07.01.05

UN mahnt Geberländer: Haltet eure Versprechen!

Auf einer Luftwaffenbasis in Aceh laden US-Soldaten und zivile Helfer gemeinsam Nahrungsmittel ab
Auf einer Luftwaffenbasis in Aceh laden US-Soldaten und zivile Helfer gemeinsam Nahrungsmittel ab

Jakarta - Elf Tage nach dem verheerenden Seebeben im Indischen Ozean haben die wichtigsten Geberländer am Donnerstag eine "beispiellose globale Reaktion" zur Unterstützung der betroffenen Staaten versprochen. Der Wiederaufbau könnte bis zu zehn Jahre dauern, hieß es in der Abschlußerklärung der Geberkonferenz in Jakarta. Konkret wurde der Aufbau eines Tsunami-Frühwarnsystems beschlossen. Auf ein Schuldenmoratorium wollten sich die Geberländer allerdings nicht festlegen.

UN-Generalsekretär Kofi Annan ermahnte die internationale Gemeinschaft, die zugesagten rund drei Milliarden Euro Soforthilfe rasch auszuzahlen. Die Verteilung der Hilfe in den Krisengebieten werde zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Nach dem Erdbeben im Iran vor einem Jahr hatten Regierungen weltweit eine Milliarde US-Dollar angekündigt, davon sind nach Angaben Teherans bislang nur 17,5 Millionen eingetroffen.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso erklärte am Rande des Treffens, Brüssel werde seine Soforthilfe auf 100 Millionen Euro aufstocken. Zudem werde er das EU-Parlament um die Bewilligung von weiteren 350 Millionen Euro für den Wiederaufbau bitten. Geplant sei außerdem ein Kreditpaket im Umfang von einer Milliarde Euro. Die EU-Außen- und Entwicklungshilfeminister kommen morgen zu einer Sondersitzung zusammen, um über Hilfsmaßnahmen zu beraten.

Auch die USA werden ihre Soforthilfe von derzeit 350 Millionen Dollar (260 Millionen Euro) nach den Worten von US-Außenminister Colin Powell voraussichtlich aufstocken. Powell stellte zudem klar, daß auch die USA eine Koordination des weltweiten Hilfseinsatzes durch die UN wünschen. Unmittelbar nach der Flutkatastrophe hatte US-Präsident George W. Bush angekündigt, die USA würden die Hilfe zusammen mit Indien, Australien und Japan koordinieren, und damit bei den Vereinten Nationen Verstimmung ausgelöst. In der Abschlußerklärung vom Donnerstag wurden die UN ausdrücklich gebeten, das internationale Katastrophenmanagement zu übernehmen.

Eröffnet wurde das Treffen mit einer Schweigeminute für die Opfer. Gastgeber Indonesien ist von den Folgen der Flutwelle am schwersten betroffen. Präsident Susilo Bambang Yudhoyono erklärte, der Tsunami vom 26. Dezember sei die zerstörerischste Naturkatastrophe seit Menschengedenken gewesen. "Auf diese beispiellose Katastrophe müssen wir beispiellos reagieren", sagte er.

"Das Desaster war so brutal, so plötzlich und so weitreichend, daß wir immer noch darum ringen, das ganze Ausmaß überhaupt fassen zu können", sagte Annan. Wie andere Konferenzteilnehmer setzte er sich für die Errichtung eines Tsunami-Frühwarnsystems in der Region ein. Eine führende Rolle könnte dabei Japan übernehmen, das bereits über eines der sensibelsten Systeme weltweit verfügt. Schon zwei Minuten nach einem Beben kann damit ein Tsunami-Alarm ausgelöst werden.

Die Gesamtzahl der offiziell registrierten Toten im Katastrophengebiet lag bis gestern weiter bei rund 140 000. Annan sagte jedoch, es sei mit einer Bilanz von mehr als 150 000 zu rechnen. Allein Indonesien geht von nahezu 100 000 Toten aus. Das Land benötige rund 450 Millionen Dollar Soforthilfe, teilte der dortige UN-Vertreter Bo Asplund mit. AP

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