Interview
"90 Prozent der Plakate machen es nicht richtig"
Mittwoch, 12. August 2009 02:51In der Nacht zu Montag haben die Parteien die ersten Wahlplakate aufgehängt. Mit Wolfgang Hünnekens, Chef der Werbeagentur Publicis, sprach Karen Merkel über die Plakatwerbung.
- Hünnekens berät derzeit die Brandenburger SPD und Spitzenkandidaten Matthias Platzeck. In Brandenburg wird am 27. September auch ein neuer Landtag gewählt.
Berliner Morgenpost:
Wie beurteilen Sie die neuen Kampagnen?
Wolfgang Hünnekens:
Sie sind langweilig. Und zwar deswegen, weil die Parteien immer noch nicht gelernt haben, dass nicht Köpfe gewählt werden, sondern Namen.
Warum setzt dann ein Großteil der Politiker auf diese Standardplakate mit Porträtfoto und Wahlkampfslogan?
Das ist reiner Egoismus - die Kandidaten scheinen sich zu selten im Fernsehen oder in den Medien zu sehen. Allen Parteien, die ich bisher beraten habe, habe ich gesagt, dass sie nur den Namen der Direktkandidaten auf das Plakat drucken sollen. Denn auf dem Wahlzettel steht auch nur der Name, ohne Foto.
Welche Wirkung haben dann konventionelle Wahlplakate noch?
Außer dass sie auf das Datum der Bundestagswahl hinweisen, haben sie keine effektive Wirkung mehr. Es gibt Menschen, die sagen, sie stören im Straßenverkehr, weil sie die Sicht beim Abbiegen behindern.
Sind denn Wahlplakate überhaupt noch sinnvoll?
Ja. Wenn Wahlkampfplakate richtig gemacht sind, können sie einen Menschen mit einer inhaltlichen Aussage in Verbindung bringen. Das ist den regionalen Politikern beziehungsweise Bundestagskandidaten durch die Medien ja nur schwer möglich. Nur durch das zunehmende Interesse am Internet haben sie vielleicht die Möglichkeit, ihre Bekanntheit zu steigern. Aber um mit Plakaten Wirkung zu erzielen, muss man es halt richtig machen. 90 Prozent der Wahlplakate, die hängen, machen es aber nicht richtig.
Wie genau können Sie denn die Wirkung eines Wahlplakates kalkulieren?
Das ist sehr schwierig. Ähnlich wie in der klassischen Werbung kann man das eigentlich gar nicht vorhersagen. Die Umfragen, die man dazu machen kann, sind oft einfach zu wenig verlässlich, weil sie auf subjektiven Antworten basieren.
Die Wahlplakate im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg-Ost fallen auf. Zum Beispiel posiert CDU-Direktkandidatin Vera Lengsfeld neben einem Dekolleté-Foto von Kanzlerin Angela Merkel, sie selbst ebenfalls recht tief ausgeschnitten. Ist das eine gelungene Initiative?
Es ist vor allem eine so eindeutig zweideutige Initiative, dass viele Journalisten darüber schreiben. Dadurch entsteht dann die Aufmerksamkeit, nicht durch die Plakate selbst. Es erregt viel Aufmerksamkeit, weil die Leute daran Spaß gehabt haben, aber dass dieses Plakat eine inhaltliche, politische Wirkung hat, glaube ich nicht.
Wie kann ein Wahlplakat sich überhaupt noch Aufmerksamkeit verschaffen?
Das kommt auf die Erwartungen an, die an die Wirkungen eines Plakates gestellt werden. Ob ein Wahlplakat dazu führen soll, dass ein Kandidat gewählt wird, oder nur auf den Wahltermin hinweisen soll.
Welche Wirkung sollte ein Wahlplakat haben?
Ich gehe davon aus, dass wenn eine Partei oder ein Kandidat Geld für ein Wahlplakat ausgibt, am Ende des Tages dafür auch eine Stimme bekommen möchte. Das funktioniert aber nicht über die Köpfe. Nur die Namen können vielleicht hängen bleiben, zusammen mit der politischen Aussage. Das ist meiner Meinung nach der sinnvollste Weg. Auf die Wahl selbst und den Termin an sich machen bereits die Medien aufmerksam.
Manche assoziieren den Wahlkampfstil von Björn Böhning (SPD) mit dem Wahlkampf von Barack Obama. Überhöht er sich damit als Bundestagskandidat?
Ich glaube nicht, dass viele Wähler von Björn Böhning diesen Zusammenhang herstellen. Sein Plakat ist einfach nur schlecht gemacht.
Die Linke verzichtet wie im Europawahlkampf ganz auf Köpfe und publiziert zunächst nur Slogans. Heißt das, die Linke macht es richtig?
So bleiben politische Aussagen auf jeden Fall am schnellsten beim Wähler hängen. Ich bin kein Freund der Linken, aber wenn man mit Plakaten überhaupt etwas erreicht, dann mit dieser Art der Kommunikation.























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