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Welcher Handy-Typ sind Sie?

Vor 15 Jahren startete das digitale Handy-Netz in Deutschland, - der Beginn einer Kommunikations-Revolution.

Das erobert immer mehr Gesellschaftsschichten. Einige Hersteller bieten spezielle Modelle für diejenigen an, die nur die wichtigsten Funktionen benötigen
Das erobert immer mehr Gesellschaftsschichten. Einige Hersteller bieten spezielle Modelle für diejenigen an, die nur die wichtigsten Funktionen benötigen

Vor 15 Jahren startete das digitale Handy-Netz in Deutschland, - der Beginn einer Kommunikations-Revolution. Heute ist das Handy so selbstverständlich wie ein Schlüsselbund, mobiler Alleskönner und Ausdruck individuellen Lebensstils. Welcher Typ bevorzugt heute welches Handy? Wir helfen bei der Selbstfindung.

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Für Modebewusste

Für sie zählt der schöne Schein, nicht die technischen Daten. Den Modebewussten ist egal, ob die Kamera im Gerät zwei oder drei Megapixel Auflösung hat. Viel wichtiger: Das Gerät muss etwas Exklusives haben. Sie kaufen Apples iPhone aus den USA für 1600 Euro bei eBay, egal ob es hier funktioniert oder nicht. (Es funktioniert nicht.) Sie haben längst das erste Prada-Handy von LG, natürlich mit dem Gratis-Täschchen. Motorola präsentiert seine Mode-Handys ganz folgerichtig als Accessoires auf Modenschauen, wie das goldene Modell V3i im Dolce und Gabbana-Style. Ein Handy muss zur Handtasche passen, nicht umgekehrt. Gülcans Karahancis "Traumhochzeit" (Pro 7) wäre ohne Gold-Handy kaum zu organisieren. Zum Glitzer-Handy passen der serienmäßige D&G-Anhänger und das goldene Funk-Headset. Der Beutel aus Aalleder ist schon eher was für Fashion-Victims.

Für Technikbegeisterte

Die "Early Adopter" genannte Zielgruppe ist jedem Handy-Hersteller und Netzbetreiber die Liebste: immer auf der Suche nach dem neuesten Gerät, das noch ein paar Features mehr hat als der Vorgänger. Alle drei Monate wird das Modell gewechselt. Wofür die neue Technik gut ist, spielt keine Rolle. HSDPA, UMTS und Push-E-Mails gehen dem Technikfreak locker über die Lippen. Der First Mover nutzt das Handy als Notebook-Ersatz, surft im Netz und beantwortet seine E-Mails damit. Sein Handy braucht möglichst viele Knöpfe, am besten eine komplette Tastatur. Es muss einfach alles können, auch wenn er selbst nur einen Bruchteil der Funktionen nutzt. Dass es so aussieht wie ein Mini-Notebook und mehrere hundert Gramm wiegt, nimmt er gelassen in Kauf. Er führt sein "Brikett" im schlimmsten Fall in einer Handy-Tasche am Gürtel mit sich, wogegen das Headset eher Assoziationen an einen Außerirdischen weckt, der Selbstgespräche führt. Typische Freak-Geräte sind Nokias Communicator und alle Blackberry-Modelle.

Für Prepaid-Sparfüchse

"Ich will mit meinem Handy doch nur telefonieren." - diesen Satz sagt der Sparfuchs am liebsten. Er vergleicht stundenlang die Preistabellen in Fachzeitschriften, um den günstigsten Discount-Tarif für sich zu finden. Klarmobil, Simyo, Blau.de und Simply sind seine Welt. Doch zahlt er bei Aldi Talk statt 15 nur noch 14 Cent die Minute, wechselt er sofort den Anbieter, freut sich über den eingesparten Cent und nervt seine Umgebung, es ihm gleichzutun. Dann würden seine Anrufe nämlich noch billiger. Sein Handy kauft er am liebsten gebraucht und bei eBay, das Modell ist ihm dabei fast egal. Von Verträgen und Subventionen hält er nichts, in einen Shop von T-Mobile oder Vodafone verirrt er sich selten und im Ausland rührt er sein Handy nicht an - aus Kostengründen. Ein typisches Sparfuchs-Gerät: das Motorola W220.

Für Spiele-, Sims- und Klingelton-Fans

Die SSK sitzt hinten im Bus (oder in der Metro in Paris) und erfreut die Umgebung lautstark mit Klingeltönen, wobei das akustische Angebot meist zwischen "Crazy Frog" und "Sweety, das Küken" pendelt. Die fand der Handy-Besitzer irgendwann mal lustig, bis er entdeckte, dass ihn jedes piepsende, rülpsende und quakende Tierchen im "Sparabo" vier Euro gekostet hat. Diese junge Zielgruppe wählt das Handy nach den Spielen aus, die auf ihm laufen, und verschönert es mit individuellen und ebenfalls kostenpflichtigen Logos. Der Traum dieser minderjährigen Käufer ist eine mobile Spielkonsole mit Musikplayer und endlos viel Speicherplatz, mit der man mal zehn SMS auf einmal an alle seine Freunde verschicken kann. Die schreibt die SMS-Fraktion erstaunlich schnell, trotz T9-Texterkennung. Genauso schnell ist auch die Prepaid-Karte alle, was zu Nachverhandlungen mit dem genervten Taschengeld-Geber führt. Der Zocker träumt von

Nokias   NGage.

Für Muttis

Auf 82 Millionen Deutsche kommen heute mehr als 82 Millionen Handys. Zu den letzten, die zur Mobil-Gesellschaft dazustießen, gehört Mutti. Das Handy - gerne ein Nokia 6020 - wurde ihr von ihren Kindern oder Enkeln quasi aufgenötigt, sprich: es wurde ihr geschenkt. Aber sie benutzt es nicht, bis eines Tages das Prepaid-Guthaben verfällt. Das Handy liegt meist auf dem Küchentisch oder irgendwo in der Schublade, bis der Akku alle ist und es verzweifelt nach Strom piepst. Klingelt es doch einmal, wird hektisch danach gesucht. Wo war noch mal die Annahme-Taste? Zu spät. Zwar gibt es auch Senioren-Handys mit extra großen und wenigen Tasten, aber wer will schon damit gesehen werden? Mutti jedenfalls nicht. Sie bewundert Angela Merkel, die ihre Regierung per SMS auf Trab hält. Wo war doch gleich die Taste?

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