Hertha setzt auf Hilfe vom Mentaltrainer
Dienstag, 10. Juni 2008 02:24 - Von Uwe Bremer"Mein Leben, meine Erfolge" von Thomas Muster, "So spiele ich Golf", eine Biografie über Tiger Woods - auf dem Nachttisch von Josip Simunic (29) stapelt sich die Lektüre.
"Mein Leben, meine Erfolge" von Thomas Muster, "So spiele ich Golf", eine Biografie über Tiger Woods - auf dem Nachttisch von Josip Simunic (29) stapelt sich die Lektüre. Ob der ehemalige Tennis-Star aus Österreich oder der Golf-Star aus den USA, der Fußball-Profi von Hertha BSC interessiert sich dafür, wie andere Sportler ihre Karrieren gestalten. Wie sie mit Druck umgehen und mit Rückschlägen fertig werden. Rückschläge, etwa wenn Unwahres verbreitet wird. So hatte eine Zeitung getitelt: "Ich gehe gar nicht zum Psychologen. Simunic blamiert Hoeneß".
Simunic ging den öffentlichen Druck offensiv an, mit einer öffentlichen Stellungnahme, die er über seinen Arbeitgeber verbreiten ließ: "Nach zuletzt vier Platzverweisen in sieben Monaten war mir klar, dass es so nicht weitergehen kann. Darum habe ich beschlossen, mit einem Mentaltrainer zusammenzuarbeiten. Da aber Teile der Medien sich schwer tun, mit diesem Thema sachlich umzugehen, mache ich zu Details keine weiteren Ausführungen."
Wer sich in der Szene auskennt, dem ist dieser Fakt längst bekannt. Doch Simunic und sein Gesprächspartner hatten nach bisher zwei Treffen, einem auf der Hertha-Geschäftsstelle, einem privat, vereinbart, die Angelegenheit intern zu behalten. Der Mentaltrainer - er ist auch Heilpraktiker - arbeitet seit Jahren in Berlin. Er hat lange Erfahrung, vor allem mit hochklassigen Tennisspielern. Den Kontakt zu Simunic hatte Hertha BSC vermittelt.
Überhaupt sind andere Sportarten beim Thema Mentaltraining weiter als der Fußball. Ob Michael Schumacher in der Formel 1, Basketball-Größen wie Dirk Nowitzki, die deutsche Hockey- oder die Handball-Nationalmannschaft, alle arbeiten schon lange mit psychologischer Betreuung.
Hertha-Manager Dieter Hoeneß macht das Problem weniger beim Fußball aus als im Umfeld. "Es stört mich, dass in manchen Medien Profis, die diese Hilfe nutzen, in die Nähe von psychisch Gestörten gerückt werden." Nicht richtig, argumentiert Hoeneß. "Natürlich hat die mentale Belastung zugenommen. Fußballer verdienen heute mehr Geld. Die mediale und gesellschaftliche Bedeutung ist größer geworden. Profis sind viel mehr Personen des öffentlichen Lebens als früher." Die Erkenntnis, Spiele werden im Kopf entschieden, ist längst ein Allgemeinplatz geworden. "Heute wird alles intensiver trainiert, nur der Kopf nicht", fragt Hoeneß, um sich selbst die Antwort zu geben: "Das kann wohl nicht sein."
Zugleich weiß der Hertha-Manager: "Es gibt im Profifußball nicht genügend Erfolgsmodelle." Die Akzeptanz von mentalem Training im deutschen Fußball hat sich erst mit der Entscheidung von Jürgen Klinsmann, bei der WM 2006 auf einen Sportpsychologen zu setzen, verbessert. Mittlerweile gibt es zwar eine Reihe von Profis, die im Stillen an ihrer mentalen Stabilität arbeiten. Doch nur wenige, wie etwa Bastian Schweinsteiger, reden darüber. Der Bayern-Profi bekannte offen, dass ihn nach persönlichen Rückschlägen die regelmäßige Arbeit mit Hans-Dieter Hermann, dem Psychologen der Nationalelf, aufgebaut habe.
Auch bei Hertha BSC ist noch nicht ausgemacht, wie genau die Zusammenarbeit aussehen wird - und wie viel Öffentlichkeit das Thema verträgt. Ein ewig sensibles Terrain ist die Frage, ob ein Mentalcoach die Autorität des Trainers, die von Lucien Favre, untergräbt. Deswegen sollte der eingebunden werden.
Das Feld ist reizvoll - und umfangreich. Das Leben als Profi hat viele Aspekte: Neben der täglichen Trainingsarbeit geht es etwa um Ernährung, um Schlaf, um Verletzungsvorbeugung, um Entspannungstechniken . . . Themen, die nicht nur für Simunic interessant sind, sondern für jeden Profi.























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