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Die Technik schmeichelt sich bei Frauen ein

Männer sind beim Technikdesign längst nicht mehr das Maß aller Dinge. Im Gegenteil: Noch nie hat die Industrie so sehr um die Damenwelt gebuhlt.

Sony goes Swarovski: Die trendigen MP3-Player haben 1 bis 4 GB Speicherplatz unterm Glitzer-Kopf (ab etwa 100 Euro)
Sony goes Swarovski: Die trendigen MP3-Player haben 1 bis 4 GB Speicherplatz unterm Glitzer-Kopf (ab etwa 100 Euro)

Männer sind beim Technikdesign längst nicht mehr das Maß aller Dinge. Im Gegenteil: Noch nie hat die Industrie so sehr um die Damenwelt gebuhlt. Ob bei Handys, Notebooks oder Spielkonsolen - knallige Farben, weiche Formen und neue Materialien sollen Kundinnen locken.

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Ende des Monats beginnt wieder die Internationale Funkausstellung in Berlin. Schon jetzt ist klar, dass der holländische Konzern Philips einen glänzenden IFA-Auftritt hinlegen wird - mit "Active Crystals". Die Produktserie sieht zwar nach Schmuck aus, ist aber in Wirklichkeit technisches Zubehör. Zu der "Active Crystals"-Serie gehören verschiedene Kopfhörer mit Silber und Kristallen, die an einer Halskette hängen, sowie zwei USB-Sticks zum digitalen Datenspeichern, die man sich in Herzform um den Hals hängt. Auch ein kleiner Datenspeicher, der wie ein abschließbares Schloss aussieht, soll Frauen begeistern. Philips und der Kristallhersteller Swarovski wollen sie in Kürze mit vereinten Kräften vertreiben. Einige exklusivere Stücke wurden speziell für Colette, einen Design-Store in Paris, entworfen. Diese werden bereits seit Juni erfolgreich verkauft.

Auch Sony macht mit Swarovski gemeinsame Sache und bringt, zunächst in den USA, MP3-Player auf den Markt, die mit künstlichen Klunkern versehen sind. Sie zielen auf den stark unterentwickelten Markt der Frauen als Technikkäufer.

Technik und Leistung der mobilen Geräte werden immer ähnlicher und so muss das Design für die Differenzierung zum Wettbewerb herhalten. Da liegt es nahe, sich auf Frauen zu konzentrieren - und Unterhaltungselektronik mit hohem "Women-Acceptance-Faktor", kurz WAF, zu produzieren. So nennt man scherzhaft Technik-Produkte, die gern von Frauen gekauft werden. Inzwischen hat man bei Philips und anderswo erkannt, dass Frauen nicht nur beim Technikkauf mitentscheiden, sondern selbst Käufer sind - und von gewaltigen Sound-Anlagen mit sieben Lautsprechertürmen meist weniger begeistert sind als Männer.

Einer der Pioniere des Zielgruppenmarketings ist Nintendo. Das Unternehmen brachte 2006 die mobile Spielkonsole DS Lite auf den Markt. Die gibt's wahlweise in Weiß oder Pink. Streichelzoo-Simulationen wie "Pony Friends" oder "Hunde und Katzen" zielen auf Mädchen als Spielerinnen. Auch die Wii-Konsole spricht verstärkt Frauen an, mit klarem Design und aktivem Bedienungskonzept. Nintendo will weg vom Klischee des bewegungslosen Ballermanns am Bildschirm. Und auch Sony hat seit kurzem die Playstation Portable (PSP) in einer Frauen-kompatiblen Variante in Pink im Programm. Diese Farbe scheint die erste und dümmste Idee der Designer zu sein, Produkte frauentauglich zu machen. Entsprechend knallrosa kommt seit Neuestem auch ein edles Vaio-Notebook daher. Es ist für den privaten Einsatz gedacht - und dürfte wegen des Barbie-Looks als Businesstool für Geschäftsfrauen glatt durchfallen. Denn es reicht bei weitem nicht aus, die Farbe von Technikprodukten zu verändern oder Glitzersteinchen auf ein Gerät zu kleben, um es "weiblicher" zu machen. Es geht vielmehr um die Form.

Mit einem vertrauten Design will die Industrie neue Technik für Frauen interessant machen. Von dem Design profitieren auch die Männer. So hat der Zubehör-Hersteller Logitech die Videokamera "QuickCam UltraVision" im Sortiment, die einem Lippenstift nachempfunden ist. Entworfen wurde sie von Frog Design. Dessen Creative Director James Whittaker schwärmt: "Sie hat einen weicheren, weiblichen Charme, ist leicht zu bedienen und erinnert an etwas Bekanntes, das Frauen täglich benutzen." Die Wünsche der Kundinnen und Kunden würden auch bei Technik immer spezieller, immer ausgefallener. Das Design versuche, diesem Trend zu folgen, ihn zu bedienen. "Unterhaltungselektronik ist ein schneller Markt", so Whittaker, "es geht in erster Linie darum, Bedürfnisse zu befriedigen und in zweiter Linie um ästhetische Aspekte".

Ein völlig neuer Markt sei dies nicht. Schon mit dem iMac und dem iPod hat Apple Ende der 90er die ersten Schritte in Richtung "weiblichen Designs" gemacht. Mit runden Formen, bunten Farben und einfacher Bedienung statt vielen komplizierten Knöpfen. Schon das war ein Riesenerfolg.

Handyhersteller haben sehr früh junge Frauen als Trend-Zielgruppe entdeckt, auch wenn das Wort Frauen-Handy lange als Schimpfwort galt. Sie produzieren heute sogenannte "Fashion-Phones" die als Lifestyle- und Mode-Accessoires daherkommen. Typische Mode-Handys sind zum Beispiel die Nokia-Modelle 7373 oder 7390 in knalligem Pinkbraun, mit Blumenmuster und Kunstlederoptik. Männliche Käufer dafür dürften so rar sein, wie Jungs auf einem Tokio-Hotel-Konzert.

Doch nicht immer lässt sich die männliche Kundschaft derart leicht vergraulen: So soll es auch (Hetero-)Männer geben, die gern das Prada-Handy von LG kaufen. Dagegen hat die Industrie bestimmt nichts einzuwenden.

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