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«Kopfschmerzen für die Leser»

Das war wohl die kürzeste Dankesansprache, die je ein Träger des Friedenspreises der deutschen Verleger und Buchhändler in der Frankfurter Paulskirche gehalten hat. Und ein Drittel davon war eigentlich gar keine Rede; Chinua Achebe, der 71-jährige nigerianische Schriftsteller, las einfach eine lange Passage aus seinem bekanntesten, in 50 Sprachen übersetzten Roman «Okonkwo oder Das Alte stürzt» vor.

Seine Art, über den schwarzen Kontinent mit seinen Schönheiten, seinen Leiden und Katastrophen lieber nicht wie so viele andere zu sprechen, sondern Afrika in den Figuren seiner Werke einfach selbst sprechen zu lassen, macht es fast unmöglich, diesen «Begründer der neuen afrikanischen Literatur», wie er genannt wird, einfach in den politisch korrekten Mainstream antirassistischer und westlich friedensbewegter Afrika-Interpretation einzupassen. Er sträubt sich. Schriftsteller, hat er einmal gesagt, sollten keine Rezepte verkünden, sondern ihren Lesern Kopfschmerzen bereiten.

Unnachgiebig bleibt dieser seit einem Verkehrsunfall vor zwölf Jahren an den Rollstuhl gefesselte, in den USA lebende, mit einem trockenen Humor begabte, zu Phrasen fast unfähige alte Mann freilich nicht nur gegenüber dem die traditionellen afrikanischen Dorfkulturen zerstörenden Kolonialismus. Ebenso entschieden zeigt er sich gegen die westliche Literatur von Hemingway bis Joseph Conrad, die die Afrikaner entweder als Barbaren, ewige Kinder ohne Geschichte, Sprache und Verantwortung oder als «dämonische, dunkle Kehrseite» des aufgeklärten Europa zeichnet. Selbst den «großen Albert Schweitzer», seinen Mitpreisträger, rügt er. Dass der die Schwarzen «seine Brüder, allerdings jüngeren Brüder» nennt, ist für Achebe «eine ungeheuerliche Gotteslästerung». Diese Äußerung sei damals unbemerkt durchgegangen, «weil sie eine lange Geschichte hatte und überaus verbreitet war».

Aber nirgendwo versucht Achebe, so sein Laudator, der Würzburger Universitäts-Präsident Theodor Berchem, seine Romanfiguren oder Afrika überhaupt zu idealisieren. Wovon er träumt - aber nein, er träumt gar nicht, sondern ermuntert die anderen, darüber miteinander zu reden - das ist weder eine einheitliche Weltkultur (schon gar keine abendländische) und auch keine Weltethik oder -religion, sondern im Grunde eine «universelle Zivilisation», die es auf der Grundlage der Menschenrechte allen Kulturen und Religionen erlaubt, frei und brüderlich in der «Schönheit ihrer Unterschiedlichkeit» zu existieren. Irgendwann, davon ist er überzeugt, werde es sie geben, trotz Krieg, trotz Hunger, trotz Aids.

Das Auditorium schien tief beeindruckt von dem unprätentiös wirkenden Menschen, der weniger wie ein Anwalt seines Kontinents als wie ein in zwei Sprachen und Kulturen meisterlich bewanderter Übersetzer auftritt. Ein Mann zum Staunen, der einem klar macht, dass der Dialog mit Afrika wohl erst begonnen hat.

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