24.06.12

Hertha BSC

Trainingsstart mit Raffael

Hertha muss sein Juwel verkaufen, um einen Kader für die Zweite Liga bauen zu können. Bisher gibt es aber kein Angebot für den Brasilianer

Von Uwe Bremer

- Es wird eine spannende Saison. Und sie wird schwierig. Die ersten Unbilden, die Hertha BSC beim erneuten Gang durch die Zweite Liga erwarten, werden heute beim Trainingsstart deutlich. Wenn Neu-Trainer Jos Luhukay um 11 Uhr seine Mannschaft zum Auftakttraining auf den Schenkendorff-Platz bittet, ist lediglich ein Neuer dabei: Elias Kachunga (20), ein Nachwuchsstürmer, den Hertha für ein Jahr von Bundesligist Borussia Mönchengladbach geliehen hat. Weitere Neue? Fehlanzeige. Es ist nicht abzusehen, wie lange es dauern wird, bis das Aufgebot steht, mit dem der Bundesliga-Absteiger in die Saison gehen wird. "Es ist aus den Vorjahren bekannt, dass wir zum Trainingsstart den Kader weitgehend beisammen haben", sagte Hertha-Manager Michael Preetz. "Aber unter den besonderen Umständen wird es diesmal schwieriger."

Hertha sucht vier Neue

Preetz meint den zeitlichen Verzug von vier Wochen gegenüber der Konkurrenz. Während alle anderen Vereine seit dem 5. Mai, dem letzten Spieltag der Vorsaison, wissen, in welcher Liga sie spielen, befand sich Hertha einen Monat lang in ungeklärter Lage: Erst waren da die Relegationspartien gegen Fortuna Düsseldorf (1:2/2:2). Es schloss sich die gerichtliche Auseinandersetzung mit dem Deutschen Fußball-Bund an über die Frage, ob das unter chaotischen Umständen beendete Relegationsrückspiel gewertet wird. Dann folgte die Mitgliederversammlung am 29. Mai, mit der richtungweisenden Wiederwahl von Präsident Werner Gegenbauer (samt neuem Präsidium), die gleichzeitig Manager Preetz im Amt hielt. Amtlich ist der Bundesliga-Abstieg erst seit dem 19. Juni, als Hertha bekanntgab, auf den Gang in eine dritte DFB-Instanz zu verzichten.

Zusätzlich erschwert die schwierige finanzielle Lage dem Hauptstadt-Klub das Agieren. Kachunga wurde gegen die im Branchen-Verhältnis schmale Gebühr von 100.000 Euro ausgeliehen. Eine Kaufoption konnte Hertha nicht aushandeln. Trotz der feststehenden Abgänge der gut bezahlten Andre Mijatovic (wechselte zum FC Ingolstadt), Tunay Torun (VfB Stuttgart), Christian Lell, Andreas Ottl und Patrick Ebert (alle ohne neuen Verein) hat Hertha derzeit kaum Spielraum für neues Personal.

Der Klub muss seinen Personal-Etat für 2012/13 auf 13 Millionen Euro halbieren, verglichen mit dem vergangenen Bundesliga-Jahr. Trainer Luhukay hat sich in dieser Woche mit diversen Spielern getroffen, die er nach Berlin locken will. Drei bis vier Profis werden gesucht: ein Umschaltspieler fürs Mittelfeld, dazu zwei bis drei Offensivspieler für die rechte Seite sowie für den Sturm.

