Anschlag in Frankfurt scheiterte nur am Geld
Montag, 2. Juni 2008 11:29Von Martin Lutz Berlin - Erneuter Terroralarm nach den vereitelten Kofferbomben-Anschlägen: Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe prüft, ob die mutmaßlichen Sprengstoff-Attentäter auf dem Frankfurter Flughafen eine Verbindung zum Terror-Netzwerk al-Qida haben.
Von Martin Lutz Berlin - Erneuter Terroralarm nach den vereitelten Kofferbomben-Anschlägen: Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe prüft, ob die mutmaßlichen Sprengstoff-Attentäter auf dem Frankfurter Flughafen eine Verbindung zum Terror-Netzwerk al-Qida haben. Die sechsköpfige Zelle mit islamistischem Hintergrund wollte offenbar auf Deutschlands größtem Flughafen eine Maschine der israelischen Fluggesellschaft El Al in die Luft sprengen. Die Verdächtigen, von denen einige seit Jahren Asylbewerber sind, kommen aus Jordanien, dem Libanon, Kuwait und dem Irak.
Die Beschuldigten sollen im Sommer eine Person mit Zugang zum Sicherheitsbereich ausfindig gemacht haben, der sich bereit erklärt habe, gegen Bezahlung einen Koffer oder eine Tasche mit Sprengstoff in die Maschine zu schmuggeln, erklärte Bundesanwalt Frank Wallenta. Die Ermittler kamen ihnen per Telefonüberwachung auf die Spur, als die mutmaßlichen Terroristen und Helfer über die Bezahlung verhandelten. Über den Preis hatten sie sich noch nicht geeinigt. Zum Stand der Anschlagspläne hieß es in der Bundesanwaltschaft lediglich, die Verdächtigen hätten mit den Vorbereitungen erst begonnen.
Generalbundesanwältin Monika Harms leitete gegen die sechs Personen sowie Unbekannte ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung oder deren Unterstützung ein. Wallenta zufolge richtet sich das Verfahren gegen sechs namentlich bekannte und weitere unbekannte Beschuldigte. Die Polizei habe am Freitag neun Wohnungen in Mainz und Wiesbaden durchsucht, die Beschuldigten festgenommen. Nach einer Vernehmung seien sie am Sonnabend jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Lediglich ein Beschuldigter blieb wegen einer Vergewaltigung in Haft.
Der Flughafenbetreiber Fraport wollte sich nicht zu dem vereitelten Anschlag äußern. Die Lufthansa war davon nach eigenen Angaben nicht betroffen. Vor einer Woche hatte der US-Fernsehsender CBS berichtet, al-Qaida beabsichtige in der Weihnachtszeit Anschläge auf Fluglinien und Bahnnetze in Europa. Danach soll eine Neuauflage der im August vereitelten Anschläge am Londoner Flughafen Heathrow vorbereitet werden.
Mit der Bekanntgabe des neuen Falls wollen die deutschen Sicherheitsbehörden den Fahndungsdruck und die Wachsamkeit der Bürger erhöhen. Die Behörden geben jedenfalls keine Entwarnung bezüglich der Terrorgefahr. Der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Stefan Kahler, sagte in Berlin, der Fall sei ein Beleg dafür, dass es sich bei der Bedrohung durch Terroristen um keine rein abstrakte Gefährdung handele: "Wir müssen damit rechnen, dass es immer wieder Gruppen gibt von Leuten, die konkrete Anschlagsplanungen in sich tragen." Details zu den Straftaten, die durch das Bundeskriminalamt aufgedeckt wurden, nannte er nicht.
Kahler wies darauf hin, dass es bereits im Sommer die versuchten Anschläge mit Kofferbomben gegeben habe. "Dieser Fall ist einmal mehr ermutigend insoweit, als unsere Sicherheitsbehörden offensichtlich sehr aufmerksam sind, nah dran sind an möglichen Strukturen und es bisher jedenfalls geschafft haben, früh genug einzuschreiten", sagte Kahler.
Der Chef des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, hatte erst in der vergangenen Woche erklärt, seit 2001 seien in Deutschland fünf Anschläge verhindert worden. Die Strafverfolgungsbehörden betrieben derzeit 220 Ermittlungsverfahren mit einem islamistisch-terroristischen Hintergrund. Der Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND), Ernst Uhrlau, sagte auf der Herbsttagung des BKA, Deutschland rücke wegen seiner "profilierten Außenpolitik" verstärkt ins Visier islamistischer Terrorgruppen.























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