Papst stößt Protestanten vor den Kopf
Dienstag, 10. Juni 2008 01:40Papst Benedikt XVI. verschärft in der katholischen Kirche den konservativen Kurs. In einem vom ihm bestätigten Dokument heißt es, einzig die römisch-katholische Kirche sei die "wahre Kirche Christi".
Rom - Papst Benedikt XVI. verschärft in der katholischen Kirche den konservativen Kurs. In einem vom ihm bestätigten Dokument heißt es, einzig die römisch-katholische Kirche sei die "wahre Kirche Christi". Den Protestanten wird das Recht abgesprochen, ihre Glaubensgemeinschaft als Kirche zu bezeichnen.
Damit stößt der Papst die evangelische Kirche vor den Kopf. Das Dokument sei eine "vertane Chance", erklärte der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber. Die Hoffnung auf einen positiven Wandel der Ökumene sei "erneut in die Ferne gerückt". Eine längst überwunden geglaubte Denkweise werde zum Schaden der Ökumene wiederbelebt: "Von Fahrlässigkeit kann niemand mehr sprechen; es handelt sich um Vorsatz", sagte Huber.
Als "Dämpfer für die Ökumene" bezeichnete die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann das Vatikan-Papier. Es sei ein "Trauerspiel", das "ökumenische Pflänzchen so austrocknen zu lassen", sagte die evangelische Theologin.
In dem Dokument heißt es, Protestanten wie auch andere Glaubensgemeinschaften seien mit "Mängeln behaftet". Es handele sich bei ihnen lediglich um "kirchliche Gemeinschaften".
Zur Begründung der Besonderheit der Katholischen Kirche heißt es, Protestanten und andere christliche Gemeinschaften, die nicht den Papst anerkennen, könnten sich nicht auf die "apostolische Sukzession" berufen. Damit ist die katholische Lehre gemeint, wonach sich Päpste und Bischöfe noch heute auf den 2000 Jahre alten Auftrag Jesu Christi an die Apostel zur Glaubensverbreitung berufen.
"Auch wenn diese klaren Aussagen bei den betroffenen Gemeinschaften und auch in katholischen Kreisen Unbehagen verursacht haben, ist nicht ersichtlich, wie man diesen Gemeinschaften den Titel ,Kirche" zuschreiben könnte." Allerdings heißt es, dass die protestantischen Gemeinschaften "zweifellos einen kirchlichen Charakter und einen daraus folgenden Heilswert haben".
Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, räumte ein, die Vatikanerläuterung "mag besonders in ihrer Knappheit und Dichte hart erscheinen". Er warnte, der Anspruch dürfe "nicht zu Überheblichkeit führen". Lehmann sagte aber, das Dokument lasse Raum, Protestanten "nicht nur moralisch, sondern theologisch als Kirchen zu achten".
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