Doch um Mittel für gewichtige Transfers zu haben, braucht Hertha zuvor Einnahmen. Vor allem Raffael und Adrian Ramos sind zwei Hochkaräter, die Ablösesummen im Millionen-Bereich einbringen sollen. Nur, bisher hat sich niemand gemeldet, wenn man von Dynamo Kiew absieht, das sich quasi "über Eck" bei Hertha nach Raffael erkundigt hat. Doch Kiew wird wohl erst dann über Raffael entscheiden, wenn die Ukrainer im August die Champions-League-Qualifikation überstehen. Borussia Mönchengladbach mit Raffael-Ziehvater Lucien Favre hat sich, wie zu hören ist, aus dem Raffael-Poker verabschiedet. Von der Raffael-Seite wird ein Jahres-Salär von gut zwei Millionen Euro aufgerufen, dazu ein Vier-Jahres-Vertrag, zuzüglich einer Ablöse von fünf, sechs oder sieben Millionen an Hertha - das Gesamt-Paket ist Gladbach zu teuer. Im Umkehrschluss heißt das: Raffael ist heute beim Trainingsstart dabei, Ramos wird am 3. Juli erwartet. Wie schnell sich einer oder beide verkaufen lassen, ist unklar, die Transferperiode läuft bekanntlich bis zum 31. August. Die interne Rechnung von Manager und Trainer: Sollte sich bis zum Zweitliga-Start am 3./4. August nichts getan haben, geht Hertha sowohl mit Raffael als auch mit Ramos in die Saison. Dann hätte das Duo bis zum Ende der Wechselfrist noch vier Pflichtspiele Gelegenheit, um Werbung in eigener Sache zu machen (drei Partien in Liga zwei, dazu erste Runde DFB-Pokal). Nun kann einem Verein Schlimmeres passieren, als mit Raffael und Ramos in die Zweite Liga zu starten. Aber für den Aufbau und das Einspielen einer neuen Mannschaft wäre es trotzdem schlecht. Die Vorstellung, mehrere Schlüsselspieler erst im August verpflichten zu können, wenn der Spielbetrieb längst läuft, behagt bei Hertha niemandem. "Es könnte sein, dass der Start holprig wird", ahnt Manager Preetz. Luhukay sagt: "Wir werden Zeit brauchen, um uns zu finden. Gut möglich, dass das bis zur Mitte der Hinserie dauert."

Nur der Wiederaufstieg zählt

Die Umstände ändern jedoch nichts an der großen Erwartung in der Hauptstadt. Ob Fans oder Sponsoren, ob Manager oder Trainer: Das Ziel für Hertha heißt sofortiger Wiederaufstieg. "Da hilft ein guter Start, wie wir ihn vor zwei Jahren hatten", erinnert Preetz an die Situation 2010/11, als Hertha sich gleich im ersten Saisondrittel an der Spitze festsetzt hatte.

Das formuliert auch Neu-Stürmer Kachunga so: "Mein Ziel ist natürlich, mit Hertha aufzusteigen, weil dieser Klub einfach in die erste Liga muss, mit diesem Umfeld und dieser Stadt. Ich denke, der Verein wird eine richtig starke Mannschaft zusammenstellen. Dann wollen wir angreifen, ich persönlich auch."

Neben Raffael wird Trainer Luhukay auch Ronny begrüßen. Dazu Peter Niemeyer, Fabian Lustenberger, sowie einen Schwung junger Spieler: Abu Bakarr-Kargbo, John Brooks, Marco Djuricin, Fabian Holland, Alfredo Morales, Sebastian Neumann, Fanol Perdedaj. Im Juli werden noch Torwart Philipp Sprint sowie das Talent Hami Mukhtar (17) dazustoßen. Bei den Torwarten wird sich neben Thomas Kraft und Sascha Burchert auch Maikel Aerts (35) einfinden. Der Vertrag des Torwarts läuft zwar aus. Hertha und Aerts werden in den nächsten Tagen aushandeln, ob es eine gemeinsame Zukunft gibt.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
4D-Achterbahn Das Batmobil gibt es bald auch als Achterbahn
Neuseeland Polizei sucht nach zweifachem Todesschützen
Irak-Krise Irakische Stadt Amerli aus IS-Belagerung befreit
Arbeitskampf Jetzt streiken die Lokführer
Top Bildershows mehr
Bürgermeister-Karriere

Klaus Wowereit und der Abstieg vom Gipfel

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Hinter den Kulissen

Tage der offenen Tür bei der Bundesregierung

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote