28.05.09

Prominente

Ursula Werner: "Berühmtsein ist auch eine Belastung"

Mit "Wolke 9", dem Film über Liebe und Sex im Alter, brach Ursula Werner alte Denkstrukturen in der Gesellschaft auf. Für ihre brillante Darstellung der leidenschaftlichen Geliebten Inge erhielt die 65-jährige Schauspielerin in den vergangenen Monaten Waschkörbe voller Fanpost und zahlreiche Ehrungen, darunter den Bayerischen und den Deutschen Filmpreis.

Von Franziska v. Mutius

"Viele denken jetzt, ich schaufele jeden Tag das Geld hin und her, damit es nicht schimmelt. Im Kern hat sich mein Leben gar nicht verändert."

"Wolke 9" sei schon eine "Außerordentlichkeit" gewesen, zumal keiner der Beteiligten mit dieser Resonanz gerechnet habe. "Aber Berühmtsein ist auch eine Belastung. Wenn die Menschen einen umringen, hat man plötzlich keine Kraft mehr, etwas auszustrahlen. Es gebe Menschen, die im Mittelpunkt begönnen, zu leben. "Aber empfindsame Seelen haben es schwer, sich im Rampenlicht zu orientieren."

Obwohl Andreas Dresens Werk inzwischen auch international auf den Festivals die Zuschauer begeistert, hat der Film Ursula Werner keine Flut an Folgejobs gebracht. "Es gab Angebote, die ich gern angenommen hätte, um mich auf der Leinwand weiter auszuprobieren", berichtet Werner, die vor allem als Theaterschauspielerin einen Namen hat und seit 1974 festes Ensemblemitglied des Maxim Gorki Theaters ist. "Nach ,Wolke 9' konnte ich das nicht. Da schauen die Menschen genau hin und sind schnell enttäuscht. Anfänger haben es da leichter. Die haben noch viel zu offenbaren. Wenn man angekommen ist, wird es schwerer, immer höher und weiter zu springen."

Ursula Werner wurde in Eberswalde geboren, wuchs in Prenzlauer Berg auf, wo sie heute noch lebt - wenn sie nicht in ihrem Haus in der Prignitz entspannt. Sie lebt allein. Ob sie dennoch eine so leidenschaftliche Liebe lebt, wie als Inge in "Wolke 9"? Die Frage bringt Ursula Werner zum Lachen, sie antwortet mit mädchenhafter Leichtigkeit. "Ich habe keine feste Beziehung, aber wenn eine Liebe auseinander geht, entwickelt man eine Routine im Umgang mit dem Schmerz. Und meine Kinder haben kein Problem damit, wie ich lebe." Sie hat wechselnde Partnerschaften, genießt aber auch ihr Single-Dasein. "Das ist nicht so schlecht."

Ihre letzte große Liebe mit dem Schweriner Schauspieler Gottfried Richter endete vor acht Jahren. "Es tat weh, aber die Wunden sind verheilt. Man kann aus einer Liebe nicht schnell eine Freundschaft machen." Sie sei ihrem Beruf sehr ergeben, das erschwere eine Partnerschaft erheblich. "Wir müssen flexibel sein, da bleibt oft nur das Pendeln. Was hab ich davon, wenn er in Schwerin oder Aachen lebt?"

Gestern Abend verzauberte Ursula Werner mit ihrer fröhlich-direkten Art die Besucher im Kino Babylon in Mitte. Gemeinsam mit ihrem guten Freund, dem Berliner Autor und Schauspieler Gerhard Haase-Hindenberg, stellte sie dessen neues Buch "Die Hexe von Gushiegu" (Heyne Verlag, 19,90 Euro) vor. Darin schildert der Autor die wahre Geschichte der ghanaischen Geschäftsfrau Asara Azindu, die als Hexe beschuldigt, verfolgt und verbannt wurde. "Es ist zauberhaft geschrieben", schwärmt Werner. Mit Hexenglaube kann sie aber nicht viel anfangen. "Ich akzeptiere, dass es viele Religionen gibt, aber ich bin ganz atheistisch. Ich glaube nur an den gesunden Menschenverstand."

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