TV-Duell vor Niedersachsen-Wahl
Freitag, 30. Mai 2008 17:57 - Von Daniel F. Sturm
Berlin - Pünktlich zur Halbzeit erreicht das Streitgespräch zwischen Sigmar Gabriel und Christian Wulff den Höhepunkt. «In einer Reihe von Fragen im Lande würde ich Sie Lügner nennen», schleudert Herausforderer Wulff (CDU) Ministerpräsident Gabriel (SPD) entgegen. Bemerkenswert ist: Wulff tut es mit ruhiger Stimme, alles andere als aufbrausend. Vor Millionen Zuschauern des Senders RTL, der das Duell zur Landtagswahl in Niedersachsen gestern Abend ausstrahlte.
Zwischen Gabriel und Wulff ging es längst nicht so schematisch zu wie noch im September vorigen Jahres, als sich Gerhard Schröder und Edmund Stoiber hinter Stehpulten und innerhalb seltsam anmutender Zeitkonten verbal duellierten. Nein, beide sitzen entspannt und nah beieinander und agieren typisch: Gabriel reagiert schnell, verwendet Metaphern, polemisiert und setzt sich von «Berlin» ab. Wulff hingegen, der Herausforderer, gibt den Staatsmann, redet ruhig, argumentiert ausgewogen.
Wulff verspricht, sollte er gewählt werden, könnten weitere Steuererhöhungen im Bundesrat besser verhindert werden. Am 2. Februar gehe es um die Zukunft, nicht um einen «Denkzettel» für die Bundestagswahl. Gabriel wirft der niedersächsischen CDU einen «Wahlkampf gegen die Bundesregierung» vor. Natürlich: Auch er sei «nicht mit allem einverstanden, was Berlin gemacht hat».
Angesprochen auf die schlechten Umfragewerte der SPD, verkündet Gabriel, er habe «schon schönere Zeiten erlebt». So käme die CDU in Niedersachsen nach einer Umfrage von Infratest/dimap im Auftrag der ARD-Sendung «Christiansen» auf 46 Prozent.
Als Wulff erklärt, mit Blick auf die Finanzpolitik der SPD solle Gabriel ein paar Jahre den Begriff «Ehrlichkeit» nicht im Mund führen und «mehr an Reue zeigen», wittern die Moderatoren eine Chance: Ob er Gabriel als Lügner bezeichne? «Nun sagen Sie mal was!», fordert Gabriel Wulff auf. Der lässt sich auf den Begriff ein, was ihm anschließend erkennbar Leid tut. Nun trumpft Gabriel auf, gibt den Landesvater und beschwört Konsens («Wir haben miteinander Fehler gemacht»).
Beim Thema Irak-Krieg versteckt sich Wulff hinter der Formulierung, er sei «exakt der Überzeugung der Bundesregierung», ein Abstimmungsverhalten erst in entsprechender Situation festzulegen. Offensichtlich denkt die Regierung anders. Etwa so wie Gabriel, der seine Chance wittert und davon spricht, «um des Öls willen» werde ein Militäreinsatz vorbereitet. Es sei «im deutschen Interesse» zu handeln und «Jungen und Mädchen» nicht in den Krieg zu schicken.























Jobs
Immobilien
Reisen
Branchenbuch


















