Berlin bislang noch nie geboten.

Trotz der Freude über diese Leistung ist jedoch nicht zu übersehen, dass es im Eiskunstlauf insgesamt momentan hakt. Es mangelt an Nachwuchs. Reinhard Ketterer macht dafür vor allem die demoskopische Entwicklung verantwortlich: "Es gibt einfach immer weniger Kinder."

Das breit gefächerte Berliner Sportangebot führt heutzutage zu einem regelrechten Wettbewerb um die Talente. Zudem leidet auch das Eiskunstlaufen an einer verbreiteten Krankheit: Geldmangel. Gerd Bertko, Geschäftsführer beim SCC, klagt: "Es fehlen die finanziellen Mittel, um unseren Sport in der Breite zu fördern." Trainerstunden müssen häufig die Eltern aus eigener Tasche bezahlen. Kostüme und Schlittschuhe werden maßgeschneidert und schlagen schnell mit 500 Euro jährlich zu Buche.

So verwundert es kaum, dass sich viele Kinder lieber für andere Sportarten entscheiden. Besonders bei den Jungen steht Eiskunstlaufen nicht sonderlich hoch im Kurs. "Manchmal ist es schon ein bisschen peinlich", gesteht Justin Gerke (11/SCC), Sieger in der Klasse der Neulinge - als einziger Starter. Als "Kringeldreher" werden die jungen Eiskunstläufer oft verspottet.

"Der Sport verliert an Stellenwert", bedauert Bertko. Fördermittel wurden in den vergangenen Jahren gekürzt, Sponsorengelder sind knapp. Reinhard Ketterer warnt aber vor allzu viel Schwarzmalerei. Im Landesleistungszentrum erhalte der Berliner Nachwuchs trotz allgemeiner Finanznot eine gute Ausbildung. Und er fordert das Engagement der Kinder und ihrer Eltern, um die drohende ganz große Krise noch abzuwenden: "Wer immer nur über fehlendes Geld meckert, macht es sich zu einfach."

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