27.09.07

Favre baut das Team um

Ein Tor für die eigene Mannschaft löst bei einem Trainer im Regelfall positive Gefühlsregungen aus.

Von Sebastian Schlichting, Daniel Stolpe
Trainer Lucien Favre hat für viele Positionen gute Alternativen
Trainer Lucien Favre hat für viele Positionen gute Alternativen

Ein Tor für die eigene Mannschaft löst bei einem Trainer im Regelfall positive Gefühlsregungen aus. Die einen tanzen an der Seitenlinie, die anderen schreiben emotionslos etwas auf einen Notizzettel. Aber freuen tun sich eigentlich alle. Lucien Favre dagegen schossen andere Gedanken durch den Kopf, wie er gestern zugab: "Oh, là, là! Das ist aber ganz schön früh", dachte sich der Trainer von Hertha BSC, als Marko Pantelic nach anderthalb Minuten gegen Hansa Rostock getroffen hatte.

Favre hatte dunkle Vorahnungen, versuchte mit einem Sprint an die Seitenlinie seinen Spielern einzutrichtern: weitermachen, nicht nachlassen. Gebracht hat es nichts. Ergebnis verwalten nennt man so etwas. Eine Methode, die der FC Bayern immer mal wieder erfolgreich anwendet. "Die können das", sagte Hertha-Manager Dieter Hoeneß: "Wir sind noch nicht so weit." Hertha verlor nicht nur 1:3, sondern erbrachte auch den Nachweis, keine Spitzenmannschaft zu sein. Eine Erkenntnis, die Favre nicht überraschte: "Der Weg nach oben ist lang."

Erst durch die gemächliche Spielweise des Favoriten merkten die Rostocker, dass in Berlin etwas möglich war. Anstatt die Punkte frühzeitig auf der Habenseite verbuchen zu können, wurde Hertha von klug verteidigenden Rostockern im eigenen Stadion ausgespielt. Erste Niederlage nach drei Spielen, Tabellenspitze verpasst - willkommen im Alltag.

Zeit zum Trauern über verpasste Gelegenheiten bietet der Spielplan jedoch nicht. Morgen tritt Hertha beim FC Schalke 04 an, dann mit einer veränderten Mannschaft: Das Training hatte gestern noch gar nicht begonnen, da verabschiedete sich Josip Simunic in Richtung Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher, der eine schwere Hüftprellung diagnostizierte. Sein Einsatz ist unwahrscheinlich. Aber auch unabhängig davon wird Favre seine Startformation umstellen. Zuletzt hat er viermal in Folge dieselben Spieler beginnen lassen - das gab es bei Hertha in der Bundesliga zuletzt 1982 unter Trainer Georg Gawliczek. "Ich werde ein, zwei, drei Neue bringen", belässt es der Trainer bei Andeutungen. Dass er Änderungen vornehmen muss, liegt auf der Hand.

Favre hat Alternativen

Das Spiel hat gezeigt, dass einige Profis dringend eine Pause brauchen. Aus unterschiedlichen Gründen. Patrick Ebert etwa plagt sich seit Wochen mit Knieproblemen herum, er war weitaus schwächer als in den Spielen zuvor. Bei Andre Lima liegt die Sache anders: Der Stürmer wirkt noch nicht vollständig integriert.

Favre registriert solche Dinge, in Hektik verfällt er nicht. Der Trainer weiß, dass er auf vielen Positionen zwei gleichwertige Spieler hat. Steve von Bergen in der Abwehr, Tobias Grahn im Mittelfeld und Solomon Okoronkwo im Sturm kann Favre sorgenfrei bringen. Dazu hat er das Luxusproblem, mit Mineiro einen brasilianischen Nationalspieler auf der Bank sitzen zu haben.

Bislang sah Favre keinen Grund, das Team zu verändern. Drei Siege in Serie sprachen für sich. Selbst die Ersatzspieler sehen das so: "Warum hätte der Trainer wechseln sollen?", fragt von Bergen. Und Mineiro sagt: "Ich kann auf meine Chance warten." Jetzt hat sich die Situation geändert. Zum einen braucht es frische Kräfte, zum anderen würden es die, die knapp hinten dran stehen, kaum verstehen, wenn es der Trainer in Sachen Rotation bei Ankündigungen belässt.

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