Cyprien Katsaris serviert Haribo am Klavier
Dienstag, 10. Juni 2008 03:50Haribo, musikalisch. Man stopft sich den klitzekleinen Genuss, der nicht satt macht, aber glücklich, mit vollen Händen in die Ohren, aber man weiß insgeheim, man darf das Vergnügen nicht übertreiben. Das aber tat Cyprien Katsaris auf seine vornehme Art im Kammermusiksaal der Philharmonie am Klavier. 25 Stücklein allein bis zur Pause, musikalische Canapés am fingergeläufigen Band, wenn auch zu annähernd gleichen Teilen auf Edvard Griegs und Robert Schumanns Teller verteilt, sind eine reichliche Fuhre Miniaturen, die einfach durch ihre Fülle dazu angetan sind, dem gut gelaunten Hörer mit der Zeit den Appetit zu verderben.
Dabei verstand Katsaris, sie glänzend zu servieren, Ton für Ton blank geputzt, rieselfreudig, virtuos dargelegt und zur Kenntnis gebracht. Er sieht sich strikt als Anwalt der Komponisten und zieht gewissermaßen vor jedem ihrer Stücke mit allen zehn Fingern den Hut. Alles sehr ehrenvoll.
Aber ein bisschen machen einen Schumanns "Kinderszenen" mit der Zeit doch sehnsuchtsvoll an Clara Haskil denken, und Leif Ove Andsnes hat die "Lyrischen Stücke" von Grieg dem ihnen anhaftenden Wohnstuben-Charakter inzwischen stärker entrissen, als es Katsaris in den Sinn kam.
Katsaris war stets ein entdeckungsfreudiger Spieler. Diesmal tischte er die Ouvertüre zur "Entführung aus dem Serail" in Mozarts eigener Klavierversion auf und ließ ihr in einer schimmernd-schmucken eigenen Fassung Belmontes erste Arie folgen: eine Devotionalie im Geiste musikalischer Herzenshörigkeit. Den Abschluss bildete, ohne jede Einfinsterung dahinstrahlend, Mozarts wundervolle g-Moll-Sinfonie im dahinperlenden Arrangement von Johann Nepomuk Hummel, der als Knabe zeitweilig bei den Mozarts gewohnt und vom Meister gelernt hatte. Er wurde Europas brillantester Pianist, und das zeigte Katsaris hinreißend auf: ein philharmonisches Orchester im pianistischen Alleingang.
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