20.01.10

Demografie

Chemnitz wird zur "ältesten" Stadt in ganz Europa

Es ist ein bekanntes Phänomen, dass die Bevölkerung in Entwicklungsländern aus schierer Überlebensnot das Land verlässt und in den Städten Zuflucht sucht. Diese Tendenz ist aber längst nicht mehr auf Gegenden Afrikas oder Asiens begrenzt.

Von Stefanie Bolzen

Auch in Europa wird die Landflucht in den nächsten Jahrzehnten massiv ansteigen; die Städte werden größer und sind tendenziell jünger, während sich die Randregionen der Europäischen Union entvölkern und vergreisen. Die Stadt Chemnitz wird in 20 Jahren die älteste Stadt Europas sein. Keine andere Region hat dann einen so hohen Anteil an über 65-Jährigen: 37,7 Prozent. In der britischen Hauptstadt London werden es nur 10,4 Prozent sein.

Diese Entwicklung belegt eine neue Studie des Europäischen Statistikamtes Eurostat, die eine Bevölkerungsprojektion für die 281 EU-Regionen zwischen 2008 und 2030 aufstellt. Dabei ist zu erkennen: Während die Bevölkerungsdichte im Westen und Nordwesten weiter zunimmt, wird Europa immer "leerer", je weiter man nach Osten kommt. In Bulgarien, Ostdeutschland und Teilen Ungarns sinkt die Bevölkerungszahl um mehr als 20 Prozent. Hingegen werden in Irland, Großbritannien und Belgien immer mehr Menschen leben; Grund dafür ist die anhaltende Zuwanderung. Auch an der Westküste Spaniens sowie der portugiesischen Algarve nimmt die Bevölkerung zu, wird aber nicht jünger. Dies deutet darauf hin, dass sich dort vor allem Rentner niederlassen. Generell werden in Regionen, die schon jetzt dicht besiedelt sind, noch mehr Menschen leben.

Zugleich nimmt die Belastung der arbeitenden Bevölkerung, die die Generation der Rentner finanziert, immer mehr zu. Auch hier nimmt Chemnitz einen "Spitzenplatz" ein: Den Eurostat-Demografen zufolge werden in 20 Jahren 100 arbeitende Personen durchschnittlich 70 über 65-Jährige finanzieren, die aus dem Arbeitsleben ausgeschieden sind. In Sachsen-Anhalt sind es 66 ältere Menschen, in Dresden ebenfalls 66. Zum Vergleich: Im Zentrum von London werden im Jahr 2030 nur 15 Rentner von 100 Arbeitnehmern getragen werden müssen. In Paris sind es 27, im Süden Irlands kommen 24 Rentner auf 100 Erwerbstätige.

In dieser "Belastungspyramide" bildet allerdings eine deutsche Stadt die Ausnahme: Hamburg. Hier wird das Verhältnis zwischen alten und jungen Menschen im Jahr 2030 bei 26 zu 100 liegen. Die Forscher erklären diese Entwicklung mit einem im Vergleich zur bestehenden Bevölkerungszahl hohen Anteil an Zuwanderern. Auch die Städte Bremen und Berlin sind durchschnittlich etwas jünger. Sie liegen im EU-Durchschnitt von 38 Prozent "Rentneranteil". Unter den 27 EU-Staaten ist Deutschland mit 46,2 Prozent mit Abstand das älteste Land der Union.

London, Paris, Oslo, der Süden Irlands und Brüssel werden der Eurostat-Studie zufolge Europas "jüngste" Orte sein. Das Durchschnittsalter liegt dort im Jahr 2030 unter 38,8 Jahren. In den ostdeutschen Regionen prognostizieren die Demografen einen Durchschnitt von 52,8 Jahren. Insgesamt liegt das Durchschnittsalter in der EU 2030 bei 45,4 Jahren; derzeit sind es 40,4.

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