27.07.10

Kernkraftgegner

Auf Atomkraft pfeifen

Atomkraftgegner haben gestern deutschlandweit in rund 55 Städten gegen längere Laufzeiten für Atomkraftwerke protestiert. Sie versammelten sich vor Wahlkreisbüros und Kreisgeschäftsstellen und forderten die Abgeordneten der Regierungskoalition auf, nicht am Atomausstieg zu rütteln.

Ihrem Anliegen verliehen sie mit Trommeln und Trillerpfeifen Nachdruck. Ersten Rückmeldungen aus 13 Städten zufolge nahmen rund 1450 Atomkraftgegner an den Veranstaltungen teil. Die Aktion sei der Auftakt "zu einer ganzen Reihe von Aktionen in den Wahlkreisen", sagte ein Sprecher des Kampagnennetzwerks Campact.

Die Demonstranten wollten den Abgeordneten von Union und FDP auch eine Erklärung gegen die weitere Nutzung der Atomenergie übergeben, die in den vergangenen Wochen von rund 154 000 Menschen unterzeichnet worden war. Eine Umfrage von TNS Emnid im Auftrag der Wochenzeitung "Die Zeit" hatte in der vergangenen Woche ergeben, dass mehr als drei Viertel der Deutschen eine Verlängerung von mehr als zehn Jahren für die heimischen Atomkraftwerke ablehnen. Fast die Hälfte der Bevölkerung (48 Prozent) spricht sich sogar dafür aus, die Laufzeiten gar nicht zu verlängern.

Die Beseitigung alter Atomreaktoren und Kernforschungsanlagen wird den Bund noch auf Jahrzehnte Milliarden kosten. Dies geht nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der SPD-Fraktion hervor. So schätzt das Bundesforschungsministerium die Ausgaben des Bundes für den Rückbau alter Atomanlagen auf etwa 5,4 Milliarden Euro bis 2035. Zusammen mit bereits angefallenen Kosten summierten sich die Gesamtausgaben auf rund 10,6 Milliarden Euro. Zugleich räume das Ressort ein, bei praktisch allen Rückbauprojekten sei künftig mit weiteren Kostensteigerungen" zu rechnen. Grund seien die rapide steigenden Kosten für die Zwischen- und Endlagerung radioaktiver Abfälle. So kalkuliere die Regierung allein für Stilllegung und Sanierung des skandalumwitterten Endlagers Asse II mit Gesamtkosten von mehr als zwei Milliarden Euro. Eine komplette Rückholung des Atommülls aus dem maroden Salzbergwerk werde nach einer ersten Machbarkeitsstudie etwa 3,7 Milliarden Euro kosten. Beim Rückbau der DDR-Kernkraftwerke in Greifswald und Rheinsberg würden Mehrkosten von einer Milliarde Euro gegenüber der ursprünglichen Planung erwartet.

Quelle: ddp
© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Belästigungsvideo "Ich betreibe Kampfsport und habe trotzdem…
Vorsicht Kamera! Hochzeit aus der Sicht einer Whiskey-Flasche
Nach Pokalsieg Pep Guardiola denkt nur noch an Borussia Dortmund
Israel Radikaler Rabbiner überlebt Attentat
Timetraveller.jpg
Timetraveller

Mit der Morgenpost und Timetraveller Geschichte erlebenmehr

Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Kleine Horror-Show

Halloween, das Fest des Gruselns

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote