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Hertha BSC

Was Funkel anders macht als Favre

Es muss nicht immer elegant sein. Nach den Trainingseinheiten zieht Friedhelm Funkel, der neue Trainer von Hertha BSC, gern Jeans und eine modische Freizeitjacke an. Auch ein rosa Hemd darf es mal sein.

Lucien Favre bevorzugte hingegen den klassischen Stil. Fast immer trug der Schweizer ein weißes Hemd und ein dunkles Jackett. Auch bei Spielen. Funkel steht im Trainingsanzug an der Seitenlinie.

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Es ist natürlich nicht der einzige Unterschied zwischen ihm und seinem Vorgänger. Seit neun Tagen ist der 55-Jährige im Amt. Seine Handschrift, sagt Mittelfeldspieler Pal Dardai, werde man erst nach etwa einem Monat erkennen können. Doch schon jetzt wird deutlich, dass Funkel einige Dinge anders angeht, als Favre es getan hat.

Geduldiger Beobachter

Handball-Spielen zum Warmmachen gibt es im Training nicht mehr. Funkel setzt auf Lauf- und Fußball-Übungen. Während der Einheiten steht er meist mit verschränkten Armen an der Seite. Sein Assistent Christoph John leitet das Training, der Chef schaut zu. Gelegentlich gibt er Anweisungen und lobt Spieler. Vor allem aber beobachtet er. "Ich mache mir ein Bild von allen Spielern", sagt Funkel. Favre hatte sich oft in die Übungen eingeschaltet. Wenn etwas nicht so funktionierte, wie er wollte, schnappte er sich selbst einen Ball und machte es den Spielern vor. Nachmittags ließ er seine Spieler viel in der Höhenkammer trainieren. Hier kann eine Höhe von 4500 Metern simuliert werden. Wegen des geringeren Sauerstoffgehalts in der Luft bilden sich bei den Spielern die roten Blutkörperchen schneller als unter normalen Bedingungen. Funkel nutzt die Höhenkammer bislang nicht. Er lässt vor allem auf dem Schenckendorffplatz trainieren: "Wir machen viel mit dem Ball."

Allerdings nicht ausschließlich. Am Wochenende mussten die Spieler bei einem Zirkel-Training auf dem Rasen Gewichte stemmen. Mit dabei war Bryan Arguez. Der 20 Jahre alte US-Amerikaner trainierte unter Favre nicht mehr mit der ersten Mannschaft. "Bei mir fängt jeder Spieler bei Null an", betont Funkel hingegen.

Der Trainer setzt auf Kommunikation. In seinen ersten Tagen in Berlin führte er zahlreiche Gespräche mit den Spielern und Vereinsmitarbeitern. Kürzlich stand er nach dem Training länger mit Manager Michael Preetz und dem Scout Rudi Wojtowicz auf dem Vereinsgelände und unterhielt sich. Auf der Geschäftsstelle sprach er mit jedem Angestellten. Er lebt das vor, was er von seinen Spielern fordert: "Spieler wie Drobny, Friedrich, Ebert, Dardai, aber auch Janker, Stein und Wichniarek müssen mehr sprechen und kommunikativer werden. Aber diese Ansprachen müssen immer positiv sein."

Als Psychologe gefragt

Funkel weiß, dass er in diesen Tagen auch als Psychologe gefragt ist. Auf den Mentaltrainer, den Favre zuletzt nutzte, verzichtet er. Nach 35 Jahren in der Bundesliga will er selbst das verlorene Selbstvertrauen der Profis wieder aufbauen. Am Freitag gab er der Mannschaft nachmittags frei, "als Belohnung". Ein simpler, aber wirkungsvoller psychologischer Kniff.

Der derzeit verletzte Mittelfeldspieler Florian Kringe kennt Funkel aus der gemeinsamen Zeit beim 1. FC Köln. Er weiß, dass der Fußball-Lehrer einzelne Mannschaftsteile vor Spielen im Hotel zur Besprechung auf sein Zimmer ruft. So dürfte er es auch vor dem wichtigen Spiel beim 1. FC Nürnberg am Sonnabend tun. "Seine Gradlinigkeit tut uns gut", sagt Kringe.

Favre hob nur selten einzelne Profis als Führungsspieler heraus. Funkel sagt, dass es immer "vier, fünf Führungsspieler gibt". Sie würden sich von selbst herausbilden.

Öffentlich spricht Funkel die Dinge klar an. Das Spiel in Nürnberg bezeichnet er als Begegnung zweier Klubs, "die hinten drin stehen und hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben sind". Als Mannschaft habe Hertha wohl Defizite. Funkel schätzt die Dinge realistisch ein, ohne den Optimismus zu verlieren. Schon seine Körpersprache ist Ausdruck seiner positiven Grundhaltung: aufrechter Gang, öfters mal ein Lächeln und eine feste Stimme.

Favre hatte die Situation zuletzt schöngeredet. Man hätte die ersten Spiele nicht verlieren müssen, sei nicht immer die schlechtere Mannschaft gewesen. Unter ihm stürzte Hertha auf Tabellenplatz 18 ab. In Nürnberg soll endlich der zweite Saisonsieg gelingen. "Für den Club ist der Druck vielleicht noch ein bisschen größer, weil es ein Heimspiel ist", so Funkel. Wieder so ein psychologischer Trick.

Unser Autor Horst Bosetzky wurde bekannt durch zahlreiche Kriminalromane, die er unter dem Kürzel -ky veröffentlichte. Der Berliner Soziologieprofessor (71) ist außerdem ein großer Sportfan.

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Hertha BSC
Funkel will von Abstiegsduell nichts wissen
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