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Umweltministerium rügt Vattenfall

Das Bundesumweltministerium hat den Energiekonzern Vattenfall wegen mangelnder Mithilfe bei der Aufklärung des Störfalls im Atomkraftwerk Krümmel gerügt.

Hamburg/Berlin - Das Bundesumweltministerium hat den Energiekonzern Vattenfall wegen mangelnder Mithilfe bei der Aufklärung des Störfalls im Atomkraftwerk Krümmel gerügt. Während die anlagentechnischen Abläufe weitgehend dargestellt und aufgeklärt worden seien, bestehe weiterhin Unklarheit über Ausmaß und Ursachen des Fehlverhaltens der Bedienungsmannschaft, erklärte das Ministerium am Dienstag in Berlin. "Die bisherigen Einlassungen des Betreibers hierzu sind völlig unzureichend."

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Unterdessen unterrichtete der Konzern, der neben Krümmel den ebenfalls in die Kritik geratenen Atommeiler in Brunsbüttel betreibt, die Atomaufsicht Kiel über fehlerhafte Dübel in Krümmel. Diese Mängel hätten aber direkt nichts mit den Störfällen von Ende Juni zu tun, sagte der Chef von Vattenfall Europe, Klaus Rauscher, in Berlin. Trotzdem bleibe der Reaktor östlich von Hamburg bis mindestens Anfang August abgeschaltet. Der Stillstand kostet Vattenfall nach eigenen Angaben täglich 500 000 Euro.

Das Bundesumweltministerium kritisierte ferner, dass entgegen seiner ausdrücklichen Bitte der Reaktorfahrer und der Schichtleiter, die das Kraftwerk zum Zeitpunkt des Störfalls bedient hatten, nicht bei dem Expertengespräch am Montag in Kiel anwesend waren. Vattenfall habe dies mit "einem Schutzbedürfnis dieser Personen und mit einem Verweis auf die noch laufende Analyse" begründet. Diese Argumentation sei "nicht akzeptabel", erklärte das Ministerium und forderte ein persönliches Gespräch, da es Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten des Personals sehe.

Auch das Kieler Sozialministerium kritisierte die Nichtanwesenheit des Bedienungspersonals. Die Landesaufsicht erwarte nun zunächst bis Ende der Woche einen schriftlichen Bericht, sagte ein Sprecher. Ebenfalls bis Freitag erwarte man einen ausführlichen Bericht über die überhöhte Wasserstoffansammlung im AKW Brunsbüttel. Vattenfall hat nach Angaben des Ministeriums nun zwei Wochen Zeit, um dort die betroffenen Leitungen zu reinigen.

Das Atomkraftwerk Brunsbüttel wurde indes auf ein Viertel seiner Leistung heruntergefahren. Vattenfall hatte Probleme mit der Messleitung zur Überwachung des Reaktorfüllstands und die Gefahr einer Explosion durch unverhältnismäßig hohe Wasserstoffansammlungen zugeben müssen. Das schleswig-holsteinische Sozialministerium prüft derzeit, ob Vattenfall die Betreiberlizenz für die Atomkraftwerke zu entziehen ist. Nach Paragraf 17 des Atomgesetzes ist das vorgesehen, wenn der Betreiber eines Meilers die Kriterien der Zuverlässigkeit und Fachkunde nicht weiter erfüllt.

Die Grünen forderten unterdessen personelle Konsequenzen bei Vattenfall. "Vattenfall hat offenkundig versucht, durch gezielte Desinformationen die Störfälle in den Kernkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel herunterzureden", erklärte der Bundesvorsitzende Reinhard Bütikofer. So müsse sich Vattenfall vom zuständigen Geschäftsführer Bruno Thomauske trennen.

Experten kritisierten mangelnde Kompetenz in deutschen Atomkraftwerken. Lars Olov Höglund, der frühere Chefingenieur des schwedischen Vattenfall-Atommeilers Forsmark, in dem es im vergangenen Jahr beinahe zu einem Gau gekommen war, gab zu bedenken, dass seit mehr als 20 Jahren nicht mehr in die Atomkraftwerke investiert werde. Dadurch schwinde "automatisch die nötige Kompetenz".

SV
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