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Film

Zwischen Tristesse und Trauer

Erst am Ende siegte das Lachen. Der Publikumspreis des 61. Internationalen Filmfestivals Locarno ging an "Son of Rambow". Eine schöne Entscheidung, demokratisch gefällt per Votum der Zuschauer, die allabendlich auf die Pizza Grande strömten, selbst bei Regenschauern schon ein, zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn Plätze belegten, um die dort außerhalb des Wettbewerbs gezeigten Filme zu genießen.

Die Auszeichnung der am Donnerstag in den deutschen Kinos anlaufenden Komödie um zwei jugendliche Rambo-Fans mit Jungfilmer-Ambitionen belegt, dass sich die Zuschauer nicht von kalkuliertem Kommerz-Quark einlullen lassen. Weder siegte kitschiger Klamauk, wie die routiniert auf Romantik getrimmte Klamotte "Marcello, Marcello", noch das pseudointellektuelle Gepolter von "Lezione 21", dem wie eine Aufführung der Augsburger Puppenkiste im Drogenrausch wirkenden Regiedebüt des durch "Novecento" weltbekannten italienischen Autors Alessandro Baricco.

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"Son of Rambow" ist ein Film mit typischen Locarno-Zutaten: Die Antihelden sind Randfiguren der Gesellschaft, Armut und Außenseitertum hindern sie am kleinen Glück. Im Gewand der Komödie, die nebenbei gehörig der Lust am Kino huldigt, wird die Schwierigkeit des Lebenskampfes beleuchtet. Das geschieht in Bildern voll Geheimnis, geprägt vom Spaß am Spiel mit Licht und Schatten, in pointierten Dialogen, die nie platt erklären, was die Bilder schon gezeigt haben. Mit Blick auf das Herzstücks des Festivals, den internationalen Wettbewerbe, ist "Son of Rambow" aber ein Ausnahmefilm.

Die Konkurrenz um den Goldenen Leoparden, 18 Filme von Produzenten aus 24 Ländern, badete in triefender Tristesse, die flache Optik hübsch hässlich graustichig, die papiernen Dialoge bleiern ächzend von Ach und Weh - gruselig gemütvolles Gutmenschentum, wohin man blickte. Das wurde denn auch prompt von den Jury-Profis ausgezeichnet. Der Hauptpreis ging an "Parque Vía" aus Mexiko, inszeniert von Regisseur Enrique Rivero. Ein schwerblütiges Drama wider die Ausgrenzung der Alten und, weil das ja nicht genug ist, ethnischer Minderheiten. Auch die übrigen wichtigen Ehrungen huldigen dem Jahrmarkt des Jammerns: Spezialpreis für "33 Szenen aus dem Leben" (Polen / Deutschland), mit, ein Lichtblick immerhin, Julia Jentsch als junger Frau auf Identitätssuche; Regiepreis nach Kanada an Dennis Coté für die manierierte "Kerle hassen Frauen"-Ballade "Elle Veut le Chaos"; Preis für das beste Regie-Debüt an den österreichischen Theaterkünstler Händl Klaus, der in "März" düster-satirisch von den Folgen eines Gruppensuizids erzählt.

Nun mag es ja so sein, dass sich in der Auswahl die Spreu nicht vom Weizen trennen ließ, weil fast nur Spreu angeboten wurde. Dieser Verdacht drängt sich nicht zum ersten Mal auf in Locarno. Zum Glück gab es ein breites Angebot, rund 400 Filme liefen in zwölf Sektionen. Neben dem Piazza-Programm lohnte vor allem der Besuch der "Open Doors". Hier wurde dem Kino Lateinamerikas gehuldigt. Beiträge aus Argentinien, Brasilien oder Chile beeindruckten durch starke Gestaltung und starke Geschichten. Einige dieser Filme haben dank Locarno Verleiher in Europa gefunden. Damit hat sich Locarno verdient gemacht.

Deutsches Kino wurde zwei Mal kräftig auf der Piazza Grande beklatscht: "Berlin Calling" und "Nordwand". Beide fesseln mit spannender, anspruchsvoller Unterhaltung. "Nordwand" überzeugt mit klug verpackter Gesellschaftskritik, in diesem Fall der menschlichen Sensationsgier angesichts tragischer Unglücksfälle. Damit war dies einer der zu wenigen Spielfilme des diesjährigen Angebots, die über Locarno hinaus von sich Reden machen werden, die Chance haben, um die Welt zu gehen.

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