Touchscreen statt Tasten
Dienstag, 10. Juni 2008 02:25 - Von Helge DenkerModerne Alleskönner-Handys bieten heute viele Vorzüge. Das Tippen auf viel zu kleinen Tasten, die doppelt und dreifach belegt sind, gehört nicht dazu.

Moderne Alleskönner-Handys bieten heute viele Vorzüge. Das Tippen auf viel zu kleinen Tasten, die doppelt und dreifach belegt sind, gehört nicht dazu. Zu kleine Tasten an mobilen Geräten sind ein Ärgernis. Die simple Lösung, anstelle von immer mehr Tasten mit Dreifach- und Vierfach-Belegung, sind gar keine Tasten: Stattdessen eine flächendeckende Oberfläche, die als Bildschirm dient und Symbole, Buchstaben und Zahlen zeigt, die das Handy bei Berührung ausführt.
Den Trend zum tastenlosen Gerät hat Apples iPhone gesetzt, lange bevor es auf den deutschen Markt kam. Und auch Googles Handy-Betriebssystem "Android" unterstützt eine Finger-Steuerung, wie sie das Apple iPhone besitzt. Diese reagiert nicht nur auf Fingertippen, mit der sich zum Beispiel durch die Cover der Musiksammlung blättern lässt. Sie merkt auch, wenn das Gerät gedreht wird, und dreht den Bildschirminhalt mit.
Der Trick mit den Touchscreen macht eine Bedienung möglich, die jedes Kind blitzschnell beherrscht und die das Drücken kryptischer Tastenkombinationen überflüssig macht. Denn immer noch scheitern viele Benutzer, nicht nur ältere Menschen, an der viel zu komplizierten Bedienung mobiler Geräte.
Die Bedienung mit dem Zeigefinger ohne Stift und Tasten ist das eigentlich Neue an Apples iPhone. Voraussetzung ist ein Touchscreen, der von den PDAs zu den Smartphones kam und nun auch auf Apples neuesten Musikplayer, dem iPod touch, zum Einsatz kommt. Die einfache Bedienung mit dem Finger statt mit Taste oder Stift findet auf dem heiß umkämpften Handymarkt schnell Nachahmer.
Den Anspruch, ein iPhone Killer zu sein, erfüllt bislang noch kein neues Gerät - aber zumindest ein ernsthafter Konkurrent ist dabei. Dicht dran, was den Kultfaktor angeht, ist das Prada-Phone by LG, das Anfang des Jahres als erstes Handy ohne Tasten auf den deutschen Markt kam. Die klare Menüführung und die edel wirkenden schwarz-weißen "Tasten" auf dem Display machen die Bedienung der vielen Funktionen (Kamera, Musikplayer, Organizer und Telefon) zum Vergnügen. Wird das Handy nicht benutzt, erlischt das Display und der Bildschirm zeigt dezentes Schwarz.
Ebenfalls im Sommer kam das erste "Touch" von HTC auf den Markt. Es reagierte nicht nur auf Antippen der Symbole, sondern kann auch auf getippte Kurzbefehle reagieren. So öffnete ein Streichen von unten nach oben das Hauptmenü, während die Bewegung von links nach rechts das Blättern zum nächsten Menü auslöste. Trotzdem hatte das erste HTC Touch noch ein paar Tasten unter dem Display, sogenannte Softkeys. Auch eine Variante mit ausziehbarer Tastatur wurde auf der IFA vorgestellt. Einen neuen Dreh verpassten Armani und Samsung dem Thema Touchscreen. Das erste Armani-Handy von Samsung, das an die Glücksformel des Prada-Phones (Modemarke + Technik = Erfolg) anknüpfen will, vibriert leicht, wenn es angetippt wird. Was man vorschnell für Spielkram halten könnte, hat dennoch einen Sinn: Es bestätigt das Auslösen einer Funktion, die ohne Hinsehen vom Benutzer wahrgenommen wird und so quasi den Tastendruck ersetzt.
Jüngstes Mitglied der Touchscreen-Liga ist das Qbowl von Samsung, ein Handy mit 3,2 Zoll großem Touchscreen. Es wird im Weihnachtsgeschäft ausschließlich von Vodafone vertrieben und erinnert optisch stark an das iPhone, bietet aber eine ausziehbare Tastatur und mit UMTS eine sehr hohe Geschwindigkeit beim mobilen Surfen. Auch Videotelefonie und mobiles Fernsehen in hoher Qualität sind mit dem Qbowl möglich. Mit 400 Euro liegt der jüngste iPhone-Konkurrent auch preislich mit dem iPhone auf gleicher Höhe, für die echte Daten- und Telefon-Flatrate sind bei Vodafone noch mal knapp 100 Euro im Monat fällig. Die Nutzer sollen aber bitte nicht auf die Idee kommen, ein Callcenter zu betreiben, schränkt Vodafone auf der Webseite ein.
Auch wenn Handy-Hersteller gern behaupten, dass ihr Gerät die "Gestensteuerung" beherrscht, ist die Erkennung von Gesten des Besitzers noch Zukunftsmusik. Zwar sind Handys denkbar, die ohne Berührung auf einen Fingerzeig reagieren und zum Beispiel ein Gespräch annehmen, doch dürfen diese eben nur auf den Fingerzeig ihres Besitzers reagieren. Ein bisher ungelöstes Problem.
Kein Problem ist die Erkennung von guter oder schlechter Stimmung des Besitzers. Sony stellte bereits Kameras vor, die lächelnde Gesichter erkennen können. Diese Funktion auch in Kamera-Handys einzubauen, ist nur eine Frage der Zeit. Auch aus der Schwingung der Stimme lässt sich die Stimmung erkennen. Und für die Erkennung von Sprache und deren Umwandlung in Texte, etwa eine SMS, fehlt den Handys von heute nur etwas Rechenpower und ein wenig mehr Speicherplatz.























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