Ehrung Tapferkeitsmedaille für etwas mutlos gewordene Helden

Ein Berliner in Oslo: Burkhard Kieker, 52 Jahre, seit 2009 Chef von VisitBerlin, war bei der Verleihung des Friedensnobelpreises dabei.

Am Ende war es doch ein würdiger Moment für Europa und seine Menschen. Vier Fanfaren erklingen, als König Harald mit seiner Frau Sonja und Thronfolger Haakon mit Mette Marit die große, dezent geschmückte Halle des Stadthauses im frostigen Oslo betritt. Thorbjørn Jagland, der Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, kommt schnörkellos zur Sache: "Die Europäische Union hat Europa von einem Kontinent des Krieges in einen Kontinent des Friedens verwandelt."

Als er besonders die über Jahrhunderte aussichtslos erscheinende Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland als Garant europäischen Friedens nennt, gibt es Applaus für Merkel und Hollande. Beide stehen auf, geben sich sichtlich gerührt die Hand. Sorge um den Zustand Europas im Angesicht der Krise scheint das Nobelkomitee umzutreiben, und so wirkt der Preis wie eine Tapferkeitsmedaille, ein Schulterklopfen für etwas mutlos gewordene Helden.

Für viele der zahlreich erschienenen Europäer in Oslo war die Verleihung ein kurzes Innehalten, ein Nachdenken über das Erreichte, was uns oft so selbstverständlich erscheint: Reisen ohne Visum mit einer Währung, Freunde in ganz Europa – und eben: Freiheit. Wir Berliner wissen das besonders zu schätzen. Die Stadt Oslo hatte die Tourismuschefs aus Amsterdam, Barcelona, Paris, Wien und Berlin bewusst eingeladen: Weil die Millionen Touristen der United Nations of Europe, die am Wochenende vielsprachig über die Museumsinsel, den Place de la Concorde oder entlang den Grachten schlendern, vielleicht mehr zur europäischen Brüderlichkeit beigetragen haben als so manches wohlgemeinte Regierungsprogramm.

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