22.02.12

Joachim Gauck

"Wilde Ehe" irritiert die CSU

Muss ein Bundespräsident "ordentliche" Lebensverhältnisse haben? Und was heißt das eigentlich? Nach Joachim Gaucks Nominierung für das Amt ist eine Debatte darüber entbrannt, ob er sich von seiner Frau scheiden lassen und seine langjährige Lebensgefährtin heiraten soll.

"Es dürfte wohl im Interesse des Herrn Gauck selbst sein, seine persönlichen Verhältnisse so schnell als möglich zu ordnen, damit insoweit keine Angriffsfläche geboten wird", sagte der CSU-Familienpolitiker Norbert Geis der "Passauer Neuen Presse".

Die Reaktionen kamen prompt und eindeutig: Vom Bundesaußenminister über SPD und Grüne bis hin zur Linken bekam der CSU-Politiker Stillosigkeit bescheinigt. Gaucks Lebenspartnerin, die Nürnberger Journalistin Daniela Schadt, sagte, sie wolle ihr Privatleben "nicht ventilieren".

Der 72 Jahre alte Gauck ist seit 1959 verheiratet und hat vier Kinder. Von seiner Frau lebt er aber seit 1991 getrennt. Seit zwölf Jahren ist er mit Schadt liiert, die ihn im Falle seiner Wahl zum Bundespräsidenten am 18. März als First Lady ins Schloss Bellevue begleiten würde. Vor seiner Kandidatur 2010 hatte Gauck versichert, seine Lebensgefährtin heiraten zu wollen, wenn er Präsident werde. Die Ehe mit seiner ersten Frau ist aber noch nicht geschieden.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) schaltete sich in die Debatte über Gaucks "wilde Ehe" ein. "Die Kritik an den persönlichen Lebensverhältnissen des nominierten Bundespräsidenten ist stillos", sagte er der "Rheinischen Post". Deutschland sei ein modernes Land, sagte Westerwelle, der mit dem Unternehmer Michael Mronz in einer eingetragenen Partnerschaft lebt.

SPD-Innenexperten Dieter Wiefelspütz äußerte sich scharf. "Ich kann meinem Freund Norbert Geis nur zurufen: Halt den Mund!" sagte Wiefelspütz der "Mitteldeutschen Zeitung". "Das ist eine abwegige Diskussion. Als ob wir keine anderen Sorgen hätten!"

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck, sagte: "Wie Herr Gauck sein Privatleben lebt, geht niemanden etwas an. Und es bildet einen Teil der Realität ab, dass auch Unverheiratete zusammen leben. Ich erwarte da von Herrn Geis den entsprechenden Respekt." Gaucks Privatleben sei geordnet, aber eben "anders geordnet".

Klaus Ernst, Chef der Linken, die Gauck nicht mitwählen wollen, nannte die Debatte überflüssig. Im Kurznachrichtendienst Twitter schrieb er: "Was für eine mittelalterliche Debatte! Es gibt viel, was gegen Gauck als Präsident spricht, seine Lebensverhältnisse gehören nicht dazu."

Die angehende First Lady selbst ist noch nicht aus dem Staunen heraus gekommen. "Ein bisschen unwirklich" findet Gaucks Lebensgefährtin den Gedanken an eine Zukunft im Schloss Bellevue. Was künftig alles auf sie zukomme, vermöge sie sich nicht recht vorzustellen, sagte Schadt. "Ich muss mich noch ein bisschen sortieren." Für diese Woche habe sie sich Urlaub genommen, um zu ihrem Partner nach Berlin zu fahren.

Quelle: dpa/dapd
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