Der Wahnsinn des Terrors
Montag, 2. Juni 2008 01:16Eigentlich könnte sich der Teufel in Algerien zufrieden aufs Altenteil zurückziehen. Seine Arbeit ist vollbracht. Und an Nachfolgern herrscht ganz gewiss kein Mangel. Denn seit der Annullierung der Wahlen von 1991 befindet sich das Land in einer Todesspirale.
Gegen den weiteren moralischen Verfall kämpft Kommissar Llob aus Algier mit seinen bescheidenen Mitteln und dem Mut der Verzweiflung. Denn im Prinzip sieht er so schwarz, dass nicht einmal zehn Sonnen seine Stimmung aufhellen könnten. In seinem neuen Fall wird er an einen Tatort gerufen, der ihn an allem zweifeln lässt. Das Blutbad an der Place de la Charité ist wirklich was für das Guinness-Buch der Rekorde: Der Kopf des Ex-Diplomaten Ben Ouda, bei dem Llob am Tag zuvor noch zum Tee eingeladen war, schwimmt in der Kloschüssel, während sich der Rest der Leiche gleichmäßig über die Wohnung verteilt. Alles weist auf die Handschrift des islamischen Terroristen mit dem Namen «Der Friseur» hin, der sich nicht nur auf gut gezogene Scheitel versteht, sondern seinen Kunden gerne den ganzen Kopf abrasiert.
Bald zieht der Fall Kreise, die bis an die Spitze der Gesellschaft reichen. Und eigentlich wundert es Llob schon gar nicht mehr, dass er bald selber zur Zielscheibe der Islamisten wird. «Doppelweiß» - wieder ein Yasmina-Khadra-Krimi, der viel über das Leben in Algerien und den täglichen Wahnsinn des Fundamentalismus verrät. rem
Yasmina Khadra: Doppelweiß. Aus dem Französischen von Regina Keil-Sagawe. Unionsverlag, Zürich 2002. 143 S., 8,90 Euro





























